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Vielfältige Ursachen: Chronischer Juckreiz ist nicht harmlos
11/06/2014

Vielfältige Ursachen: Chronischer Juckreiz ist nicht harmlos

Dr. Renate Barker, MSC, Fachärztin für Anästhesiologie und Allgemeine Intensivmedizin, Oberärztin und Leiterin der Schmerzambulanz im Krankenhaus St. Elisabeth Wien.

Wann tritt Juckreiz auf?

Juckreiz ist oft Symptom einer chronischen Erkrankung – trockener Haut, allergischer Reaktionen, Pilzinfektionen, Medikamentenunverträglichkeiten bis hin zu Lebererkrankungen, Diabetes und Tumoren. Bei neuem und hartnäckigem Juckreiz sollte deshalb ein Arzt aufgesucht werden. Juckreiz über sechs Wochen hinaus wird als chronisch bezeichnet. Davon sind ca. sieben Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres betroffen.

Welche Formen gibt es?

Vier verschiedene:Pruritozeptiver Juckreiz (von lat. Pruritus, Juckreiz) Entsteht in der Haut durch Trockenheit, Entzündungen oder andere Hautschäden. Beispiele sind Hautreaktionen auf Läuse oder Insektenstiche, aber auch Nesselsucht ("Urtikaria") z. B. in Zusammenhang mit einem allergischen Geschehen oder "Neurodermitis". Neuropathischer Juckreiz Hier sitzt die Schädigung im Nervensystem. Juckreiz nach Gürtelrose ("Herpes zoster"), bei Multipler Sklerose oder Hirntumoren fällt in diesen Bereich. Neurogener Juckreiz Wird durch juckreizerzeugende Substanzen ohne Nervenschädigung im Zentralnervensystem ausgelöst und kommt u. a. bei Hepatitis C und chronischen Nierenerkrankungen vor. Psychogener Juckreiz Bei psychischen Leiden, z. B. Depression und Zwangsstörung, auch bei Minderwertigkeitsgefühlen. Emotional instabile Menschen sind vermehrt betroffen.

Warum hilft Kratzen gegen Jucken nur kurz?

Das Kratzen juckender Stellen wird als befreiend empfunden, weil der dadurch entstehende leichte Schmerzreiz den Juckreiz überdeckt. Allerdings hält diese Wirkung nur kurz an, oft wird das Juckempfinden nach längerem Kratzen verstärkt wahrgenommen. Ratschläge wie "Hör einfach auf zu kratzen" werden als Hohn empfunden: Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück, der Einsamkeit folgt die depressive Verstimmung und die Depression, die wiederum den Juckreiz verstärken kann.

Wie behandelt man chronisches Jucken?

Beim Erstkontakt eines Juckreizpatienten mit einem Arzt wird zwischen "Juckreiz auf entzündlicher Haut" und "Juckreiz auf nicht-entzündlicher Haut" unterschieden. Dann müssen körperliche Ursachen ausgeschlossen oder bestätigt werden: Hier sind viele med. Fachgebiete eingebunden, z. B. Neurologen, Anästhesisten und Schmerzmediziner, Dermatologen, Internisten oder Psychiater. Die Palette möglicher Therapien reicht neben der Behandlung der Grundkrankheit über Hautpflegemittel, Medikamente, Lichttherapie bis hin zu psychologisch unterstützenden Methoden wie Entspannungstechniken.

Tipp: Freitag, 14.11., findet im Festsaal des Wiener Rathauses der 8. Wiener Schmerztag statt (10 bis 18 Uhr). Informationen: www.wienerschmerztag.at

Dr. Renate Barker am Tel. (01/52 100 - 2320): Di., 11. 11., 9.30 bis 10.30 Uhr, Anfragen per eMail: gesundheitscoach@kurier.at

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