Leben 01.03.2015

Frühes Erwachen der Natur

Auf in den Garten, fertig, los - im Gemüsebeet wird der Boden gelockert, geglättet, erste Kulturen werden eingesät. © Bild: AP/Dean Fosdick

Die aufgehenden Blütenknospen der Obstbäume zeigen das Erwachen der Natur an. Jedes Jahr genießen Millionen Gärtner dieses Erlebnis aufs Neue.

Schon einmal den Begriff "Prunus" gehört? Prunus ist immer und überall – eine vielgestaltige Pflanzengattung mit vielen Arten. Das Spektrum reicht von der anspruchslosen Schlehe, die wilde Blütenhecken in freier Natur aufbaut, bis zu Kulturformen von Marille, Mandel, Kirsche und Zwetschke. Für alle "Prunus"-Arten gilt: sie sind im Lenz ein herrlicher Anblick, eine erste, gut besuchte Bienenweide – und ein Zeichen für das frühe Erwachen der Natur.

In einigen Regionen bekommt der Frühling auch noch Starthilfe. In der südlichen Steiermark etwa bleiben die Nachtfröste früh im Jahr aus, während also anderswo noch Schnee liegt, finden die Zitronenfalter in den Baumkronen bereits eine kräftigende Mahlzeit vor. Auch in den Städten stellt sich die Saison früher ein. In dicht verbauten Gebieten kühlt die Luft in der Nacht nicht so stark ab, die Tulpen in den Wiener Parks gehen daher besonders früh auf.

Weitere begünstigte Gegenden sind die Wachau, deren Südhänge sich schnell aufheizen, der Seewinkel, der von der großen, wärmenden Wasserfläche des Neusiedler Sees profitiert und, im Westen, das Rheintal, das, bedingt durch den Südföhn, durch milde Temperaturen im Frühling gekennzeichnet ist.

Jetzt geht’s los, sagen auch Österreichs Gärtner und säubern ihren kleinen Flecken Natur von den Spuren des Winters. Man ärgert sich, weil man vergessen hat, das Werkzeug einzuölen, und sich Rostflecken auf der Astschere gebildet haben. Man freut sich, weil die eingesetzten Krokuszwiebeln tatsächlich Blätter durch die Erde schieben und aus dem Halbschatten unter dem Flieder ein paar Schneeglöckchen herausleuchten.

Osterglocken, auch Dunkle Küchenschelle genannt, gehören zu den weniger bekannten Frühlingsboten
Wiesen-Küchenschelle, Kalksburg © Bild: KURIER/Martin Burger

Die Pfeiffer Handelsgruppe hat im vergangenen Jänner eine repräsentative Umfrage unter 700 Gartenbesitzern durchführen lassen, um etwas über die grüne Seele der Österreicher in Erfahrung zu bringen. Das Ergebnis: 80 Prozent der Befragten nutzen ihren Garten aktiv, "ihr Grün" betrachten sie als wesentlichen Entspannungsfaktor und als Lebenselixier.

Ein Viertel der Befragten kümmert sich in der Saison täglich um seine Pflanzen, 60 Prozent schauen alle paar Tage nach dem Rechten, und jeder Sechste gibt an, nur selten Zeit zu erübrigen. Frauen und ältere Menschen kümmern sich offenbar intensiver um ihre Gewächse. Während nur 15 Prozent der unter 29-Jährigen täglich draußen ist, schaut ein Drittel der über 60-Jährigen täglich nach, was im Garten los ist. Besonders eifrig seien Menschen, die eine Terrasse besitzen: 28 Prozent seien täglich um das Wohlergehen ihrer Kübelpflanzen bemüht, schreiben die Studienautoren.

Mit Hintergrundwissen belasten sich hingegen nur wenige. Nur jeder Zehnte, der einen Garten, eine Terrasse und/oder einen Balkon besitzt, bezeichnet sich selbst als Profi mit viel Erfahrung, guten Kenntnissen und grünem Daumen. Sechzig Prozent ordnen sich der Kategorie "ich habe etwas Vorwissen und schlage mich ganz gut" zu. 30 Prozent geben ehrlich an, sie seien "Laien, die so machen wie sie glauben".

Praktische Hilfestellungen sind erwünscht. Das kann, für den Anfang, ein Aussaatkalender. Das kann aber auch echte Fachberatung sein. Denn einen Garten haben, das ist nicht nur Vorfreude, sondern auch Anspannung, ob denn die Ribisel heuer gut tragen, oder ob der Lavendel einigermaßen über den Winter gekommen ist. Ob überhaupt die Arbeit im eigenen Garten von Erfolg gekrönt ist? All das hängt von der richtigen Auswahl der Pflanzen ab. "Der Wunsch, dass im Garten alles von selbst geht, ist legitim. Die Pflanzenzüchtung trägt vieles bei: Es gibt neue Rosensorten mit hoher Resistenz gegen Krankheiten, schlanke oder zwergig wachsende Apfel-, Birn- oder Kirschbäume für kleine oder schon voll gepflanzte Gärten, öfterblühende Stauden und früh- oder spättragende Obstpflanzen, die die Blüten- und Erntesaison verlängern." Das sagt Franz Praskac, der naturgemäß hofft, dass sich viele Hobby-Gärtner Rat in seinem Tullner Pflanzenland holen.

Was im Märzgarten alles zu tun ist? Der KURIER hat bei Garten-Profis nachgefragt:

Rosen schneiden Der beste Zeitpunkt, seine Rosen einzukürzen ist, wenn die Forsythien blühen. Abgestorbene Triebe werden bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten, die anderen Triebe so zurückgenommen, dass fünf bis sechs Augen übrig bleiben.

Beete vorbereiten Sobald der Boden abgetrocknet ist und sich erwärmt hat, können die Beete vorbereitet, der Boden gelockert und geglättet werden. Die Gemüsebeete werden mit Kompost versorgt. Zwiebeln, Karotten, Pastinaken, Schwarzwurzeln, Kohlrübe, Mangold, Melde, Spinat, Petersilie und Kümmel werden direkt ins Freiland gesät. In den Staudenrabatten und im Ziergarten werden jetzt Gräser, Farne, Waldreben (botanisch: Clematis), Geißblatt, Wilder Wein, Efeu, Glyzinien, und Knöteriche, sowie Stauden und Lilienzwiebeln eingepflanzt. Putztipp: Verwelkte Stängel tief am Boden abschneiden, Erde lockern, Unkräuter entfernen

Frühjahrsputz draußen Dürre, abgestorbene Zweige haben ihre Schuldigkeit getan. Im Winter dienen die Krautstengel als Bodenschutz, Unterschlupf für Insekten und die wiederum als Nahrungsquelle für Vögel.

Obstbäume setzen/veredeln Beim Obstbaumsetzen ist darauf zu achten, dass die gut sichtbare Veredelungsstelle über der Erde liegt. Sonst treibt die Unterlage durch.

Immergrünes einkürzen Jetzt, vor dem Neuaustrieb, Thujen oder andere Koniferenhecken zurückschneiden, so dass die Wuchskraft erhalten bleibt.

Freiwillige vor!

Der Verein "Schatzhaus Österreich" sucht in Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bundesgärten freiwillige Helfer für die Wiener Bundesgärten: Schönbrunn, Belvedere, Augarten, Burggarten, Volksgarten sowie für die Tiroler Gärten Hofgarten und Schlosspark Ambras in Innsbruck. "Der Staat muss sparen. Aber diese historischen Gärten und Gartendenkmäler brauchen viele helfende Hände – sind sie doch nationales Kulturgut, Inventar unserer Seele und gehen uns alle an", heißt es in einer Aussendung des Vereins. Der Aufwand: einige Stunden pro Monat.

Infoveranstaltung"Schatzhaus Österreich", am 25. März 2015, 17 Uhr, Palmenhaus Schönbrunn, www. schatzhaus-oesterreich.at

Entspannen, Spielen, Selbstversorgung, es gibt viele Gründe für einen „pflegeleichten Garten“ (Ingrid Gorr, Kosmos, 15,50 €),
Pflegeleichter Garten © Bild: /Kosmos
Erstellt am 01.03.2015