Cardio-Couture: Warum Sportgeräte zu neuen Statussymbolen werden
Ein Sprungseil von Prada, ein Skateboard von Louis Vuitton oder ein Tischfußball in italienischem Luxus-Design – Sport und Spiel werden zur Bühne für Stil und Sammelleidenschaft.
Von Nicola Afchar-Negad
Egal, ob Wuzzler, Basketball oder Tennisschläger – die Italiener haben’s einfach drauf in Sachen Design. Als Jannik Sinner bei Wimbledon im Jahr 2023 mit einer maßgeschneiderten Gucci-Duffle-Tasche den Center Court betrat, verschob er für einen Moment die Spielregeln – zumindest modisch. Ein Luxus-Label am Tennisplatz – wie selbstverständlich und daher fast ein bisschen provokant.
Es sollte nicht bei diesem einmaligen Stil-Smash bleiben. 2025 folgte eine eigene Gucci-Tennis-Linie inklusive eines Schlägers, der in Kooperation mit Head entwickelt wurde. Jetzt ist Tennis fraglos ein Sport, der sich für eine gewisse Netz-Noblesse anbietet. Er gilt bis heute als ein wenig elitär und ist seit Jahrzehnten Spielwiese für provokante Outfits und Stil-Statements. Bei Naomi Osaka (vierfache Grand-Slam-Siegerin) wirkte das zuletzt mitunter so, als hätte sich die Fashion Week kurz auf die Anlage der French Open verirrt.
Doch nicht nur auf dem Court vollzieht sich ein Wandel. In Chinas Luxusstraßen schließen Flagships, die einst das Bild der High‑Fashion prägten. Dort, wo früher Gucci, Louis Vuitton oder Dior dominierten, übernehmen nun sportliche Marken wie Descente und limitierte Capsule-Kollektionen die Schaufenster. Luxus zeigt sich nicht mehr nur in Flüsterton-Geschäften und auf Blitzlicht-Laufstegen, sondern dort, wo Menschen sich bewegen, schwitzen, spielen. Die Ästhetik verschiebt sich: Ein sportlicher Lebensstil wird zum Prestige und die Ausrüstung zu Statussymbolen – mehr noch: zu Sammelobjekten. Die High-End-Fitness-Clubs Equinox formulieren es ganz ohne falsche Bescheidenheit: "Es ist nicht Fitness – es ist Leben" (im Original: It’s not Fitness – it’s life).
Internationale Modemagazine sprechen inzwischen etwa von "Cardio-Couture" und meinen damit Kollektionen wie jene von Céline im letzten Jahr. Deren – natürlich limitierte – Pilates-Matte war nach kürzester Zeit nur mehr schwer zu kriegen. Breiter aufgestellte Marken ziehen nach. 2026er-Beispiel: die "Gym"-Linie von Zara Home. Gewichte im schicken Kamel-Ton, Sprungseile mit haptisch ansprechenden Eichenholz-Griffen – die Sachen machen was her.
Auch ZARA Home mischt mit: die neue Gym-Kollektion punktet mit Minimalismus
©HerstellerKrokodile in Courchevel
Ein Ski von Pharrell Williams für Louis Vuitton, ein Basketball von Prada oder ein Tischtennis-Tisch aus der neuen FAS Pendezza x Fiat 500-Kooperation: durch die Bank ein guter Anfang. Aber: da geht noch mehr. Viel mehr. Eine Sportart, die es diesbezüglich allen anderen zeigt: Padel! Schneller und geselliger als Tennis – und relativ leicht zu erlernen. Je nach Schätzung soll es 30 bis 35 Millionen Hobbyspieler weltweit geben, die Anzahl der Clubs ist von 2024 auf 2025 um 16 Prozent gestiegen.
Padel-Plätze boomen! Hier am Beispiel des SIRO One Za“abeel in Dubai
©SIRO One Za'abeelIn Europa gilt Spanien als Mekka, weltweit sind es vor allem die Metropolen, in denen Platz eher rar ist. "Das neue Golf" sagen viele und meinen damit den Netzwerk-Charakter am Padel-Netz, die "Reden wir darüber bei einer Partie Padel"-Mentalität. Immer mehr Hersteller beteiligen sich am Design-Match. In Dubai hat Valentino einen Padel-Club übernommen – als Pop-up, also zeitlich begrenzt. Lacoste ist in Miami und Courchevel aufgeschlagen – mit Krokodil-Emblem am grünen Kunstrasen. In Courchevel ist der Unterboden im Winter beheizt, damit auch bei Kälte Spiel, Satz und Deal möglich ist.
Sportplatz als Galerie
Globale Luxuskonzerne sind das eine, Kunst das andere. Passend zum Racketsport-Boom wäre ein Tischtennis-Paket von "Art of Ping Pong" eine nette Anschaffung. Platten, Schläger, Bälle – die Designs stammen aus Kooperationen mit Künstlern und machen einfach gute Laune. Ähnliches gilt für Basketbälle mit Graffiti-Motiven, wie man sie etwa auch im Buch "Courtside Candy" (Gestalten Verlag, 2025) findet. Von Bällen, die Keith Harings Kunst gewidmet wurden bis hin zu den eigentlichen Slam Dunks des Buchs – knallbunt gestalteten Basketball-Plätzen, die einst graue, urbane Räume in öffentliche Kunst verwandeln. "Art but make it sport" (eine oft verwendete Formulierung im Englischen, frei übersetzt: Kunst, nur in sportlich) steht im Bildband in großen Lettern.
Designer-Tisch "We Need To Play", theartofpingpong.co.uk
©HerstellerUm zum Padel zurückzukommen: Man merkt, dass es hier ein ähnliches Potenzial gibt. Die ersten Rackets tragen bereits Designer-Handschrift und mit "Padel 15" hat in Paris eine Padel-Bar eröffnet, in der man aufschlagen sollte – auch wenn man gar nicht vorhat, selbst zu spielen. Diese Farbgewalt! Diese Energie! Die Freude, die die Kantine versprüht! Das Interior Design stammt vom renommierten Studio Uchronia, ebenfalls aus Paris. Deren gestalterischer Wurf unterstreicht den geselligen und dynamischen Charakter der Sportart, die verflieste Bar ist das entscheidende Ass. "Sportstätten werden zu Bühnen, zu fast theatralischen Settings", heißt es von Seiten der Designer.
"Padel 15" hat in Paris eine Padel-Bar eröffnet. Das Interior Design stammt vom renommierten Studio Uchronia
©romain moriceauWas nach all den Eindrücken bleibt, ist die Erkenntnis: Stil kann man haben, aber viel wichtiger ist es, ihn zu leben. Im eigenen Home-Gym, am Basketball-Platz oder in der Padel-Bar. Auf geht’s – Ausreden werden disqualifiziert. "Get in the Game" – wenn Sport in die Galerie zieht! Eine spielerische Ausstellung im Pérez Art Museum zeigt noch bis September über 100 Werke und Objekte rund um Sport – von zeitgenössischer Kunst bis zu Sneakern, Trikots und Sportmemorabilien. Klares Indiz dafür, wie stark Athletic Culture heute Kunst, Design und Popkultur prägt.
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