Mikro-Shorts statt Sixpack: Harry Styles und Paul Mescal zeigen sexy Bein
Waschbrettbäuche als männliches Schönheitsmerkmal Nr. 1? Neuerdings erhitzen ultra-kurze Hosen und die dazugehörigen nackten Beine, Waden und Knöchel die Gemüter.
Von Gregor Tholl
Bei jungen Männern geht es in Gesprächen heutzutage oft bloß ums Gym, um Body-Transformation, Muskelaufbau, dicken Bizeps, Ernährung, Proteine, breites Kreuz und sexy Brustpartie, Waschbrettbauch und markante Kieferknochen. Oder einfach auch nur um den Testosteronspiegel. Da sehnt man sich doch lieber nach etwas mehr Leichtigkeit: Das Epizentrum männlicher Ästhetik scheint 2026 etwas tiefer zu liegen als am Oberkörper.
Die Männer-Wade feiert angeblich ein Trend-Comeback. Es gibt auch einen sogenannten Thigh-Trend, also einen Hype um Oberschenkel. Die Deutschen bangten bei der Fußball-WM um ihre „Wade der Nation“ Manuel Neuer. Fans lechzen nach den Beinen von Promis wie Popstar und Hobbyläufer Harry Styles oder Filmstar Paul Mescal („Gladiator II“), wenn sie wieder einmal sehr, sehr kurze Hosen tragen.
Mikro-Shorts sind der Minirock für den Mann
Dabei besang DJ Ötzi schon um die Jahrtausendwende in „Anton aus Tirol“, worauf es beim Mann angeblich ankommt: „Meine gigaschlanken Wadln san a Wahnsinn für die Madln.“ Dass die Männerbeine-Anatomie so ein Gesprächsthema geworden ist, liegt auch an der zunehmenden Wahrnehmung von Männern als Sexobjekt. Früher waren es in erster Linie Frauen, die in der Öffentlichkeit und in Beziehungen als Objekt der Begierde galten. Heute werden auch Männer durch visuelle Medien, Dating-Apps und Werbung immer öfter auf ihr Äußeres reduziert – und bekommen in Sachen Schönheitsdruck auch eine Menge ab.
Beine sind dabei ein wiederkehrendes Thema. Früher galt es als Tabu, kurze Hosen zu tragen und (behaartes) Bein zu zeigen. Heute geht es öfter um den richtigen Stil. Wie kurz ist die Hose? Trägt man Tennissocken dazu, gar Kniestrümpfe, oder nur Sneaker-Socken, Füßlinge? „Shorts haben sich komplett durchgesetzt“, sagt der Designer Michael Michalsky. „Männer haben jetzt endlich auch ihr Pendant zum Minirock: ultrakurze Mikro-Shorts, wie sie Harry Styles trägt. Im Grunde sind das die alten Sport- oder Fußballhosen der 70er-Jahre – heute eben als Fashion-Statement.“
Schöner Männerknöchel konkurriert mit Sixpack
Ob die allerdings wirklich in jede Fußgängerzone gehören, darüber könne man geteilter Meinung sein, sagt Michalsky. „Selbst ich, der modische Statements liebt, denke da manchmal: Das ist schon ganz schön lasziv.“ Er persönlich möge Bermudas am liebsten – oder sogar etwas länger: eine Handbreit unter dem Knie, weit geschnitten, fast wie ein Hosenrock. Das umspiele das Bein elegant und gebe ihm die besten Chancen, gut auszusehen. „In einer Bank, vor Gericht oder in einer Anwaltskanzlei finde ich Shorts immer noch unpassend. Ansonsten gilt für mich: Shorts sind wie Ehrlichkeit – sie funktionieren am besten, wenn man etwas Schönes zu zeigen hat.“
Was die Waden angeht, ist Michalsky nicht ganz überzeugt: „Das neue Statussymbol ist für mich ganz klar die Ankle Cleavage – der sexy Blick auf den Knöchel.“ Knöchel seien völlig unterschätzt. „Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein schöner Männerknöchel fast genauso viel Sex-Appeal haben kann wie ein Sixpack.“ Deshalb trügen gefühlt alle Hochwasser- oder 7/8-Hosen – schließlich wolle man den perfekten Knöchel auch zeigen.
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