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Lifestyle Fragen an das Leben
07/10/2020

Wie erkläre ich meinem Kind, wenn der Urlaub ausfällt?

Frage an das Leben: In Coronazeiten ist auch die Zugfahrt ins Ausland oder der Urlaub am Meer gefährdet.

von Uwe Mauch

Gemeinsam losfahren, leider nicht: Martin wollte mit seinen drei Kindern eine Woche entspannt durchs grenznahe Tschechien radeln. Auf dem Wiener Franz-Josefs-Bahnhof vollbepackt und voll Vorfreude angekommen, fuhr jedoch in seinen Kopf ein Blitz ein: Zugausfall! Dann die Info: nächstmöglicher Transfer erst am Ende seiner Urlaubswoche.

Martin entfuhr ein für seine Kids zum Glück nicht hörbares „Oasch“. Das jüngere Kind weinte, das mittlere schrie.

„Keine leichte Situation“, betont Helene Haidl, klinische Psychologin der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien. Nach dem Packen und der Fahrt zum Bahnhof platzen alle Träume.

Die Psychologin empfiehlt: „Einmal tief Luft holen, dann den Kindern die eigene Enttäuschung zeigen. Das nimmt schon einmal Druck aus der Situation.“ Und dann? „Trösten. Den weinenden Sohn auf den Schoß nehmen, dem Schreienden Zeit geben zur Beruhigung. Dabei nicht aufs dritte Kind vergessen. Und vielleicht ein Goodie auf der Heimfahrt.“

Kinder sind flexibel

Einfacher, aber weit entfernt von leicht war es für Susanne, die eine schlechte Nachricht von ihrem Reisebüro erhalten hatte. Dem Mail war zu entnehmen, dass der gebuchte Familienurlaub am Meer sprichwörtlich ins Wasser fallen muss. Im Gegensatz zu Martin konnte sie sich immerhin überlegen, wie sie die Misere jetzt am besten ihren Kindern erklärt.

„Manche Eltern haben ein schlechtes Gewissen“, weiß Magdalena Wolf, die als pädagogische Leiterin im SOS-Kinderdorf Wien arbeitet. „Immerhin hatte man doch schon mit den Kindern von der gemeinsamen Auszeit geträumt.“

Magdalena Wolf hat aber eine gute Nachricht für Väter und Mütter: „Die meisten Kinder sind flexibler als ihre Eltern es ihnen zutrauen.“ Das Wichtigste beim Frustverarbeiten, so die Pädagogin: „Ehrlich sein und die Kinder in die eigenen Gedanken einbeziehen. Man kann dem Nachwuchs schon erklären, warum der Urlaub nicht stattfinden kann. Wenn Kinder die Situation verstehen, können sie besser damit umgehen.“

Die noch bessere Nachricht für Menschen, die jetzt Urlaub haben: „Eine ausgelassene Zeit und schöne Erlebnisse müssen nicht unbedingt aufwendig sein. Für Kinder zählt am meisten, einfach mit Mama und Papa zusammen zu sein. Wenn die gemeinsame Auszeit heuer vielleicht kürzer ausfällt oder anders verläuft als erhofft, ist es umso wichtiger, diese Zeit möglichst bewusst zu verbringen.“

Südlich von Tschechien

Dieser Ansicht kann sich auch Helene Haidl anschließen. Die Psychologin der Stadt Wien möchte Eltern ermutigen, nach einer Absage nach alternativen Möglichkeiten in der näheren Wohnumgebung zu suchen, die jedem Familienmitglied möglichst viel Freude bereiten. Die Pläne dazu könne man am besten gemeinsam mit den Kindern schmieden.

Für die verhinderten Tourenradler rund um Papa Martin gibt es da sogar mehr als eine Option. Sternförmig können sie von der Wohnung nach einem leckeren gemeinsamen Frühstück zu Tagestouren aufbrechen. Oder sie radeln von zu Hause durchs Marchfeld, das Weinviertel, das Wiener Becken oder entlang der Donau und erfahren dabei die nähere, zumeist doch unbekannte Gegend. Heimische Tourismusbetriebe werden es ihnen danken.

Den Urlaub verschieben und wieder Vorfreude aufbauen, das ist auch eine Option. Sind sich die Expertinnen einig.