ZIB-Mann Hazivar: "Leute haben irgendwann genug von einem"

Rainer Hazivar
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch   

„Warum ich?“, fragt Rainer Hazivar am Beginn unseres Gespräches, zu dem er mit seinem Teenager-Sohn Edgar kommt. Seinem Beruf als Journalist gemäß, recherchiert er erst einmal. Warum wir ihn interviewen wollen, liegt auf der Hand. Wenn jemand ständig Gast im eigenen Wohnzimmer ist, sei es auch nur via TV, ist es an der Zeit, den Menschen hinter dem „Zeit im Bild“-Moderator besser kennenzulernen.

Herr Hazivar, bitte lassen Sie mich mit dem  beginnen, was offenbar viele Menschen interessiert. Jeder, dem ich erzählt habe, dass ich Sie interviewen werde, wollte als Erstes wissen, warum Sie so dünn geworden sind.

Das ist das dritte Mal in meinem Leben. Ich habe mit 30,  40 und 50 Jahren abgenommen. Dieses Mal  20 Kilo, weil es nötig war.

Aber Sie waren doch vorher auch nicht dick.

Doch, ich hatte 20 Kilo mehr als jetzt. Das war mehr als genug – und dann habe ich beschlossen, abzunehmen und habe abgenommen.

Das heißt also, Sie machen das alle zehn Jahre mit Vorsatz?

Da bin  ich erst im Nachhinein draufgekommen, weil jeder fragt, ob ich krank bin. Und ich sage dann immer, soweit ich weiß, nein. Vor zehn oder zwanzig Jahren, als ich abgenommen habe, hat mich niemand gefragt, also muss es wohl am Alter liegen.

Wie sind Sie es angegangen?  

Es gibt nur einen Schmäh: nix essen!

Wäre es nicht gesünder, Sport zu machen?

Das geht auch, aber der Trick ist, nichts zu essen – oder zumindest weniger.   

Demnach sind Sie kein Genussmensch.

Das ist es ja. Da ich gerne esse und auch esse bis ich satt bin, hilft es bei mir nur, Mahlzeiten zu streichen.

Das Schwierige ist ja dann, das Gewicht zu halten.

Ich halte mein Gewicht jetzt schon seit Monaten. Lustig ist ja, dass zuerst niemand merkt, wenn du abnimmst. Da gibt es eine Zeitverzögerung. Erst, wenn du ein Weilchen gleich bleibst, sagen alle: „Heast, wie schaust du denn aus?“ Das beste Beispiel ist Willi Molterer (Anm.: der Ex-ÖVP-Chef arbeitet jetzt für die Europäische Investitionsbank). Er hat auch einmal auffällig stark abgenommen, aber dann haben sich die Leute daran gewöhnt.

Man könnte Gewichte stemmen. Damit man nicht so dünn wirkt.

Oder Kajak fahren. Das ist sehr gut für den Muskelaufbau, da muss man total ånzah’n. Ich mache das seit ein paar Jahren, weil meine Knie vom Fußballspielen lädiert sind.  Da habe ich überlegt, welchen Sport man machen kann, bei dem man die Beine nicht braucht. Da gibt es Bogenschießen ...

Schachspielen.  

Genau, so was in der Preisklasse – und eben Kajak fahren.  Aber ich mag Fußball noch immer so gerne, dass ich für jeden Tag außer Samstag weiß, wo eine Partie spielt.  Nur mit dem Dienst ist es  blöd, da geht es sich am Sonntag selten aus.  

Sie waren früher Radio-Journalist mit markanter Stimme, aber ohne Gesicht. Seit Sie Moderator der wichtigsten Nachrichtensendung des Landes sind, ist das anders. Die „Zeit im Bild“ hat durchschnittlich eine Million Zuseher. Wie geht es Ihnen mit der Öffentlichkeit?  

Mein Leben ist eigentlich nicht anders als vorher. Ich habe dieselben Freunde und besuche dieselben Lokale. Natürlich kriege ich Mails und manchmal auch Briefe, aber die meisten Leute wollen einfach nur ein Autogramm. Es gibt insgesamt wenig Zuspruch und wenig Kritik.

Werden Sie auf der Straße angesprochen?  

Ich war schon vor 20 Jahren recht berühmt, weil ich zwei Jahre „Wien Heute“ moderiert habe. Da haben die Leute auch getuschelt und geschaut, wenn ich mir zum Beispiel beim Wiener Eistraum Eislaufschuhe ausgeborgt habe.  Ich kenne das ein bisschen.

Radio oder Fernsehen: Worauf fiele Ihre Wahl, wenn Sie sich entscheiden müssten?

Ich habe sehr viele Jahre  Radio-Beiträge gemacht und mache das am liebsten. Das stimmt schon. Aber das Schöne am ORF ist ja, dass man alle paar Jahre etwas anderes machen kann. Und das mache ich, ohne, dass ich es angestrebt habe.  Veränderung stört mich nicht.  

Moderator der meistgesehenen  und wichtigsten Nachrichtensendung des Landes zu sein, ist ja auch  nicht das Schlechteste.  

Ich bin vor Kurzem 51 geworden und werde, wie wir alle, sicher noch 20 Jahre arbeiten. Ich glaube aber nicht, dass ich das so lange machen werde. Man hat sicher ein Ablaufdatum. Irgendwann haben die Leute genug von einem.

Denken Sie an Horst Friedrich Mayer. Er hat die ZiB mehr als zwei Jahrzehnte moderiert, bis er 61 war.

Das sind unsere Fernseherinnerungen. Mittlerweile ist das vielleicht anders. Obwohl der Tarek (Anm.: ZiB-Moderator Leitner) macht das jetzt auch schon zehn Jahre und der Armin (Anm.: ZiB2-Moderator Wolf) sicher 15 Jahre. Ob ich  die ZiB moderiere, bis ich in Pension gehe, weiß ich nicht. Wobei es mich nicht stören sollte.  

Rainer Hazivar Foto: KURIER/Gerhard Deutsch

Rainer Hazivar im Interview mit Barbara Reiter auf dem Rochusmarkt

Sie waren während Ihres Studiums Hochschülerschafts-Vorsitzender am Wiener Juridicum. Warum stehen Sie gerne in vorderster Front? Ein Alpha-Gen?

Spätestens damals habe ich erkannt: eben nicht! Vor mir war  Stefan Szyszkowitz,  der im Vorstand der EVN ist, in dieser Position. Der ist  viel mehr Alphatier als ich. Ich war damals für eine Periode (Anm.: zwei Jahre) Chef eines politischen Dienstleistungs-Unternehmens mit  20 Mitarbeitern und einem Budget. Ich will nie mehr Chef sein, danke! Ich war derjenige, der am Sonntagabend plakatieren war, während die  anderen ins Kino gegangen sind.  

Wann war Ihnen klar, dass Sie Journalist werden wollen?  

Na ja, Zeitung gelesen habe ich eigentlich schon als Kind. Auf dem Weg in die Schule, musste ich immer  in der Trafik vorbei, um die Zeitung zu kaufen. Die hat mich auch interessiert – nicht nur der Sportteil, sondern auch das, was weiter vorne steht.

Sie selbst haben vier Kinder. Sind das auch Nachrichten-Junkies wie Sie?

Ich glaube schon, dass meine Kinder ein Interesse haben, zu sehen, wie sich die Welt dreht.  Es gibt ja nicht nur Zeitung, sondern auch Fernsehen. Wir haben auch als Kinder die ZiB geschaut (Anm.: Rainer Hazivar hat eine Schwester).  Oder wenn der Edgar zum Beispiel was aus dem Fußball wissen will, sag’ ich schon: „Schau nach, du hast ein Handy.“  Ich lebe das natürlich auch vor, nicht nur durch meine Arbeit in den Medien. Wenn wir irgendwo frühstücken gehen, wie heute, lese ich immer die Zeitung.   

Das scheint abzufärben. Sohn Edgar liest während unseres Gesprächs – „Harry Potter“.

Vier Kinder sind im Vergleich zum Österreich-Durchschnitt von 1,49 Kindern pro Frau recht viel.  War das Ihr Wunsch?

Es hat sich so ergeben. Ich habe vier Kinder mit vier Frauen, jedes Kind hat seine eigene Mutter. Im nächsten Leben mache ich es anders, aber jetzt ist es halt so.

Ist es eine  Typsache, sich für diese Art von Familie zu entscheiden?

Ich weiß nicht. Es gibt schon mehrere Männer mit vielen Kindern – und auch Männer mit noch mehr Kindern. Es führt Thomas Prinzhorn mit sieben Kindern von fünf Frauen, gefolgt von  Josef Broukal mit fünf  Kindern von drei Frauen  – und Liam Gallagher (Anm.: Ex-Leadsänger der Band Oasis)  hat drei Kinder mit drei Frauen. Der Unterschied ist, dass die anderen es sich leisten  können.

Edgar ist ein seltener Name.  

Das war meine Idee. Er wurde nach Edgar Davids benannt – der Fußballspieler, der Brillenwerbung gemacht hat, weil er eine Hornhautablösung hatte.

Ist Patchwork in dieser Größenordnung nicht eine Herausforderung?  

Na ja, wenn alle mitspielen ... insbesondere die Kinder. Ich habe immer geschaut, dass alle Kinder was miteinander zu tun haben, dass sie Geschwister sein können.   

Glauben Sie an die ewige Liebe, nachdem Sie anderes erlebt haben?

Man glaubt immer an die ewige Liebe, aber es steht nirgends geschrieben, dass eine Beziehung besser wird, wenn sie statt fünf Jahren zehn Jahre dauert. Manche Leute passen eben nur eine bestimmte Zeit gut zusammen.  

Trennung tut aber doch immer weh.

Natürlich ist das immer mit einem Drama verbunden. Aber das Drama beginnt ja nicht mit der Trennung, sondern vorher.

Rainer Hazivar Foto: KURIER/Gerhard Deutsch

Eine gute Analyse. Wenn ich schon einen  Experten hier habe: Lassen Sie uns anlässlich der vorgezogenen Nationalratswahl am 15. Oktober kurz die heimischen Politiker analysieren.  Wen finden Sie am spannendsten?

Es ist gerade Wahlkampf, da sehe  ich keinen spannenden. Jeder Politiker hat in seinem Feld zur Zeit seine Baustellen. Das ist das Spannende.

Wie stehen Sie persönlich zu politischen Quereinsteigern, wie wir sie derzeit mehrfach erleben?

Armin Wolf hat ein Buch darüber geschrieben und ich finde seine Conclusio richtig. Manche können es, manche nicht. Trotzdem gibt es wenig gelungene Beispiele, ich bin da immer  skeptisch.

Die Ex-Leichtathletin Kira Grünberg, 24, die seit einem Trainingsunfall im Rollstuhl sitzt,  soll Behindertensprecherin  des „Team Sebastian Kurz“ werden. Reicht eine Behinderung grundsätzlich als Legitimation für so einen Posten aus?

Man soll sich auskennen. Woher das Wissen schlussendlich kommt, ist, glaube ich, zweitrangig. Betroffenheit ist immer hilfreich. Jemand, der keine Ahnung von Menschen mit Handicap hat, wird sich schwer tun. Aber Frau Grünberg habe ich bisher zu wenig wahrgenommen. Ob sie Politikerin sein kann, werden wir sehen. Der Franz-Joseph Huainigg, der derzeitige  Behindertensprecher der ÖVP, ist ein blitzg’scheiter Kerl, der halt leider im Rollstuhl sitzt. Er  wäre aber sicher auch Politiker geworden, wenn er  kein Handicap hätte. Der ist ein Typ für so einen Beruf.  

Was muss ein guter Politiker haben?

Den typischen Politiker gibt es nicht. Wenn man jetzt die Regierung anschaut: Ein Justizminister sollte ein Fachmann sein und sonst nicht weiter auffallen, wenn er es gut macht. Aber als Bundeskanzler, Vizekanzler oder Generalsekretär einer Partei muss man auch Showman sein, sonst geht es nicht. Ich habe aber natürlich ein Faible für Sachpolitiker.  

Hätte Ihnen  eine „Django“-Schlagzeile wie ihrem Kollegen Armin Wolf auch passieren können?  

Ich will das jetzt nicht noch einmal aufkochen, aber ich glaube, alle können froh sein, dass es vorbei ist. Ich finde, dass Armin Wolf total ungerecht behandelt wurde und mit vielem in Beziehung gebracht wurde, womit  man ihn nicht  gemeint hat.

Sind Sie hart im Nehmen, was Kritik betrifft?

Schon vor 30 Jahren haben meine Gegner, die mich nicht mochten,  in den  anderen Unizeitungen geschrieben, wie schrecklich ich bin. Das war ein normaler Studenten-Wahlkampf. Da habe ich gesehen, wie sehr man sich darüber ärgern kann. Aber das habe  ich für mich erledigt.

Würden Sie sagen, dass Sie generell mit sich im Reinen sind?  

Ja, ich bin glücklich und zufrieden, aber es ist immer Luft nach oben. Derzeit sehe ich es aber so, wie beim „Faust“. Es wäre super, wenn es mal so bleibt, wie es ist.

Ich möchte mir auch etwas wünschen: Bitte  nehmen Sie wieder ein  bisschen zu.

Das ist sehr gut möglich. Bisher war es immer so, leider. Aber reden wir in zehn Jahren wieder.

(KURIER freizeit am Samstag) Erstellt am
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