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Leber, Darm, Stimmung: 11 Fakten über Kaffee, die überraschen

Er macht wach, bringt Menschen zusammen und ist gesünder als man vielleicht vermuten würde. Eine Übersicht.

Kaffee ist Alltagsgetränk, Gewohnheit und Genussmittel zugleich. Er galt aber lange als etwas, das man besser mit Vorsicht genießt, weil er Herzklopfen, Magenweh, Nervosität oder schlechten Schlaf verursachen kann. Heute ist das Bild um einiges differenzierter. Eine Übersicht.

1. Kaffee ist mehr als Koffein

Koffein ist der bekannteste Inhaltsstoff des Kaffees, es wirkt anregend, kann die Aufmerksamkeit erhöhen und macht wach. In Kaffeebohnen stecken aber auch (gesunde) Mineralstoffe, Säuren und zahlreiche Pflanzenstoffe, etwa Polyphenole und Chlorogensäuren, die in der Forschung unter anderem wegen möglicher antioxidativer und entzündungshemmender Effekte untersucht werden. 

2. Fünf Tassen täglich: Gut für die Leber?

Eine große Analyse aus der UK Biobank hat zuletzt gezeigt, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit besseren Leberdaten verbunden sein könnte.  Wer Kaffee trank, hatte ein niedrigeres Risiko für schwere Lebererkrankungen, besonders deutlich war der Zusammenhang bei höherem Konsum. Bei fünf oder mehr Tassen täglich lag das Risiko für Leberzirrhose um 32 Prozent niedriger, jenes für Leberkrebs um 47 Prozent und jenes, an einer Lebererkrankung zu sterben, um 42 Prozent niedriger als bei Menschen, die keinen Kaffee trinken.

3. Nicht jeder reagiert gleich auf Koffein

Koffein wirkt nicht bei allen Menschen gleich, manche bauen es rasch ab, andere reagieren empfindlicher und spüren noch Stunden später Unruhe oder Schlafprobleme. Je regelmäßiger Koffein konsumiert wird, desto stärker gewöhnt sich der Körper daran. Wer eine gute Wachmacher-Wirkung haben möchte, braucht Phasen der Abstinenz, sagen Chronobiologen. Genetische Unterschiede beeinflussen außerdem, wie sensibel jemand auf Koffein reagiert.

4. Zucker verändert die Bilanz

Schwarzer Kaffee oder Kaffee mit etwas Milch ist ernährungsphysiologisch etwas anderes als ein großer Becher mit Schlagobers und Zucker. Aus Kaffee kann rasch eine Kalorienbombe werden. Auch in der Studie zur Lebergesundheit blieb der günstige Zusammenhang zwar grundsätzlich bei gesüßtem Kaffee bestehen, gleichzeitig gab es Hinweise auf ungünstigere Entzündungsmarker bei zu vielen Zusatzstoffen. Wer den gesundheitlichen Nutzen von Kaffee haben möchte, sollte ihn möglichst schlicht trinken. 

5. Filterkaffee hat einen praktischen Vorteil

Kaffee enthält unter anderem Cafestol und Kahweol, diese Stoffe können die Cholesterinwerte leicht erhöhen. Bei Filterkaffee bleiben sie abergrößtenteils im Papierfilter hängen, bei ungefilterten Varianten, etwa aus der French Press oder bei sehr stark aufgebrühtem Kaffee, gelangen mehr davon in die Tasse. Für gesunde Menschen ist das unbedenklich, wer aber erhöhte Blutfettwerte hat oder auf sein Cholesterin achten muss, ist mit klassischem Filterkaffee besser dran.

6. Kaffee wirkt auch auf den Darm

Kaffee kann die Darmtätigkeit anregen und auch den Gallenfluss beeinflussen, einer der Gründe, warum der Morgenkaffee für manche Menschen anregend wirkt.  Menschen mit empfindlichem Magen, Reflux oder starker Koffeinsensibilität merken oft rasch, welche Menge und welche Zubereitungsart sie vertragen. Dunklere Röstungen enthalten tendenziell weniger Säuren als hellere, auch das kann für die Verträglichkeit eine Rolle spielen.

7. Apropos Darm

Eine irische Studie untersuchte erstmals, wie sich Kaffee auf das Darmmikrobiom auswirkt. Bei den regelmäßigen Kaffeetrinkern waren im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern zwei Bakterienarten in deutlich erhöhter Konzentration nachweisbar, die die Produktion der Magen- und auch Gallensäure fördern.  Beide Bakteriengruppen könnten laut der Forschenden eine Rolle bei der Eliminierung ungesunder Darmbakterien und Mageninfektionen spielen.

8. Kaffee ist ein soziales Ritual

Kaffee gilt als Kulturgetränk. Die Einladung „auf einen Kaffee“ steht für ein Miteinander, für die Pause und für Nähe. Kaffeehäuser waren schon früh Orte, an denen nicht nur getrunken, sondern diskutiert und gearbeitet wurde. Heute hat sich der Ort verändert: vom Wiener Kaffeehaus zum Coffeeshop, vom Stammtisch zum Laptopplatz. Der Zweck ist ähnlich geblieben. Kaffee strukturiert den Tag und schafft rituelle Übergänge.

9. Wie viel ist sinnvoll?

Eine allgemeingültige Idealmenge gibt es nicht, entscheidend sind Verträglichkeit, Schlaf, Vorerkrankungen und die Art des Kaffees. Wer nach Kaffee Herzklopfen bekommt, schlecht schläft oder Magenbeschwerden entwickelt, sollte den Konsum reduzieren oder auf entkoffeinierten Kaffee ausweichen. Wer ihn gut verträgt, kann ihn guten Gewissens genießen. 

10. Morgenkaffee bringt's

Und zwar aus zweierlei Gründen: Eine große US-Studie im European Heart Journal untersuchte mehr als 40.000 Erwachsene, dabei zeigte sich: Menschen, die ihren Kaffee vor allem am Vormittag tranken, hatten ein niedrigeres Risiko für Gesamtsterblichkeit und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit als Nicht-Kaffeetrinker.   Und nun die zweite gute Nachricht: Der Morgenkaffee hebt offenbar auch die Laune: Laut einer Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2025 fühlten sich regelmäßige Koffeintrinker danach glücklicher und enthusiastischer – besonders am Morgen. Offen bleibt, ob Koffein die Stimmung hebt oder nur den nächtlichen Mini-Entzug beendet.

11. Kaffee–Psychologie 

Die Einladung „auf einen Kaffee“ steht für Begegnungen und  Nähe. Kaffeehäuser waren immer schon Orte, an denen auch geredet wurde.  Und:  Kaffee strukturiert den Tag und schafft rituelle Übergänge.

Buchtipp: Das große Buch vom Kaffee, Britta Mattern, Holger Preibisch, Deutscher Kaffeeverband, FAZ-Verlag, 32,00 €

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©Frankfurter Allgemeine Buch
Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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