Was heißt hier bitte alt?

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Foto: Fotofreundin - Fotolia Eine besondere Beziehung: Neben den Eltern sind es auch die Großeltern, die die Chance wahrnehmen sollten, dem Nachwuchs Werte zu vermitteln und den Rücken zu stärken.

Oma und Opa sind Erziehungsstütze für ihre Kinder und Ratgeber für die Enkel. Großelternschaft sollte ausgekostet werden.

Ein häufig bedientes Klischee besagt, dass Großeltern alt sind und nicht verstehen, was die Jugend empfindet. Dem gegenüber steht der Spruch: "Alt ist man, wenn man nichts mehr vor hat."

Dieses Motto nahmen sich Gertrude und Clemens Steindl zu Herzen, als sie in Pension gingen. In ihrem nun erschienenen Buch "Ruhestand für Anfänger" widmen sie ein besonderes Kapitel ihrer Großelternschaft. Natürlich war der letzte Arbeitstag in ihren alten Jobs ein wehmütiges Ereignis für die ehemalige Generalsekretärin der Aktion Leben und den Geschäftsführer der Volksbankenakademie.

Doch das Ehepaar entschied sich dafür, neue Chancen zu nützen und ihre Rolle als stolze Großeltern wahrzunehmen. Auch KURIER Familycoach Martina Leibovici-Mühlberger hält die Großelternschaft für ein bedeutsames Erlebnis: "Die Bedeutung der Großeltern kann für Familien gar nicht groß genug sein."

Sie haben die Möglichkeit, sich auf die zeitlichen Rhythmen der Enkelkinder einzulassen. Wenn die Kinder die typische Grundgelassenheit von Oma und Opa spüren, wirkt das, besonders im Alltag, sehr wohltuend. Für ihre Kinder, die nun selbst zu Eltern geworden sind, sind sie Erziehungshilfe. Gertraude Steindl unterstützt ihre Familie gerne, denn: "Eltern werden im Beruf heute sehr beansprucht und geraten häufig gewaltig unter Druck. Deshalb ist es wichtig, dass die Großeltern ein Hilfsnetz unter ihnen spannen." Für die Kinder ist es einfach schön, Zeit mit ihren Großeltern zu verbringen. Auch deshalb, weil die manches lockerer sehen als die eigenen Eltern. "Zeit ist eines der Geschenke, das Großeltern ihren Enkelkindern machen können", sagt Clemens Steindl. Dabei können die Großeltern selbst Lebensfreude gewinnen.

Beziehungen

Familycoach Martina Leibovici-Mühlberger Foto: KURIER Expertin Martina Leibovici-Mühlberger

Neben der Unterstützung, die Oma und Opa ihren Kindern anbieten können, ist es schön zu erleben, wie sich die Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln entwickelt: "Es ist eine eigene Beziehung, die weder in Konkurrenz zu den Eltern stehen noch mit Besserwisserei verbunden sein sollte", sagt Gertraude Steindl.

Nicht nur im Alltag, gerade in schwierigen familiären Situationen – wie z. B. einer Trennung der Eltern – ist die Anwesenheit der Großeltern gefragt. In solchen Situationen können Großeltern eine Konstante im Leben ihrer Enkel werden, meint Familycoach Leibovici: "Die Kinder wissen dann, die Oma wird weiter ihre berühmten Knödel kochen und mit Opa werden wir weiter raufen können – auch wenn die Familie gerade turbulente Zeiten durchlebt." Das Haus von Oma und Opa wird zu einem Hort, an dem man sich zurückziehen kann und wo sich nichts grundlegend verändert."

Gertraude Steindl möchte Großeltern etwas mitgeben: "Sie sollten ihre eigene Beziehung zu den Enkelkindern entwickeln. Wenn sie sich nicht arrangieren, verlieren sie ihr Enkelkind – was für alle traurig wäre."

Interaktion zwischen den Generationen ist wichtig und kann beflügelnd auf alle Beteiligten wirken. Junge Leute profitieren von der Begegnung mit ihren Großeltern, und umgekehrt. Das Enkelkind bleibt zwar nicht immer das kleine Kind, doch auch die Beziehung zu Oma und Opa kann mitwachsen, die Gespräche können an Qualität gewinnen. Gertraude Steindl genießt es, zu sehen, wie ihre Enkeltochter größer wird und freut sich schon auf die Gespräche mit ihr: "Die Älteren können ihre Lebenserfahrungen weitergeben und die Jungen bringen ihre Gegenwartsfragen ein." Clemens Steindl fügt hinzu: "Es ist auch wichtig, dass innerhalb der Generationen Verständnis füreinander aufgebracht, und das Miteinander gesucht wird."

Werte

Neben den Eltern können auch die Großeltern Werte vermitteln, wie Familycoach Leibovici betont: "Großeltern können ein Gegengewicht zu den heutigen materiellen Werten sein – solange sie nicht belehrend sind." Die Beschäftigung mit Kindern wirkt nicht selten wie ein Jungbrunnen. Die Pflege der Lebensfreude ist einer der wichtigsten Aspekte für das Ehepaar Steindl, denn: "Wer nur das Negative sieht, der landet vor einer undurchdringlichen Wand", betont Clemens Steindl. Auch Spaßen und Scherzen ist wichtig innerhalb einer Familie, wie seine Frau beschreibt: "Unserem Enkelkind haben wir ein T-Shirt geschenkt. Dessen Aufschrift lautet: Wenn Mama und Papa Nein sagen, gehe ich zu Oma und Opa".

Infos: www.aktionleben.at

Das Buch zum Thema

Seit der Pensionierung von Clemens und Gertraude Steindl hat sich viel getan. Ein besonders einschneidendes Ereignis war die Geburt ihrer Enkeltochter Clara im vergangenen Jahr. In ihrem Buch "Ruhestand für Anfänger" reflektieren die beiden ihre Erlebnisse und teilen ihre Gedanken und Eindrücke mit der Außenwelt. Die Autoren beschreiben, wie sie vom Berufsleben Abschied nahmen, es schafften, sich neu zu orientieren und sich als Paar neu zu entdecken.

Gertraude und Clemens Steindl "Ruhestand für Anfänger", Tyrolia Verlag, 14, 95 €

(kurier) Erstellt am
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