Meinung
30.04.2017

Babel

Wenn es doch nur für sprachliche Missverständnisse auch rote Wellen gäbe!

Niki Glattauer | über Babel

"Als Kollege (40 Jahre Lehrer auf einer Hauptschule im Waldviertel, jetzt leider NMS) und Kurierabonnement erschüttert es meine Frau und mich, dass in den Artikeln teilweise haarsträubende Rechtschreibfehler auftreten. Auch in ihrer Kolumne war ein solcher: "Muter" statt Mutter. Da ich selbst die letzten 25 Jahre Informatik unterrichtet habe und dabei viel mit der Textverarbeitung WORD gearbeitet habe, müsste einem ein solcher Fehler auffallen, da dieser rot unterwellt dargestellt wird." Danke für den Hinweis, Herr Kollege Spindler, auch dafür, dass Sie mir, wie in Ihrem Mail später zu lesen, eh zu wissen "zutrauen, dass man Mutter mit zwei t schreibt".

Wenn es doch nur für sprachliche Missverständnisse auch rote Wellen gäbe! In einer Bezirkszeitung las ich: " Wien öffnet Schule für Obdachlose!" Spontan habe ich mich gefragt, welche Aufnahmekriterien man erfüllen müsste, um in einer solchen "Schule für Obdachlose" aufgenommen zu werden. Genügert es (Wiener Konjunktiv), keine Adresse nennen zu können? Reichert der Nachweis unverschuldeter Armut? Und was würde man dort lernen können? Das Ertragen von wunschlosem Unglück? Das Rechnen im Zahlenraum Cent?

Unnötig gegrübelt, weil falsch gelesen: Schlampig im Geiste, hatte ich dem Wörtchen öffnet das Präfix er- zugedacht, also eröffnet statt öffnet gelesen ... Im Text stand dann nur, dass ein paar Obdachlose mangels Obdach vorübergehend in einer Schule schlafen durften... Oder hörte ich unlängst folgenden Kurzdialog zweier 14-jähriger Schülerinnen:– Kannst du bitte aufhören, mich mit Spoilern zuzuspamen?– Chill bitte! – Geh caritas, echt! – Voll die Nice, Oida …Inhalt: Die eine hatte der anderen Details aus einer TV-Serie verraten und wunderte sich nun über deren wütende Reaktion. Bei der Gelegenheit für alle Nichtlehrer und -eltern: nice (= nett) ist das neue cool, wird von Menschen kleiner gleich 16 aber auch substantivisch gebraucht und dann zweisilbig ausgesprochen (die Neisse). Hat, Herr Spindler, vielleicht sogar das Zeug, eines Tages nicht mehr rot unterwellt zu werden :-)