Meinung
17.11.2017

2:0 für den Herrn Ober

"Die Semmel hab’ ich Ihnen durchg’schnitten. So viel Arbeit sind Sie ja nicht g’wöhnt."

Die Semmel hab’ ich Ihnen durchg’schnitten. So viel Arbeit sind Sie ja nicht g’wöhnt.

Mag. Simone Hoepke | über den Herrn Ober

Diese Woche bei einem Termin in einem typischen Wiener Kaffeehaus. Der Herr Ober serviert dem Chef eines bekannten Wellnesstempels ein Frühstück. Ei im Glas, Semmel, Melange.

"Die Semmel hab’ ich Ihnen schon durchg’schnitten. Glei’ wie Sie durch die Tür ’kommen sind, hab ich g’sehen, dass Sie so viel Arbeit nicht g’wöhnt sind", sagt der Ober, schaut unschuldig wie ein Lamm und ist schon wieder verschwunden.

Der Hotelier ist plötzlich von akuter Schnappatmung geplagt. So etwas geht nur in einem Wiener Kaffeehaus, japst er. Und erzählt von einem Wiener Gast, der neulich vorzeitig abreisen wollte. Weil sein – nie um einen Schmäh verlegener – Lehrling ihn am fünften Urlaubstag mit den Worten "Na, Sie werden wir auch nimmer los" das Kaffeekännchen auf den Frühstückstisch gestellt hat. Eine bodenlose Frechheit, befand der Gast, der offenbar in der schmähfreien Zone zu Hause ist.

Der Hotelier kommt in Fahrt. Was er alles mitmacht. Neulich stand eine sehr aufgebrachte Dame mittleren Alters vor der Tür zum Wellnessbereich. In einer sehr hohen Stimmlage habe sie um Einlass gebeten. Und zwar s-o-f-o-r-t! Weil der Privatdetektiv ihren werten Herrn Gatten samt seiner Sekretärin im Whirlpool ortet. Eine ungute Sache. Auch für den Hotelmitarbeiter, der nach allen Kräften versuchte, den Ehestreit vom Ruheraum fernzuhalten.

Kommt gar nicht selten vor, dass ein Mann abwechselnd mit Gattin und Geliebter eincheckt. Beim Personal sind diese Typen nicht so unbeliebt, wie man glauben könnte. Lassen immer viel Trinkgeld da. Schweigegeld.

Der Herr Ober taucht wieder auf. Nun fragt der Hotelier, ob er für den Abend einen Tisch für vier Personen bestellen könnte. "Sicher nicht. Mir samma do ka Möbelhaus", raunt der Ober und rauscht an uns vorbei.

2:0 für den Ober.

Es gibt Leute, die so einen Schmäh gar nicht verstehen. Sie arbeiten bei der UNESCO. Und haben sich einst dagegen ausgesprochen, dass der österreichische Charme zum Weltkulturerbe ernannt wird.