Leben
03/28/2014

Was im Klimabericht steht

Heute Nacht einigten sich Forscher mit Regierungsvertretern in Japan

von Martin Burger

"Der Klimawandel lässt die Bäume immer früher blühen. Ihre Farbe wird blasser, sie haben nicht mehr die Energie", beklagt Toemon Sano. Seit Generationen wacht seine Familie in Kioto über die Kirschblüten. "Wenn der Klimawandel so weitergeht, ist das Überleben der Kirschbäume in Gefahr."

Was der alte japanische Gärtner beklagt, passt zu dem, worüber Hunderte Forscher und Vertreter von Regierungen aus aller Welt zur selben Zeit nur einen Steinwurf entfernt bei der Tagung des Weltklimarates IPCC debattieren. Denn im zweiten Teil ihres Klimaberichts, zu dessen Kurzfassung sich die Delegierten Sonntag durchgerungen hatten, geht es um die Folgen des Klimawandels. Häufigere Hochwasser, Dürreperioden, schmelzende Gletscher und wärmer und saurer werdende Ozeane drohen zu sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Verwerfungen zu führen.

Erstmals wertete der Weltklimarat die Folgen des Klimawandels für einzelne Regionen aus. Trotzdem betonten Experten bereits im Vorfeld, dass keine überraschenden Neuigkeiten zu erwarten seien. Die Grundaussagen des 2007 veröffentlichten Vorgängerreports gelten weiter.

Der Europateil des neuen Reports ist 93 Seiten stark – wohl mit folgenden Inhalten:
*Mehr Starkregen, mehr Hitze im Sommer. Gleichzeitig regenreichere Winter.
*Frostperioden verschieben sich von Dezember Richtung Januar/Februar. Dazu mehr Null-Grad-Zyklen, bei denen die Tage frostfrei, die Nächte aber frostig sind. Verbunden mit Niederschlägen ist das ein erhöhter Stress für Materialien, etwa Asphaltdecken – das Ergebnis: Schlaglöcher.

Die aktuelle Zusammenschau skizziert aber auch lebensbedrohliche Entwicklungen: So könnte der Temperaturanstieg noch in diesem Jahrhundert mehrere Millionen Küstenbewohner heimatlos machen. Mit der Erderwärmung könnten zudem Überschwemmungen einher gehen sowie Dürren und Ernteeinbußen. Die knappen Ressourcen für eine wachsende Weltbevölkerung wiederum bergen Konfliktpotenzial. Auch wenn die Folgen der Umweltverschmutzung immer klarer werden, halten die Experten eine Kurskorrektur noch für möglich: Durch rasche und umfassende Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes könnten viele Worst-Case-Szenarien abgewendet werden.

Von dem Optimismus war kurz vor Veröffentlichung des Berichts 2014 wenig zu spüren. Nicht zum ersten Mal wurde dem Weltklimarat Panikmache vorgeworfen. Richard Tol von der Uni Sussex, Leitautor des Kapitels über die wirtschaftlichen Auswirkungen, hat seinen Namen vom Bericht zurückgezogen. Begründung: Aussagen seien umgedreht worden.

Tol vertritt die Position, dass die ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels eher gering sind. Außerdem sei es billiger, eine Strategie der Anpassung an den Klimawandel zu wählen, statt ihn durch drastische -Reduktion verhindern zu wollen. Tol ist der Meinung, dass die wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel eher klein seien. Bei einem geringen Temperaturanstieg seien die Auswirkungen unterm Strich sogar positiv. Erst bei einer Erderwärmung von mehr als 2 Grad Celsius überwögen negative Effekte. Der Schaden eines Jahrhunderts Klimawandel entspräche aber nur etwa der Größenordnung von einem Jahr Wachstum der Weltwirtschaft, sagt Tol. "Verglichen etwa mit der Wirtschaftskrise in Südeuropa ist der Schaden durch den Klimawandel ein kleines Problem."

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