Roman Gregory ist Ökogärtner: "Je weniger man eingreift, umso gesünder ist es."

© Kurier/Martin Stachl

Leben
08/05/2019

Wie ein harter Rocker seinen Naturgarten sanft betreut

Unsere Gärten sollen wieder natürlicher werden. Sänger Roman Gregory ist das ein Vorbild - und Juror in einem Fotowettbwerb.

von Axel Halbhuber

Alle reden von Natur und Diversität – aber bitte bei den anderen. Das ist ein Problem: Um die (Re-)Ökologisierung zu schaffen, muss nicht nur Landwirtschaft und Industrie sich ändern, sondern auch die Gestaltung der gut 2,2 Millionen Privatgärten, fast einer Million Balkone und Terrassen sowie der öffentlichen Grünflächen in Österreich.

Die Notwendigkeit dieser Veränderung zeigen aktuelle Zahlen: 90 Prozent der Wiesen- und 83 Prozent der Moorbiotope im Land sind gefährdet, warnt die Umweltschutzorganisation Global 2000 – und startete das Projekt „Nationalpark Garten(www.nationalparkgarten.at). Das Ziel: Verlust der Biodiversität stoppen, indem das Potenzial von Gärten und Grünflächen als Rückzugsorte für Tier- und Pflanzenarten besser genützt wird.

Mit 1. August startete Global 2000 einen Fotowettbewerb, bis 25. August können die Teilnehmer alle Bilder ihres artenreichen Gartens auf nationalparkgarten.at hochladen. Das Siegerfoto kürt eine Jury, in der auch Alkbottle-Frontmann Roman Gregory sitzt.

Sehnsucht

Der harte Junge als Blümchenjuror, das überrascht – bis man Gregorys Garten gesehen hat. „Diese Sehnsucht war bei mir schon immer da. Ich hab’ als Kind meinen Vater im riesigen Garten erlebt und noch heute seine Stimme im Kopf: ‚Unkraut ausreißen, aber liegen lassen, wenn es heiß ist. Das schützt Boden und Pflanzen’.“

Heutige Ökogartler nennen das „Mulchen“, wie so viele Weisheiten ist auch diese nicht neu. Gregory: „Das ist dann gleich die Gründüngung. Weil sonst dünge ich hier ja nicht.“ Hier – das ist ein Stück Garten am Ackerrand im transdanubischen Wien. Vor drei Jahren bekam er die Möglichkeit, die verwilderte Fläche zu nutzen, machte sie „urbar“ und wurde „radikaler Ökogärtner“. Hauptantrieb war seine Tochter, denn: „Bezug zur Natur baut man als Kind auf. Natürlich hat nicht jeder Zugang zu einem Garten, aber schon ein Schnittlauch am Fensterbankerl gibt einem das Gefühl: selbst gemacht, das ist natürlich.“

Beim Streifzug durch seinen Gemüsedschungel merkt man, wie tief Gregory das in sich trägt. Er greift nebenbei zum Knoblauch („wild aufgegangen“), zeigt auf eine Blüte („wahrscheinlich von der Pastinake aus dem Vorjahr ... oder von der Karotte. Ich schau mal“) und präsentiert stolz die Acker-Kratzdistel: „Die ist beliebt bei Hummeln und anderen Insekten.“ Deshalb bleibt sie stehen, nur mitten im Feld muss die Distel raus. So wie das Wildgemüse Portulak: „Das kann man sogar essen. Aber da rückt der Portulak zum Brokkoli und erwürgt ihn irgendwann. Man muss schon das Gemüse freiräumen, das man haben will.“

Wo hört Kultivierung auf und fängt Naturgarten an? „Man kapituliert eh, weil man merkt, wie mächtig die Natur ist.“ Gregory ist täglich vier bis fünf Stunden am Feld, die Arbeit hört nie auf. „Du bist der Natur ausgesetzt, ich lasse sie geschehen. Die einzigen Viecher, die ich umbringe, sind Kartoffelkäfer.“

Regel beachten

Auch Global 2000-Sprecher Martin Aschauer betont das Verständnis für das große Ganze: „Viele kaufen zum Beispiel Insektenhotels, das Bewusstsein ist da. Aber damit die Bewohner kommen, muss man Regeln beachtet: keine Pestizide, Vielfalt und Rückzugsecken für Tiere.“ Diese und einige andere einfache Regeln sind die Ideen des „Nationalpark Garten“.

Am liebsten mag Gregory die Ernte. „Und das dann zu verkochen. Ein unglaubliches Gefühl, ein Mahl aus der eigenen Anzucht zuzubereiten, weil Geist und Seele mitessen.“ Und beim Konservieren schließt sich der Kreis: „Man will ja nichts verfaulen lassen. Deswegen sind die Gurken da drüben jetzt Einlegegurken.“