Dr. Jekyll & Mr. Hyde waren nicht schizophren

© ap

Dr. Jekyll & Mr. Hyde waren nicht schizophren
09/18/2012

Dr. Jekyll & Mr. Hyde waren nicht schizophren

Schizophrenie ist keine Persönlichkeitsspaltung: Vorurteile und Irrtümer im Bereich psychischer Erkrankungen halten sich hartnäckig.

von Dietmar Kuss

Wer an einer psychischen Krankheit leidet, stößt immer wieder auf Vorurteile und in weiterer Folge auf Ablehnung. Es kommt zu einem Teufelskreis aus Entfremdung und Diskriminierung. Soziale Isolation ist der Endpunkt dieser Entwicklung - ein denkbar schlechter Nährboden für einen Gesundungsprozess. Schizophrenie-Patienten sind da am stärksten betroffen. Das Vorurteil, es handle sich um eine Spaltung der Persönlichkeit hält sich hartnäckig. Hinzu kommen Zuschreibungen wie "soziopathisch", "gefährlich" oder "unzurechnungsfähig". Sehr oft werden Betroffene als "charakterschwach" hingestellt, weil sie sich ihre Krankheit "selbst zugefügt haben" (Studie). Schöpfer der etwas unglücklichen Bezeichnung ist der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler (1857-1939). " Schizophrenie" bedeutet übersetzt so viel wie "gespaltener Geist". Kein Wunder dass da falsche Assoziationen entstehen. Dr Jekyll und Mr Hyde lassen grüßen.

Vorurteile und Irrtümer gibt es auch gegenüber anderen psychischen Erkrankungen. Falsche Zuschreibungen vor allem was die Schuldfrage betrifft sind häufig bei Depressionen, Essstörungen oder auch Alkoholismus anzutreffen. Vor allem Depressionen werden falsch bewertet. Eine Studie in Deutschland hat ergeben, dass der Großteil der Bevölkerung eine Depression als "Befindlichkeitsstörung" einschätzt, die mit Urlaub bekämpft werden könne. Dass es sich im schlimmsten Fall um eine schwere und lebensbedrohliche Krankheit handelt, und nicht um Anfälle von Traurigkeit, wissen viele nicht. Ebenso sind Borderline-Patienten keine "Grenzgänger", wie der Name vermuten lassen würde. Früher wurde damit vielmehr der Grenzbereich zwischen neurotischer und psychotischer Erkrankungsform beschrieben. Heute ist die BPS (Boderline Persönlichkeitsstörung) als eigenständige, psychische Erkrankung anerkannt. Charkteristisch dafür sind Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen. Häufig werten sich die Betroffenen auch selbst stark ab oder verhalten sich auf andere Weise selbstverletzend,

Schizophreniepatienten haben oft Schwierigkeiten, zwischen Wirklichkeit und eigener, subjektiver Wahrnehmung zu unterscheiden. Das heißt, wenn ein Patient im Rahmen einer Psychose z.B. Stimmen hört, sind diese für ihn real. Es gibt dazu sogar Untersuchungen, in denen nachgewiesen werden konnte, dass in diesen Fällen die jeweiligen Gehirnareale für das Hören aktiv sind. Insofern nimmt die Schizophrenie in Bezug auf den Umgang und die Behandlung eine Sonderstellung unter den psychischen Erkrankungen ein. Die krankheitsbedingten Symptome verändern die Welt des Erkrankten dramatisch und führen zu Verunsicherung, sowohl seitens des Patienten als auch seines sozialen Umfelds.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund