Über die Rutschgefahr am Boulevard
05/13/2016

Achtung, Rutschgefahr am Wiener Boulevard

Es ist von Neustart die Rede. Der neue Kanzler wäre glaubwürdig, wenn er nicht versucht, Medien zu kaufen.

von Helmut Brandstätter

Werner Faymann konnten am Ende auch keine Jubelgeschichten retten

Dr. Helmut Brandstätter | Über die Rutschgefahr am Boulevard

Christian Kern mit der Kronen Zeitung in der Hand. Die Zeitung zeigt das Foto ganz stolz, um zu insinuieren, dass auch er sich am Boulevard orientieren würde. Als ob der Manager nicht intelligent genug wäre, um zu wissen, dass nicht jeder Kanzler denselben Fehler machen muss. Boulevardzeitungen, insbesondere die von Steuerzahlern zwangsweise finanzierten Gratiszeitungen, haben nur ein Ziel: Sie brauchen Persönlichkeiten, um sie hochzuschreiben, und die sie dann wieder runterschreiben können.

Dieses Naturgesetz hat im deutschen Sprachraum nur einer außer Kraft gesetzt, der nicht zufällig den Titel "Der Kaiser" trägt: Franz Beckenbauer. Sein Heiligenschein hat auch ein uneheliches Kind überstanden, als er das so begründete:"Der liebe Gott freut sich über jedes Kind." So etwas wirkt auch in Bayern.

Politisch wesentlich ist, dass Boulevardkampagnen nicht mehr funktionieren, wenn sie es je taten. Werner Faymann konnten am Ende auch keine Jubelgeschichten retten, die Abstimmung über das Berufsheer ging gegen die großen Schlagzeilen aus, und zuletzt hat auch Rudolf Hundstorfer nichts davon gehabt, dass er als Sozialminister mit Riesenbudgets reiche Verlagshausleute noch reicher gemacht hat. Wir Steuerzahler haben endlich das Anrecht auf ein klares Signal des neuen Bundeskanzlers, dass es mit den irrsinnigen Summen für den Boulevard, die unser Budgetdefizit nur noch vergrößern und den politischen Anstand im Land permanent untergraben, vorbei sein muss. Apropos: Wo ist da eigentlich der Finanzminister, der sonst auch gerne auf unsinnige Ausgaben aufmerksam macht?

Differenzierte Debatten gefragt

Ja, es geht um Angst. Und in stillen Stunden bekennen das die Politiker auch: Es wird ihnen brutal gedroht, dass sie "ignoriert" oder gar "runtergeschrieben" werden.

Meine Damen und Herren in der Politik: Das werden Sie vom Boulevard ohnehin, wenn die Zeit danach ist. Beziehungen, die auf Erpressung aufgebaut sind, machen nicht glücklich, und sie haben eine Ablaufzeit.

Was in unserem Land aber stark fehlt, sind ernsthafte Debatten, die sich nicht in Schlagzeilen oder gut gestellten Fotos führen lassen. Wenn der neue Bundeskanzler Christian Kern wirklich einen Neustart will, dann muss er in seiner Regierungserklärung auch zum verzerrten, oft traurigen Medienstandort Österreich etwas sagen.

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