Leben
19.07.2017

So macht WhatsApp Kindern Angst

Volksschulkinder fürchten sich vor Kettenbriefen – Telefonhotline "Rat auf Draht" warnt nun.

"Wenn du diesen Brief nicht an 30 Leute weiterschickst, stirbt deine Mutter." Diese Nachricht könnte Ihr Kind auf sein Handy bekommen – und sich große Sorgen machen. In WhatsApp boomen Kettenbriefe und sorgen für große Unruhe, warnt die Telefonhotline "Rat auf Draht": "Kinder rufen bei uns an und fragen, wie sie sich verhalten sollen und was tatsächlich geschieht, wenn sie den Text nicht weiterleiten." Gerade jetzt, in den Ferien, verbringen viele Kinder mehr Zeit mit ihrem Smartphone als sonst.

Fiktion oder Realität?

"Die Ängste der Kinder müssen auf jeden Fall ernst genommen werden. Wenn ein Kind fürchtet, dass es selbst oder eine nahestehende Person sterben könnte, sind diese Sorgen ganz real und oft auch sehr mächtig", appelliert Familienministerin Sophie Karmasin an die Eltern.

Mit dem Thema Kettenbriefe ist Barbara Buchegger von der Initiative Safer-Internet häufig konfrontiert, erzählt sie: "Es ist manchmal schwierig, diese irrationalen Ängste zu entkräften. Oft hilft es, zu erklären, dass das keine persönliche Nachricht ist, sondern eine Falschmeldung, die an unzählige Personen versendet wird." Sie hört von Kettenbriefen oft in Schul-Workshops: "Zufällig waren wir gerade in einer Schule vor Ort, als dort auf den Handys die Warnung vor Killerclowns die Runde machte. Die Kinder haben große Angst bekommen, manche haben sie weitergeschickt. Zum Glück haben sie ihre Lehrer informiert und wir konnten gleich darüber sprechen. Kinder können oft nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden, auch wenn sie schon älter sind. Vor allem Volksschulkinder nicht." Viele Kettenbriefe wollen Angst machen und enthalten Einschüchterungen und Todesdrohungen, manchmal auch erschreckende Bilder oder Videos. Diese sollten gelöscht werden.

Schneller als früher

Das Phänomen ist alt, doch durch die Neuen Medien verbreiten sich die Kettenbriefe schneller – meist von Eltern unbemerkt. "Manche Kinder bekommen noch spät am Abend Nachrichten, wenn sie schon im Bett sind und die Eltern auch. Und weil viele Kinder in WhatsApp-Gruppen aktiv sind, wird der Verteilerkreis noch stärker erweitert", warnt Buchegger.

Dieser Verbreitungseffekt lockt die Kinder: "Manche starten selbst Kettenbriefe, auch mit witzigen Nachrichten, weil sie sehen wollen, wo oft sie weitergeschickt werden. Das ist eine Art Beliebtheitsbarometer und setzt die Kinder sozial unter Druck. Manche wollen einfach nur testen, wie weit ihre Nachrichten kommen."

Was Eltern tun können

Regeln

Kinder dürfen unter 13 Jahren nur mit Zustimmung der Eltern einen WhatsApp-Account haben. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass Sie ab und zu gemeinsam Nachrichten ansehen. Abends sollte das Handy nicht im Kinderzimmer bleiben.

Ernst nehmen

Fragen Sie Ihr Kind aktiv, welche Kettenbriefe es bekommen hat. Besprechen Sie mit dem Kind, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn es diese löscht.

Eigene WhatsApp-Ideen

Schlagen Sie Ihrem Kind positive „Foto-Challenges“ mit seinen Freunden auf WhatsApp vor, etwa: „Mein Fuß im Gras.“