zur "Alltagssexismus-Debatte".

Sage nein. Und sage ja - zu dir

von Gabriele Kuhn

01/27/2013, 02:50 PM

Sexualisierte Diskriminierung hat viele Gesichter und Facetten, das ist wichtig, zu unterscheiden.

Gabriele Kuhn | zur "Alltagssexismus-Debatte".

Wer sich dazu entscheidet, eine Sexkolumne zu schreiben, muss vorher wissen, dass da was kommen wird.

Anz├╝gliche eMails (gelinde gesagt), anz├╝gliche Blicke, Nachfragen ("Sind Sie so wie Sie schreiben?"), Fotos, Witze, schmutziges Lachen. Ich mache das, weil ich wei├č, wer ich bin. Und wann meine Grenze erreicht ist. Das gilt/galt auch f├╝r mein Leben. Ich komme aus Verh├Ąltnissen, wo es nicht gerade zimperlich zugegangen ist, Grenz├╝berschreitungen habe ich als Kind und Jugendliche nicht nur beobachtet, sondern auch (hautnah) erlebt. Und dabei spreche ich nicht nur von "Sexismus im Alltag", sondern von einem konkreten Eindringen in meine Intimsph├Ąre.

Einschub: Sexualisierte Diskriminierung hat viele Gesichter und Facetten, das ist wichtig, zu unterscheiden. Sie beginnt beim angeblich so coolen Spruch und endet - ├╝ber Anstarren, zuf├Ąllige Ber├╝hrungen - beim konkreten sexuellen ├ťbergriff. Wer was als Dem├╝tigung empfindet, wird individuell entschieden werden m├╝ssen. Aber jeder Mensch hat das Recht, sich gegen jede Form von Grenzverletzung zu wehren. Es kommt nat├╝rlich auch auf den Kontext an - es ist ein Unterschied, ob mir ein Mann auf meinen Oberschenkel greift, wenn ich mit ihm seit zwei Stunden in einer Bar sitze, ihm signalisiere, dass er mir gef├Ąllt, mit ihm flirte, ihn ermutige, ihn eigentlich will. Oder mir jemand, den ich gerade Mal 10 Minuten kenne, bl├Âd mit einer Ber├╝hrung kommt, die absolut unangebracht ist. Was mir ganz sicher nicht gef├Ąllt: M├Ąnner unter Generalverdacht zu stellen. Dies schadet nur der Diskussion.

So.

Aber was tun? F├╝r mich pers├Ânlich (und bitte nur f├╝r mich!!!) ist die eigene Erm├Ąchtigung eine wichtige Facette rund um dieses Thema. Noch einmal - ich spreche hier ganz konkret von den klassischen Formen des Alltagssexismus in Form von Witzchen und Anspielungen. F├╝r mich ist diesbez├╝glich klar, dass ich mich erm├Ąchtigen muss, die Wahl zu haben, was und wen ich wie sehr an mich ranlasse und was nicht. Diese Macht muss ich in mir sp├╝ren. Sie macht micht stark und gro├č und konkret. Ich habe also die Macht nein zu sagen, mich in der Sekunde zu wehren, erhobenen Hauptes ungeduldig zu werden, oder durch einen Gegenwitz das Niveau des Gegen├╝bers sarkastisch zu entlarven. Das gibt mir eine Form von Spielraum, den ich Freiheit nenne. Eine Freiheit, die mir, nur mir geh├Ârt. Und Freiheit war f├╝r mich immer schon ein sehr zentrales Thema.

Wie gesagt - ich habe auf diesem Sektor schon sehr fr├╝h sehr viel erlebt. Und daraus gelernt: Vor allem, dass ich kein Mitleid will, dass ich kein Opfer sein m├Âchte. Dass ich es in der Hand habe, mich zu wehren, stopp zu sagen, mein Gegen├╝ber mit meinen Waffen zu schlagen. Ich habe mich nie klein machen lassen und werde mich nicht klein machen lassen. Ganz im Gegenteil: Ich mache mich stark f├╝r mich.

Dies w├Ąre ├╝brigens ein wichtiger Aspekt, die Erziehung unserer T├Âchter betreffend (auch Burschen, ├╝brigens. Wer glaubt, sie w├Ąren ausschlie├člich die T├Ąter, l├╝gt). Wir m├╝ssen Ihnen sagen mach dich nicht klein, lass dich durch die Gedanken anderer Menschen nicht klein machen, bleib bei dir. Denn in dir findest du den Platz, der sicher ist. Hab den Mut dem, der dich klein macht in die Augen zu sehen, und zeig ihm mit der ganzen Kraft deiner Seele, deines Blickes, deines Mensch-seins, dass er dir egal ist, dass seine Worte l├Ącherlich und unbedeutend sind. Und dass sich dadurch an deiner Integrit├Ąt nichts ├Ąndern wird, sich deine Welt weiterdreht und zwar m├Ąchtig. Sage nein. Und sage ja - zu dir.

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