Miriam Santer: Casinos Austria Kärntnerstraße

© KURIER/Gilbert Novy

Croupier
06/16/2014

Die Spielmacher

Im Casino.Warum sich Croupiers das Lächeln manchmal verkneifen müssen.

von Uwe Mauch, Gilbert Novy

Mes Dames et Messieures, faites vous jeux! Machen Sie Ihr Spiel! Schon rollt die Kugel. "Eine halbe Ewigkeit", wie Herwig Koy betont. Er ist bereits seit einem Vierteljahrhundert Croupier im Dienste der Casinos Austria. Bis vor Kurzem galt der Niederösterreicher als Vertreter einer aussterbenden Spezies. Doch durch die Vergabe von drei neuen Casino-Lizenzen (siehe Bericht rechts) werden jetzt wieder Spielleiter gesucht. Lassen seine Chefs wissen.

Koy kompetent. Er kann wie alle Kollegen im Casino auf der Kärntner Straße die Jetons ebenso mit der linken wie mit der rechten Hand über den Spieltisch schieben. Ein, zwei kurze Blicke zum Equipenchef, der leicht erhöht sitzt, sowie zu seiner Kollegin gegenüber, und er weiß, was zu tun ist.

Dann ein, zwei Kommandos in französischer Sprache. Weil das gut fürs Flair ist, weil es im Stimmengewirr auch unmissverständlicher ist. Und die Kugel rollt und rollt, am großen Tisch, beim Französischen Roulette. Koy weiß genau, wie die 37 Zahlen im Roulettekessel angeordnet sind. Nicht nur das! Er kann zu jeder Zahl und zu jeder Zeit sofort ihre drei Nachbarzahlen benennen. Auch das Kopfrechnen ist automatisiert. Es läuft in einer anderen Region des Gehirns ab, während er mit den Gästen und seinen Kollegen am Tisch eine möglichst angenehme Atmosphäre aufbaut.

Spielleiter gesucht!

Ebenso wichtig wie das Handwerk ist das Handling im zwischenmenschlichen Bereich. "Öfters müssen wir vermitteln", erzählt Equipenchef Michael Hybl, der seit 31 Jahren als Croupier arbeitet. Zu Reibungen kann es beispielsweise kommen, wenn zwei Gäste für sich reklamieren, auf die gekommene Zahl gesetzt zu haben. Behutsam zu intervenieren ist auch, wenn sich eine Dame beschwert, dass ihr ein Herr beim Setzen zu nahe kommt.

Vier Tage Arbeit, zwei Tage frei. Ergibt sich aus dem Dienstrad für die Croupiers (unter ihnen auch einige Frauen). Die Firma stellt ihnen aber frei, jederzeit Dienste zu tauschen.

Am Spieltisch haben sie mit dem gesamten Spektrum der Menschheit zu tun, erklärt Equipenchef Hybl. Und Kollege Koy fügt rasch hinzu: "Da sitzt der Generaldirektor neben der Putzfrau. Fad wird einem da nie."

Als anstrengend empfindet der Fünfziger hingegen jene Dienste, die weit in die Nacht hineinreichen.

Ein Postamt verlieren

Hybl und Koy setzen auf ihre Erfahrung und auf ihr Teamplay am Tisch. Manchmal müssen sich die Croupiers ein Lächeln verkneifen. Etwa dann, wenn der stadtbekannte Zuhälter lautstark zum Besten gibt: "Bei euch kann man eine Briefmarke gewinnen – und ein Postamt verlieren." Auf die Frage einer gnädigen Frau, in welcher Branche er denn tätig wäre, war von ihm knapp, sehr ernst, extratrocken zu vernehmen: "Im Fleischhandel."

Wird der Equipechef von einem Gast, der schieres Anfängerglück hatte, gefragt, ob er weiter aufs Ganze setzen soll, antwortet er auffallend ehrlich: "Gewonnen haben Sie bei uns erst, wenn Sie bei der Türe draußen sind." Seine Auskunft deckt sich übrigens mit der Unternehmensphilosophie: "Wir wollen unsere Gäste nicht über den Tisch ziehen. Wir wollen vielmehr dazu beitragen, dass sie einen schönen Abend bei uns verbringen, am nächsten Tag in Ruhe frühstücken können und uns hoffentlich wieder einmal beehren."

Les jeux sont faits! Die Einsätze sind gemacht! Die Kugel wird jetzt bald ihr Ziel erreichen. Für jene, die es sich leisten können (der Großteil der Gäste im Casino in der Kärntner Straße sind Stammgäste, auffallend viele bereits im fortgeschrittenen Alter) darf sie gerne bis in den Morgen rollen. Herwig Koy sagt offen: "Wir verkaufen unseren Gästen quasi eine Illusion." Die auch geglaubt wird. So merkte jüngst ein älterer Gentleman an: "Ich verstehe die Welt nicht mehr! Die ersten zwei Wochen habe ich so viel gewonnen. Aber seither ist es wie abgerissen."

Rien ne va plus! Dabei sind Koy und Kollegen auch darauf geschult, übereifrige Spieler zu orten und für sie professionelle Hilfe im eigenen Haus anzufordern: "Wir haben ein gutes Auge dafür, ob sich ein Gast sein Spiel leisten kann oder nicht. Dabei geht es uns auch darum, den einen oder anderen Spieler vor sich selbst zu schützen." Die Leitung der Spielbank kann dann ein zeitweiliges bis hin zu einem kompletten Spielverbot verhängen.

Die Seele massieren

Mehr gefordert sind die Croupiers als Zuhörer und Seelenmasseure. Geld erleichtert das Leben, schützt aber nicht vor sozialer Isolation. Von einigen Gästen kennen Hybl und Koy sogar Geburtsdaten, Krankheiten, Familiengeschichten. Diese verbringen ihre Zeit lieber im Casino als bei ihrer Familie.

Irgendwann ist die gefühlte halbe Ewigkeit um. Irgendwann hat auch diese Kugel ihr Ziel erreicht. Stellt sich noch die Frage: Spielen Croupiers selbst? Gegenfrage: Warum eigentlich nicht? Sie spielen nicht im eigenen Casino, das verbietet ihr Arbeitgeber. Sie spielen mit Freunden – am liebsten Tarock.

Warten aufs neue Glück

Novomatic gegen Casinos Austria – das ist Brutalität. Wer gewinnt die neuen Spielbank-Lizenzen? Auf der einen Seite der Automatenkonzern aus Gumpoldskirchen, auf der anderen Seite der traditionelle Glücksspielmonopolist.

Zu gewinnen gibt es in diesem Spiel insgesamt drei Spielbank-Lizenzen: Eine im Norden von Wien, eine im Süden der Stadt und eine für Niederösterreich.

Wie der KURIER als erste Zeitung berichtete, wird es zu einem Rennen um ein Casino im Prater kommen: Dort betreibt Novomatic bereits einen Automatensalon. Dort wollen auch die Casinos Austria einen neuen Standort errichten. Angehende Croupiers können im Moment nur abwarten. Wer am Ende das Rennen macht, soll in wenigen Tagen entschieden werden. Und dann muss ja auch noch gebaut werden.

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