© Twitter

Protest
09/06/2016

Diese Schülerin kämpft gegen Afro-Diskriminierung

In Südafrika ist eine Debatte über den Afro als Mädchenfrisur entbrannt.

Ausgelöst wurde die Diskussion von einer 13-jährigen Schülerin, die sich nicht mit der Kritik an ihrer Frisur abfinden wollte. Zulaikha Patel wurde in ihrer Schule in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria laut eigenen Angaben von ihrer Lehrerin dazu aufgefordert ihr "Haar zu kontrollieren". Einem Bericht von CNN zufolge bezeichneten die Lehrkräfte der Pretoria High School Patels Haare zudem als "exotisch".

Doch nicht nur die 13-Jährige stand im Mittelpunkt der Kritik. Auch zahlreiche Mitschülerinnen wurden zurechtgewiesen. "Die Sache mit meinen Haaren verfolgt mich schon mein ganzes Leben lang. Sogar in der Volksschule wurde mir gesagt, dass meine Haare nicht natürlich seien, sondern exotisch. Mein Afro war nie gern gesehen und das Thema hat sich in der High School wiederholt", so Patel gegenüber CNN.

Breiter Protest nach öffentlichem Video

In weiterer Folge formierte sich ein breiter Protest, an dessen vorderster Front Patel gegen die Diskriminierung afrotragender Frauen kämpft. Auf Instagram tauchte Ende August ein Video auf, welches Patel und einige Klassenkameradinnen während einer Auseinandersetzung mit den schuleigenen Sicherheitskräften zeigt. In dem Video ist zu hören, wie die Mädchen lautstark den Satz "Sie werden uns festnehmen" wiederholen.

#StopRacismAtPretoriaGirlsHigh

Kurze Zeit später fanden Patels Anliegen unter dem Hashtag #StopRacismAtPretoriaGirlsHigh auch im Netz Gehör. Auf Twitter sprachen zahlreiche User den Mädchen ihre Anerkennung aus, zeigten sich solidarisch und forderten zugleich Maßnahmen gegen die Diskriminierung schwarzer Mädchen.

Auch eine Petition wurde ins Leben gerufen. Ziel der Unterschriftensammlung ist es, dem Rassismus an südafrikanischen Schulen ein Ende zu bereiten. Bisher haben sich über 31.000 Menschen daran beteiligt.

Bildungsministerium setzt Schulsatzung aus

In einer Aussendung betonte man seitens des Bildungsministeriums der zuständigen Provinz Gauteng, dass die aktuell gültige Schulsatzung überprüft und die auf Frisuren bezogene Klausel vorübergehend ausgesetzt werde." Die Schulsatzung regelt das allgemeine und spezifische Verhalten an südafrikanischen Schulen. Darin ist unter anderem angeführt, dass "keine exotischen Frisuren", "inakzeptable Frisuren" oder "gefärbte Haare" erlaubt sind. In dem offiziellen Statement, das unter anderem auf Facebook veröffentlicht wurde, ist auch zu lesen, das Schülerinnen der Pretoria High School offenbar auch der Gebrauch von Afrikaans, einer der elf Amtssprachen in Südafrika, untersagt sei.

Die Pretoria High School ist eine reine Mädchenschule. Die 1902 gegründete Bildungseinrichtung war während der langjährigen Unterdrückung schwarzer Bürger in Südafrika, die durch eine staatlich festgelegte und organisierte Rassentrennung gekennzeichnet war, nur für weiße Schüler zugänglich. 1990 wurde diese Beschränkung aufgehoben.

"Jetzt ist alles hochgekocht"

Die Kritik an der Verbotskultur der Pretoria High School hat mittlerweile in großangelegte Schülerproteste an anderen Schulen gemündet. So gingen CNN zufolge Schülerinnen der Lawson Brown High School in der südafrikanischen Provinz Ostkap vor wenigen Tagen auf die Straße, um gegen die Diskriminierung zu protestieren. Oupa Bodibe, Sprecher des Bildungsministeriums sagte gegenüber dem US-Sender, dass die Situation "bereits seit geraumer Zeit am Schwelen sei". "Jetzt ist alles hochgekocht", so Bodibe. Die Mehrheit der Schüler an südafrikanischen Schulen sei schwarz, während die Mehrheit der Lehrer weiß sei. "Es handelt sich hierbei um ein echtes Problem, das kulturelle Zusammenstöße auslöst."

Das Ministerium ordnete eine Untersuchung an. Die Schule teilte zu den Vorwürfen bislang lediglich mit, sie werde "eng" mit den Behörden zusammenarbeiten, "um die vorgebrachten Probleme zu lösen".