Whitney Wolfe: Die junge Königin des Online-Dating

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Foto: /Bumble Whitney Wolfe

Mit 22 Jahren gründete sie Tinder, jetzt revolutioniert sie die digitale Welt des Kennenlernens ein zweites Mal – mit ihrer feministischen App "Bumble".

Es ist nicht einfach, dieser Tage mit Whitney Wolfe in Kontakt zu treten. Sie würde die Fragen des KURIER gerne beantworten, heißt es zuerst von der PR-Stelle – bis es schließlich so weit ist, vergehen trotz mehrmaligen Nachfragens zwei Wochen. Seit die 26-Jährige vom renommierten US-Magazin Forbes in den elitären Zirkel der 30 vielversprechendsten Personen unter 30 gewählt wurde, ist das Griss um sie noch größer geworden: In quasi allen relevanten US-Medien – von der Financial Times bis zur Vogue – erschienen jüngst Porträts über die "Queen of Digital Dating". So wird Wolfe inzwischen genannt, weil sie trotz ihres jungen Alters die Art des Kennenlernens revolutioniert hat. Und zwar schon zwei Mal.

Wolfe, aufgewachsen im Mormonenstaat Utah, war gerade einmal 22, als sie mit sechs anderen die heute erfolgreichste Dating-App der Welt gründete: Tinder (siehe unten). Zwei Jahre fungierte die Absolventin der Southern Methodist University (International Studies) als stellvertretende Marketing-Chefin, auch der Name soll ihre Idee gewesen sein. Heute nimmt Wolfe das T-Wort nicht mehr gerne in den Mund. Denn der Abschied vor drei Jahren verlief alles andere als harmonisch.

Ende mit Schrecken

Wolfes Zeit im Silicon Valley endete vor Gericht: 2014 beschuldigte sie zwei ihrer ehemaligen Mitgründer der sexuellen Belästigung und Diskriminierung. Der eine war Sean Rad, heutiger CEO des Unternehmens; der andere Justin Mateen, mit dem sie einige Zeit liiert war. Unter anderem soll sie in der Arbeit als "Hure" beschimpft worden sein. Man einigte sich schließlich außergerichtlich – angeblich zahlte Tinder Wolfe eine Million Dollar.

Womöglich war es dieser hässliche Vorfall, der Wolfe den Anstoß für ihr neues Projekt gab. Nur neun Monate später präsentierte sie ihre eigene Dating-App "Bumble" – und mit ihr den ehrgeizigen Plan, die Flirt-Landschaft von Grund auf zu verändern. Ist diese doch durch Tinder ziemlich in Verruf geraten. "Bumble ist keine App, sondern eine Bewegung", sagt Wolfe. "Sie könnte ändern, wie Frauen und Männer miteinander umgehen. Unsere User glauben an Gleichberechtigung in Beziehungen - das Verhalten in der App schlägt sich auf ihr Alltagsleben nieder. Viele Nutzerinnen berichten uns, dass sie nun auch in anderen Bereichen den Mut haben, den ersten Schritt zu machen."

Veraltetes Rollenbild

Auf den ersten Blick funktioniert Bumble wie Tinder: Es gibt eine Wischfunktion, wenn beide Singles nach rechts "swipen", öffnet sich ein Chatfenster. Aber, und jetzt kommt der Clou: Nur die Frau kann die erste Nachricht schreiben. Tut sie das innerhalb 24 Stunden nicht, verschwindet der Mann aus ihrer Liste. "Es ist eine vorgefasste Meinung der Gesellschaft, dass Frauen nicht den ersten Schritt machen können. Doch wir hören von immer mehr Frauen, dass sie dafür offen sind - und die Männer reagieren sehr positiv darauf", erklärt Matchmakerin Wolfe. Früher habe sie selbst oft gezögert, einen Mann anzusprechen. "Ich habe viel darüber nachgedacht, warum beim Daten so viel falsch läuft. Und ich glaube, es hat damit zu tun, dass Männer immer die Kontrolle haben. Also dachte ich: Warum nicht den Frauen die Kontrolle überlassen?"

Mit ihrer feministischen App – 80 Prozent im Team sind weiblich – möchte Wolfe das digitale Flirten für Frauen sicherer machen. Wer sich schlecht benimmt, wird gesperrt, Fotos werden auf ihre Richtigkeit überprüft. Den Usern scheint das zu gefallen: In nur zwei Jahren haben sich 13 Millionen Singles registriert, Bumble gilt heute als vierterfolgreichste Dating-App der Welt.

Sie wisse, dass eine Dating-App nicht die Probleme der Welt lösen kann, sagt Whitney Wolfe. Aber: "Ich wollte etwas erschaffen, das die Welt ein bisschen besser macht. Und positive Beziehungen sind schließlich ein großer Teil von dem, was uns glücklich macht."

Das Tinder-Prinzip

Gewischt wird 1,4 Mrd. Mal pro Tag

Die Erfolgsstory von Tinder begann auf dem Campus der University of Southern California – dort wurde die Plattform erstmals getestet. Die Jugendfreunde Sean Rad und Justin Mateen hatten mit fünf anderen Jungunternehmern (darunter Whitney Wolfe als einzige Frau) eine Dating-App entwickelt, die auf einem simplen Prinzip basiert: Usern werden Singles in der Umgebung vorgeschlagen – gefällt ihnen das Profilbild, wischen sie nach rechts, ansonsten nach links. Wenn beide Interesse bekunden (ein "Match"), wird die Chatfunktion aktiviert.

Jonathan Badeen, Sean Rad Foto: Andy Kropa /Invision/AP Zwei der Tinder-Gründer: Jonathan Badeem (li.) &amp; Sean Rad

Fünf Jahre nach dem offiziellen Start hat Tinder mehr als 50 Millionen Mitglieder in 196 Ländern, die täglich 1,4 Milliarden Mal nach links oder rechts wischen. Seit 2015 bietet die Gratis-App kostenlose Zusatzfunktionen an (mit der z.B. versehentlich weggewischte Bilder noch einmal angeschaut werden können).

Vor kurzem wurde bekannt, dass Tinder innerhalb der Plattform eine Art Geheimklub für seine begehrtesten User betreibt: Bei "Tinder Select" darf nur flirten, wer besonders attraktiv und/oder erfolgreich ist.

(KURIER) Erstellt am
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