Kriminalpsychologe mit ungewöhnlichen Zugängen: Richard Brock (Heino Ferch). Als Dorfpolizist am Semmering: Thomas Stipsits (rechts)

© ORF/Petro Domenigg

über den TV-Thriller "Spuren des Bösen" mit Heino Ferch
12/05/2013

Psychologie statt Krimi-Klischees am "Zauberberg"

Unsere tägliche Begleiterscheinung: Heute mit "Spuren des Bösen - Zauberberg"

von Peter Temel

Allein schon, wie Dr. Brock minutenlang ins Tal radelt, hätte sich eine erneute Emmy-Nominierung verdient

Peter Temel | über den TV-Thriller "Spuren des Bösen" mit Heino Ferch

Ein kleines Mädchen spielt im Garten, die Mutter holt es zu sich ins Haus, um es ins Bett zu bringen. Minuten später wird die sechsjährige Aline zum Entsetzen der wohlhabenden Ärztin entführt. Um dieses Verbrechen drehte sich am Mittwochabend auf ORF 2 der dritte Teil der ORF/ZDF-Krimireihe "Spuren des Bösen".

Der eigenbrötlerische Kriminalpsychologe Richard Brock ( Heino Ferch) muss seine ungewöhnlichen Verhörkünste diesmal am Semmering einsetzen. Mit einer verregneten Zugfahrt führt Regisseur Andreas Prochaska ("Das Wunder von Kärnten") die Zuschauer auf den "Zauberberg", so der Titel des Neunzigminüters.

Das gemächliche Tempo der Semmeringbahn zieht sich hernach durch den ganzen Film. Lange Einstellungen, sorgsam eingesetzte Dialoge - das findet man im Hauptabendprogramm nur noch selten. Die kluge Regie setzt auf Psychologie - und nicht auf schnelle Schnitte, die mittlerweile so manchen Sonntags-"Tatort" zerhacken.

Da radelt Brock etwa minutenlang mit einem alten Puch-Rad vom verfallenen Quartier des Hauptverdächtigen aus ins Tal. Schon allein diese Sequenz wäre eine erneute Emmy-Nominierung wert. Bei den vergangenen "International Emmy Awards" war Heino Ferch für seine Leistung im zweiten Teil "Racheengel" als bester Schauspieler nominiert.

Was das Geschehen unter der mächtigen Autobahnbrücke bei Schottwien spannend macht: Hier ist - auch wenn das der kettenrauchende Provinzpolizist (Thomas Stipsits) gerne so sehen würde - letztlich niemand im klassischen Sinn böse. Weder der psychisch kranke Hauptverdächtige Max Rieger, dessen Angstattacken Cornelius Obonya überragend spielt. Und auch nicht die ehemalige Krankenpflegerin Monika Kramer, die der Mutter der entführten Aline die Schuld am Tod ihrer eigenen Tochter Birgit gibt. Die vollkommen zerzauste Ulrike Beimpold agiert dabei beängstigend furios.

Wie Brock aus diesen psychischen Abgründen zu einem Gesamtbild findet, ist wieder einmal mehr als sehenswert - in einem TV-Thriller ohne übertriebene Schockelemente. Erfreulich ist, dass man die "Spuren des Bösen"-Reihe weiterführen will. An Teil vier wird seit Mitte November gedreht.

Fazit: Unaufdringlich servierte Thriller-Spannung abseits der Krimi-Klischees mit hervorragenden Schauspielern. Mehr davon, bitte.

Quoten: Durchschnittlich 662.000 Zuseher verfolgten den TV-Thriller auf ORF 2 (20:15 Uhr).

Info: "Spuren des Bösen" ist als DVD-Box mit allen bisherigen drei Teilen bei Hoanzl erschienen. "Spuren des Bösen - Zauberberg" ist sieben Tage nach der Ausstrahlung in der ORF-TVthek abrufbar.

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