Erstaunlich, was man ohne Fans zuwegebringt...

Erstaunlich, was man ohne Fans zuwegebringt... © Bild: ali schafler/orf

Schön langsam (fast so langsam, wie ich tanze) wird mir die Sache ein wenig unheimlich: Ich bin immer noch dabei, obwohl ich noch nie was begriffen habe. DAS soll mir einmal wer erklären...

Dancing Stars, Staffel 6 (wobei ich niemals die dümmliche lautmalerische Konnotation SEX verwendete - warum sollte ich das auch, als Außenstehender?), entpuppt sich als eine höchst beachtete ORF-Produktion - dank Top-Quoten mit Spitzenwerten bis zu einer Million und mehr - und als eine zutiefst erstaunliche Spiegelung der österreichischen Seele. Nach einem lachhaften Quick Step und einer (O-Ton Elmayer) "Parodie auf den Jive" bin ich immer noch im Bewerb. Wie das? Weil ich so schön, so lustig, so peinlich oder gar so liebenswert bin? Ich wage es nicht, das zu beurteilen. Den einzigen Reim, den ich mir drauf mache, rufen mir tagaus-tagein die Menschen zu, denen ich auf der Straße, im Supermarkt, im Espresso oder in der Trafik begegne. Es handelt sich - ich komme schließlich aus Ottakring, als aus der Bronx von Wien, und ich wohne immer noch (sehr gerne) dort - um plain ordinary people. Meinesgleichen. Hackler und Pensionisten, Wirte und ihre Gäste, Arbeiter und Angestellte. Alle signalisieren sie mir: "Weiter so! Wir halten Ihnen die Daumen! Sie schaffen es! Bravo! Nur net aufgeben!" Dabei bin ich tänzerisch und (nach Ansicht vieler kluger Hasser aus den besseren Bezirken) auch sonst nix anderes als ein ekelhaft-eitler Egomane. Freilich mit einem kleinen Unterschied: Ich bemühe mich um Besserung. Täglich vier Stunden, neben meinem Job. Ja, ich kämpfe. Unerbittlich zu mir und gegenüber den Alarmsignalen eines materialermüdeten, einschlägig vorstädtisch geschundenen Körpers.Vielleicht ist das der Zauber meines (noch einmal, zum Mitschreiben: tänzerisch völlig ungerechtfertigten) Fortwurstelns in dieser Show. Man leidet mit mit mir. Und Mitleid dürfte ein stärkeres Gefühl sein als bloße Bewunderung - etwa für die so viel gescheiteren, sympathischeren, attraktiveren und begabteren Konkurrenten. Das alles glückt übrigens ohne Fanklub, den es aus einem sehr einleuchtenden Grund nicht gibt: Ich habe keine Fans. Ich habe überhaupt nur einen einzigen Freund. Und der votet nicht einmal für mich, weil er das Geld dringender für andere Dinge braucht. Die Anhängerschar, die ich mobilisiere, ist also eine (für mich) anonyme und (objektiv) ambulante. Wie schön, dass dieser Umstand die immer gleichen Geiferer der "Gemeinde" - also der Post(l)er-Gewerkschaft - so zum Giften, Gackern und Glühen bringt. Sorry, ihr Lieben, denen man (wie Bob Geldof so goldrichtig feststellte) in jedem Lokal tunlichst ausweichen würde: Aber ich bin drin. DRIN! Und ich gedenke sogar, WEITER drin zu bleiben. Denn ich lerne gerade den Slowfox. Den werde ich ohne eine einzige Grimasse groß anlegen. Ich habe schließlich eine Verpflichtung gegenüber all jenen, die mich offenbar als (ihr) Role-Model sehen. He! Da gibt's einen, der sich als Tanz-Dodel dennoch durchfightet! Against all odds. DAS nenn' ich Rückenwind. Dagegen ist alles andere, was einem da als übler Geruch aus Darmgegenden entgegenweht, eine ornithologische Flatulenz. Also: Ein Lercherlschas. Gestatten, mein Name ist Fox. Slow Fox!

Erstellt am 05.12.2011