Abstand vom Homeoffice

Homeoffice war das Mittel in der Not – und ist immer noch da. Mittlerweile zeigen sich die Schattenseiten des Konzepts. Gegensteuern erwünscht.
Sandra Baierl

Sandra Baierl

Das Homeoffice wirft ungeklärte Fragen auf: viele arbeitsrechtliche Aspekte wie Pflichten, Rechte, Dienstzeiten und Gerätenutzung; persönliche Themen wie Vereinsamung und Gewichtszunahme (hängt das eine mit dem anderen zusammen?). Oder auch, wie man den Bürotratsch und -flirt über die Distanz aufrecht erhält (und hängt das jetzt wiederum mit der Gewichtszunahme zusammen?).

Es tun sich aber auch Fragen in Bezug auf die Karriere auf. Headhunter Günther Tengel lässt im Interview mit der Feststellung aufhorchen, dass „aus den Augen“ auch „aus dem Sinn“ bedeute. Dass Mitarbeiter im Homeoffice in der Anonymität verschwinden und demnächst von Remote-Arbeitern „aus Nitra oder Bangalore“ abgelöst würden.

Auf Weisung

Dieser Aspekt sorgte in der JOB-Redaktion für Diskussionen. Es stimmt schon: Dieses Homeoffice ist von höherer Kraft erwirkt, niemand hat sich das so ausgesucht. Jene, die nach Hause gesandt wurden, haben nicht laut „Hier“ geschrien – es war vielmehr die Kraft des Faktischen, dass mit 16. März sehr viele Menschen plötzlich und unvorbereitet von zu Hause arbeiten mussten. Es wäre deshalb auch unfair, das jetzt zu einem Nachteil für Mitarbeiter zu machen.

Leider gilt aber auch: Die Welt ist in letzter Konsequenz nicht fair. Und selbst in Homeoffice-Berichten lange vor Corona haben die Heimarbeiter bereits darüber geklagt, zu wenig involviert zu sein.

Wenn es also hart auf hart geht in der Wirtschaftswelt, es zu Kündigungen aufgrund schlechter Geschäfte kommt, dann haben jene einen Vorteil, die nah dran und mittendrin sind. Woraus man wiederum eine Empfehlung ableiten kann: den Abstand zum Unternehmen sollte man so klein wie möglich halten, sonst wird er größer als einem lieb ist.

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