Leben 17.05.2018

Was Kinder brauchen - aus der Sicht der Kinder

© Bild: Getty Images/iStockphoto / FamVeld/iStockphoto

Eine Studie der Uni Wien erhob, was Kinder für ihr Wohlbefinden benötigen. Mit überraschenden Ergebnissen.

Was braucht ein Kind, damit es ihm gut geht? Wenn es um Kinderbedürfnisse geht, kommt die Sicht der Betroffenen selbst meist zu kurz. Die Bundesjugendvertretung (BJV) wollte dies ändern und beauftragte das Institut für Soziologie der Universität Wien, die Sichtweise von Mädchen und Buben zu einem kindgerechten Warenkorb zu erheben.

In Gruppendiskussionen wurden insgesamt 36 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren gefragt, was sie für ein gutes Leben brauchen. Fazit: Die jungen Menschen haben sehr konkrete Vorstellungen über unverzichtbare Güter und Ressourcen für ein gutes Leben. Dazu zählen nicht nur materielle, sondern auch immaterielle Güter und Ressourcen. Neben Familie, Freunde und Freizeit sehen die befragten Mädchen und Buben vor allem eine gute Bildung, Ernährung, Kleidung, Wohnen und Gesundheit als unabdingbar für ein gutes Kinderleben.

Überraschend hoch bewertet haben die Kinder die Bildung. "Kindern ist bewusst, dass Bildung Berufsaussichten und gesellschaftliche Positionierung prägt. Daher wünschen sie sich gut ausgestattete, saubere Schulen mit kompetenten Lehrern", erläutert Studienautorin Ulrike Zartler vom Institut für Soziologie der Universität Wien. Zitat eines Kindes: "Bildung ist wichtig, damit man später nicht aufgeschmissen ist..."

Smartphone kein "Must-Have"

Beim Thema Freizeitgestaltung sind den Kindern Freiräume, vor allem freie Grünflächen, frische Luft und natürlich Spielpartner wichtig. Generell gebe es schon im Kindesalter ein Bedürfnis nach mehr Freizeit. Digitale Medien werden unterschiedlich bewertet. "Geräte wie Smartphone sind wichtig, wenn sie alle haben, aber keine Must-Haves", fasst Zartler zusammen. "Wenn alle ein Smartphone haben, möchte ich aus eins", meint etwa eine Neunjährige. Ein ähnliches Verhalten zeigt sich auch bei der Kleidung. Wichtig ist, dazuzugehören und sich wohl zu fühlen. Ein "ausgeprägtes Wissen" hätten die Kinder über Ernährung vorzuweisen, sagt die Studienautorin. "Kinder wissen, was gesund ist, aber sie wünschen sich auch Ungesundes, damit es ihnen richtig gut geht." So halten die Kids etwa Soft Drinks auf Geburtstagspartys für unverzichtbar.

Kinder ernst nehmen

Und was soll die Politik tun? Kinder wollen vor allem von der Politik ernst genommen werden - und auch gleich behandelt werden. Letzteres sei ein "zentraler Wunsch" gewesen, so Zartler. Dies umfasse auch die Gleichstellung von Mädchen und Buben sowie die Gleichbehandlung unabhängig von der Herkunft, aber auch einen fairen Zugang zur Bildung. Familien, die über weniger finanzielle Mittel verfügen, sollten monetär besser unterstützt werden, so der Wunsch der befragten Kinder.

 

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Kinderwarenkorb aus Sicht der Kinder © Bild: Universität Wien

Kinderkostenstudie gefordert

Die Bundesjugendvertretung (BJV) nahm die Ergebnisse zum Anlass, von der Regierung einmal mehr die Erstellung einer neuen Kinderkostenstudie zu fordern. Die Bedürfnisse der Kinder hätten sich seit der letzten Studie 1964 stark verändert, so BJV-Vorsitzende Caroline Pavitsits. So werden die Regelbedarfssätze für den Unterhalt von Kindern noch immer auf Basis der Erhebung von 1964 errechnet. Zwar sind die Kinderkosten indexiert, der Warenkorb sei jedoch nie den neuen Realitäten angepasst worden.So habe es damals etwa noch kein Internet gegeben. Um Kindern einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen, sei es wichtig zu wissen, welche finanziellen Mittel dazu heute notwendig sind, so Pavitsits.

Unter dem Motto "Armut ist kein Kinderspiel" führt die BJV gerade österreichweit eine Kampagne durch. Hintergrund: Laut Statistik Austria lebt in Österreich etwa jedes fünfte Kind bzw. Jugendliche unter 18 Jahre in einer armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Lebenslage. Die von der Regierung geplante Kürzung bei der Mindestsicherung würde besonders Kinder treffen, heißt es beim BJV. 

Link zum Download der Studie

( kurier.at , ast ) Erstellt am 17.05.2018