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05.12.2011

Ich tanzte keinen Bolero, aber den "Polaro"

"Ich glaube nicht an Wunder", sagte Oscar Wilde, "ich habe ihrer zuviele gesehen ..." Die sechste Runde von Dancing Stars war (für mich) exakt ein solches. Hier steht, was ich trotzdem alles gelernt habe.

Denn: Was ich NICHT gelernt habe, hat eh jeder gesehen: Tanzen. Dazu fehlen mir tausend Kleinigkeiten - und ein Großes und Ganzes: Nämlich das Talent, mich zu Musik zu bewegen. Diese Begabung habe ich auch niemals vorgegaukelt. Alles, was ich in die Schlacht werfen konnte, war mein schwindendes Gewicht, mein wachsender Ehrgeiz und die unbändige Freude an der Sache (die von hunderttausenden Anrufern genährt wurde). Für diese Voter war ich offenbar sowas wie ein Role Model. Man kann noch was bewegen - selbst wenn man die Generationen 50 + (an Jahren) und 100 + (an Kilos) repräsentiert. Notfalls sich selbst. Wie schön, wenn man Menschen glücklich machen kann. Die einen, indem man sich schwitzend-leidend-grimassierend weiterwurschtelt. Die anderen, indem man sich ENDLICH (wegen Hausfriedensbruchs im Ballroom) vertschüsst. Ich tanzte also nie den Bolero, sondern stets den POLARO. Kommt nicht von Ravel, sondern von Rebell, also nicht von "komponieren", sondern von "polariseren" und bedeutet: Den einen was vor-, den anderen dafür auf der Nase herumtanzen. Der Vater des deutschen Historikers Joachim C. Fest hatte, wie ich einst einem Interview entnehmen durfte, ein zauberhaftes Lebensmotto: "Ertrage die Clowns!" Das möchte ich gerne all den erbarmungslosen Ätzern und geifernden Hassern ins Stammbuch schreiben. Oder, wie Ustinov erkannte: Humor ist nur einen lustige Art, etwas Ernstes zu sagen. Wer mein Tanzen also nicht lustig fand, den schätze ich fast NOCH mehr als alle, die sich darüber zerbogen. Denn ich nahm es ernst und ich meinte es ernst. Über das Wesen erfolgreicher Geschichten (sei es in Buchform oder im Film) befand Billy Wilder einmal: "Zeige mir Menschen in Verzweiflung." Ich gestehe: Ich war (ganz oft) nicht bloß am Rande der Verzweiflung, sondern weit drüber. Verletzt, verhöhnt, verarscht, verloren. Aber: Nach Auskunft der Redaktion (von Dancing Stars) halte ich heute einen kuriosen Weltrekord - noch NIE kam irgendein Show-Teilnehmer dieses BBC-Formats (das seit zehn Jahren in Dutzenden Ländern läuft) sechs Runden weiter, der IMMER Letzter in der Jurywertung war. Zuletzt möchte ich noch was (für mich) Wichtiges loswerden: Es hat sich gelohnt. Kaum merklich im finanziellen Sinne - obwohl ich (no, na!) ein anständiges wöchentliches Schmerzensgeld vom ORF bekam. Nein: Es hat sich gelohnt, weil meine Frau stolz auf mich war. Und das zählt mehr als zehn Millionen Häme-Einheiten von irrationalen Gefühlskrüppeln. Wer soll jetzt gewinnen: Auch wenn ich ihnen jetzt vielleicht schade, wünsche ich mir Alfons oder Mike als Dancing Star. Was für ein Statement wäre das! Ein Homosexueller bzw. ein Migrant als Liebling der Massen. Träumen darf man ja. Oder? Ich vote jedenfalls für die beiden, bis die Finger glühen.