Armstrongs letzter Tag in der Sonne?

Lance Armstrong holt sich auf der 16. Etappe ein paar Fans zurück.
Foto: rts

TdF-Blog: Der Kampf um Gelb liegt auf Eis, derweil gibt Pierrick "die Nase" Fedrigo keinen Veteranenbonus und gewinnt die Etappe.


Die ersten zwei Stunden heute waren Radrennen vom Feinsten. Da wurde sich nix geschenkt - vom Start gleich auf den ersten Berg, die ersten Attacken und gleich eine Gruppe mit fetten Favoriten. Da wackelten ein paar gute Platzierungen, und deswegen wurde nachgeheizt, dass der Asphalt glühte.

Massenhaft fielen sie hinten raus, neben den üblichen Verdächtigen: Basso & Gesink. Wohl schon ein wenig müde. Saxobank war bald futsch, auch Astana schon dezimiert, aber am zweiten Berg wurden sie sich doch zurückgeholt, vor allem, weil van den Broek (der mir noch immer recht imponiert, scheint schön langsam zu einem echt guten Rundfahrer zu reifen) den Anschluss an die Spitzengruppe nicht schaffte und Omega-Pharma-Lotto(*) Tempo machte.

Dann ging endlich eine akzeptablere Gruppe, und sofort wurde auf Piano umgeschaltet. Diese Selbstmord-Aktionen waren wohl in niemandes Interesse. Schade eigentlich, war sehr packend.

Ein wenig Ausgleich für die verlorene Spannung: Armstrong, Überraschung! Ich glaube doch, dass er sich nach der eher nicht anders als erbärmlich zu bezeichnenden Show der letzten 10 Tage damit wieder ein paar Fans geholt hat. Schon in der ersten Gruppe, dann sofort Gegenangriff und er hat auch am Tourmalet ein, zweimal hübsch attackiert und Löcher zugefahren. Nicht schlecht für einen alten Mann.

Herzzerreißende

Wer keinen Respekt hatte: Barredo, der es mit einer 40 km langen Soloflucht aus der Spitzengruppe probierte und - herzzerreißend sowas! - bei der Flamme Rouge wieder gestellt wurde. Und dann Fedrigo, der Lance im Sprint schlug (mal ehrlich: hat Armstrong echt geglaubt, das würde gehen? Wo blieb die Attacke auf den letzten Kilometern? Nix mehr übrig?).

Die Bbox-Performance (2 Etappensiege, Bergtrikot, Sponsor mag nimmer) deckt sich übrigens verdächtig mit der vernichtenden Einschätzung von Hinault, dass nämlich die fetten und überbezahlten Franzosen nur Gas geben, wenn ihr Vertrag wieder mal ausläuft.

Strohfeuerattacke

Thor Hushovd war auch nicht unbeeindruckt, seine kurze Strohfeuerattacke bergauf, dann doch im Feld mithalten (wobei, wie gesagt, eher Touristentempo heute in der 2. Hälfte) und schließlich den "Massen"sprint gewinnen. Der ihm von Ciolek in bester Renshaw-Manier (sans Köpfler) angefahren wurde, war das ein Bewerbungsschreiben für einen Transfer nächstes Jahr?

Damit gibt's Grünes Trikot für ihn, zumindest bis Freitag. Man wird sehen, ob ihn nicht Signore Salbutamol, äh, sorry, mittlerweile PFC Petacchi beim nächsten Massensprint wieder faschiert. Ob der aber überhaupt weiter mitfahren darf? Ich meine, es sind schon Leute wegen weit weniger geflogen, man denke an Rasmussen (der zu diesem Zeitpunkt ja nur verdächtigt wurde, seinen Aufenthaltsort falsch angegeben zu haben). Selbst wenn er dabei bleibt, es gibt ja immer noch Cavendish, dem ich noch 2 Etappensiege zutraue.

Abstieg vom Echauffier-Ross

So weit sitzt noch kein Trikot auf sicheren Schultern. Moreau lauert in seiner letzten Tour aufs Bergtrikot, Cavendish könnte sein erstes Grünes heimbringen, nur beim Gelben, da glaube ich schon, dass es Contador wird. Ich war mir ja nicht ganz so sicher, dass Andy nicht doch eine Kamikaze-Attacke fahren wird, aber das Testosteronpflaster blieb wohl im Kulturbeutel.

Ganz im Gegenteil, heute war alles auf Versöhnung: Entschuldigung, sind eh wieder gut, jaja, und auch bitte nimmer Buh sagen zum Alberto. Sogar ich bin schon wieder von meinem hohen Echauffier-Ross abgestiegen. Am Donnerstag dann wird entschieden, der erste am Tourmalet droben wird der erste in Paris, meint Andy. Ganz so, als gäb's am Samstag keine 52 km Zeitfahren.

(*) Wenigstens nicht halb so lang wie dieses eine italienische Pro-Continental-Team. Das ist kein Teamname, das sind die Gelben Seiten von Padua.

(kurier) Erstellt am
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