© Getty Images/iStockphoto/innovatedcaptures/iStockphoto

Mehr Platz
11/16/2021

Boxen mit Kopftuch: "Entweder du legst es ab, oder du musst gehen"

Nachdem Nihal S. Diskriminierung öffentlich macht, will Budo Sport Wien nun Anpassungen in der Hausordnung vornehmen.

von Naz Kücüktekin

Was Nihal S. auf ihrem Instagram-Account anspricht, ist hart: Diskriminierung von einem Sportverein, weil sie ein Kopftuch trägt. Innerhalb kürzester Zeit wird das Posting von zahlreichen anderen geteilt.

"Ich habe mir telefonisch ein Probetraining ausgemacht. Und mir sogar Boxhandschuhe gekauft", erzählt die 24-jährige Studentin dem KURIER. Mit zwei Freundinnen will sie es machen. Die drei melden sich zunächst bei der Rezeption an, alles ist normal, bis sie hineingehen wollen. Ob sie eh wisse, dass sie drinnen ihr Kopftuch abnehmen muss?

"Als ich fragte warum, wurden Sicherheitsgründe genannt. Man könne mit dem Kopftuch hängen bleiben und sich verletzen", erzählt Nihal S. Sie kontert, dass es doch auch spezielle Sport-Kopftücher gebe. Doch es hilft nichts. „Entweder du legst drinnen das Kopftuch ab, oder du musst gehen. Bei uns geht das nicht“, wird ihr gesagt. Daraufhin verlangt sie, einen Verantwortlichen zu sprechen. "Der Herr meinte, dass sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Kopftuchträgerinnen gemacht hätten."

Amina E. hat ein halbes Jahr davor eine ähnliche Erfahrung bei Budo Sport Wien gemacht. Nach zehn Minuten Training sei man zu ihr gekommen und habe sie gebeten, ihr Kopftuch abzulegen – ein Sport-Kopftuch ohne Nadeln, sei angemerkt. "Ich erklärte, dass  ich selber einiges an Erfahrung habe", erzählt die Box-Trainerin, die mit drei anderen Trainerinnen selber einen Box-Verein betreibt. 

"Ich glaube, irgendwann wurde es ihr unangenehm und sie meinte: Na gut“, berichtet Amina S, die daraufhin aber nicht bleiben wollte. Als Nihal S. ihre Erfahrung auf Instagram teilt, schließt sich Amina E. an. Sie beide werden von Budo Sport Wien blockiert. 

Änderung der Regel

"Aufgrund von zahlreichen Drohnachrichten auf Social Media haben wir einzelne Konten blockiert", sagt der Verein auf KURIER-Anfrage. Bisher seien jegliche Arten von Kopfbedeckungen laut Hausordnung verboten gewesen. „Das war zum einen wegen der Verletzungsgefahr und zum anderen wegen einiger Vorfälle, bei denen Kopftücher während des Trainings verrutscht sind und Mitgliedern die Schuld dafür gegeben wurde, sowie die Partner der Frauen übergriffig wurden“, erklärt der Verein. Mittlerweile sehe man aber ein, dass ein Verbot der falsche Weg war.

"Wir wollen uns aufrichtig bei allen entschuldigen, die von uns diskriminiert wurden, und werden unsere Regeln anpassen. Wir sehen ein, dass unser Handeln eine traumatisierende oder Re-traumatisierende Wirkung auf Betroffene haben kann", erklärt der Verein. Fortan soll eine Einverständniserklärung regeln, dass die Religion ausgedrückt und mögliche Risiken oder Einschränkungen, die dadurch während des Trainings entstehen können, zur Kenntnis genommen werden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.