Von Bällen, Umzügen und Krapfen: Die Faschingszeit in Österreich

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Erfahren Sie, welche Bräuche in den unterschiedlichen Bundesländern zur Faschingszeit begangen werden.

Von Wien bis Vorarlberg, von Tirol bis Kärnten – die fünfte Jahreszeit wird in Österreich unterschiedlich gefeiert. Doch warum feiern wir eigentlich Fasching? Und welche typischen Bräuche gibt es in den einzelnen Bundesländern?

Die Ursprünge des Faschings

Karneval wurde bereits bei den alten Ägyptern, im antiken Griechenland und Rom sowie auch bei den Kelten gefeiert. Mit öffentlichen Gelagen, Maskenbällen und farbenprächtigen Umzügen wurde sich darüber erfreut, dass die Natur wieder erwacht. Die Ägypter zelebrierten zu Ehren der Göttin Isis ein buntes Fest, die Griechen ließen Dionysos, den Gott des Weines, hochleben, die Kelten wiederum vertrieben die Geister der kalten Jahreszeit, indem sie ein wildes Spektakel mit Rasseln und Holzstöcken aufführten. Ebenso gelten die römischen Saturnalien und Lupercalien als Ursprungsformen des Faschings.

Das mittelhochdeutsche Wort „Vaschanc“, in dem das Wort „Fasching“ seinen Ursprung hat, stand im Mittelalter für den letzten Ausschank von Alkohol vor damals streng eingehaltenen Fastenzeit. Ausdruck „Karneval“ hingegen leitet sich vom lateinischen Begriff „carne vale“ ab, und bedeutet so viel wie „Fleisch lebe wohl“.

 Neben dem Einläuten der Fastenzeit, ist die Grundidee des Faschings oder Karnevals, dass die Verhältnisse auf den Kopf gestellt werden. Mittels eines fröhlichen Verkleidungsspiels wurden soziale Verhältnisse umgekehrt und somit hinterfragt.

Die närrische Zeit endet mit dem Aschermittwoch, der gleichzeitig den Beginn der Fastenzeit markiert. In Österreich wird traditionell drei Tage lang ausgiebig gefeiert, nämlich Faschingssonntag, Rosenmontag und Faschingsdienstag. Der Beginn der Faschingszeit am 11.11. um 11:11 rührt daher, dass es, als das Faschingsfest erstmals historisch fixiert wurde, eine zweiwöchige Fastenzeit vor Weihnachten gab.

Faschingsbrauchtum in Österreich

Im Gegensatz zum „typisch“ deutschen Karneval, der seit dem späten Mittelalter als politisches Statement gesellschaftliche Missstände anprangert und dem Staat den Narrenspiegel vorhält, haben sich in Österreich die älteren Formen des Faschings erhalten. Dazu gehört auch der Faschingskrapfen, dessen runde Form vermutlich darauf zurückgeht, dass in den letzten Faschingstagen alle Vorräte an Butterschmalz und Eiern aufgebraucht werden sollten, um nach Aschermittwoch dann zu fasten.

Der Legende nach entstand der Faschingskrapfen während eines Ehestreits zwischen der Altwiener Hofratsköchin Cäcilie Krapf und ihrem Ehemann. Aufgebracht und in Rage warf Sie ein Stück Germteig nach ihrem Ehemann, das zufällig in siedendem Fett landete. Der Krapfen war geboren.

Fasching in Tirol

Wenn man die Tiroler als größte Narren Österreichs bezeichnet, ist das in diesem Fall ein Kompliment. Im Westen des Landes haben sich nämlich Bräuche erhalten, die auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. So findet beispielsweise in Axams bei Innsbruck am unsinnigen Donnerstag – das ist der Donnerstag vor Aschermittwoch – traditionell das Axamer Wampelerreiten statt. Darunter versteht man ein groß inszeniertes Rollenspiel, in dem Frühling und Winter dargestellt werden sollen.

Der Name Wampeler kommt natürlich vom Wort Wampe für einen dicken Bauch.

Ebenfalls international bekannt sind die Tiroler Mullerläufe rund um Innsbruck und Hall. Bei diesen Umzügen, ziehen Klötzler, Zottler, Hexen, Melcher, Spiegeltuxer und Weißer in wildem Tanz durch Straßen und Lokale, um den Winter zu vertreiben und den Frühling zu begrüßen. Ein Schulterklopfer von Mullern und Matschgern verheißt Glück und Fruchtbarkeit.

Fasching in der Steiermark

Die Steirer bitten zum Faschingsrennen! Ein alter Brauch im Karkautal wandern sogenannte Faschingsrenner von Tür zu Tür mit dem Ziel, den höchstgelegenen Bauernhof zu erreichen. Begleitet werden Sie von einer Gruppe maskierter Musikanten, deren Darbietungen den Winter vertreiben sollen.

Mit den „Trommelweibern“ in Bad Aussee sind Männer gemeint, die in Nachthemden gekleidet am Rosenmontag und am Faschingsdienstag durch den Ort ziehen und die winterlichen Dämonen mit Trommeln und Trompeten vertreiben. Außerdem findet am Faschingsdienstag der „Flinserlumzug“ statt. Diesen nehmen die Frauen aus Bad Aussee zum Anlass, um wunderschöne Kleider aus Naturleinen zu tragen und Süßigkeiten an Kinder zu verteilen.

Von Bällen, Umzügen und Krapfen: Die Faschingszeit in Österreich

Fasching in Vorarlberg

In Vorarlberg wird Faschingsbrauchtum noch groß geschrieben. So gibt es zum Beispiel den Feldkirchner Faschingsumzug, bei dem für gewöhnlich bis zu 4000 Gestalten in bunten Kostümen tanzend und singend durch die Straßen ziehen, um den Frühling willkommen zu heißen.

Eine weitere Tradition rund um den Fasching ist das Funkenabbrennen am Sonntag nach Aschermittwoch. An verschiedensten Orten in Vorarlberg werden Fackeln entzündet, wodurch ein einzigartiges Lichtermeer entsteht. So sollen der Sage nach Winterdämonen vertrieben werden.

Fasching in Salzburg

Wussten Sie, dass in Salzburg die älteste Faschingsgilde Österreichs beheimatet ist? Wenig verwunderlich also, dass hier die Fastnacht mit besonders großem Enthusiasmus gefeiert wird. Beim großen Fastnachtsumzug in Rauris ziehen zahlreiche bunte Faschingswägen mit Gefolge durch die Straßen, bis dann am Abend eine große After Show-Party steigt.

Faschingsgilden sind unparteiische Vereinigungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Leben nicht nur Schwarz zu sehen. Im Gegenteil wollen Sie über Negatives schmunzeln, darüber lachen können und zumindest während der närrischen Zeit, andere Menschen damit anstecken können.

Fasching in Oberösterreich

Zwischen Gmunden und Bad Ischl liegt die Gemeinde Ebensee, die einen traumhaften Blick über den Traunsee bietet. Aber nicht nur wegen der fabelhaften Aussicht, sondern auch wegen des Faschingstreibens, das hier besonders ausgiebig gefeiert wird, sollte man die Ortschaft besuchen. Ein Faschingsumzug jagt den nächsten und sowohl Jung als auch Alt machen begeistert mit – Höhepunkt ist der große Umzug am Rosenmontag. Verkleidet ist man in Lumpen oder besser gesagt Fetzen, die in unmöglichen Kombinationen übereinander getragen werden, weshalb man auch von einem „Fetzenfasching“ spricht.  Ebenso trägt man große Holzmasken. Unter diesen kann man die Stimme verstellen und so Meinungen von sich geben, die man sich in normalen Situationen vielleicht nicht äußern traut. Der Faschingsdienstag in Ebensee gehört dann den Kindern und den bei ihnen beliebten Nuss-Nuss. Hier ziehen die Kleinen von Haus zu Haus, sagen den Reim des Fetzenmarsches auf und werden mit Nüssen, Orangen und Süßigkeiten belohnt. Am Aschermittwoch wird dann der Fasching regelrecht verbrannt. Symbolisiert wird dies durch eine meterhohe Puppe, die an Traun-Ufer getragen und entzündet wird.

Von Bällen, Umzügen und Krapfen: Die Faschingszeit in Österreich

Fasching in Kärnten

Den Faschingssitzungen in Villach kann wohl niemand entgehen. „Lei! Lei!“ heißt der Ausruf, mit dem bunten Kabarett- und Musikprogramm mit Beifall gelobt wird. Und die jährlichen Faschingsprinzessinnen und Prinzen kennt man dank der TV-Übertragung auch im ganzen Land. Narrisch guat, kann man da nur sagen.

Villacher Fasching 2020

Fasching in Niederösterreich

In Niederösterreich geht es im Vergleich zu anderen Bundesländern zur Faschingszeit eher ruhiger zu. Hervorzuheben sind dennoch die Umzüge in Tulln und Perchtoldsdorf, die vor allem für Kinder Highlights darstellen.

Fasching im Burgenland

Im Burgenland ist vor allem die Gegend rund um den Neusiedlersee zur Faschingszeit einen Besuch wert. Hier gibt es vielerlei Umzüge, die man stets mit Feiern bis in die Morgenstunden ausklingen lässt.

Das Burgenland ist für seine Bräuche bekannt – so auch zum Fasching. Die uralte Tradition des Blochziehens fand früher nur statt, wenn es im Dorf im Vorjahr keine Hochzeit gab. Ein Junggeselle aus dem Ort musste zur Strafe einen geschmückten Baumstamm, die Waldfrau, beziehungsweise das Bloch, heiraten. Die unverheirateten Mädchen zogen das Bloch durch den Ort. Heute wird die Faschingshochzeit anders begangen, nämlich indem die Braut bei der Hochzeit auf einem geschmückten Bloch durch die Gemeinde gezogen wird.

Fasching in Wien

Fasching in der Hauptstadt steht synonym für die Ballsaison. Auch wenn diese heuer ausfällt, kann man sich schon wieder auf Highlights wie den Bonbon-Ball, den Zuckerbäckerball und natürlich den Opernball freuen.

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