Die US-Raumsonde "Grail" hat unter der Oberfläche des Mondes eine gigantische, nahezu rechteckige Struktur entdeckt

© REUTERS/AMIR COHEN

Studie
10/01/2014

Vulkane formten den "Mann im Mond"

Rechteckige Struktur deutet daraufhin, dass es kein Asteroideneinschlag war.

Der „Mann im Mond“ ist wahrscheinlich das Ergebnis vulkanischer Prozesse. Das legt die Entdeckung einer gigantischen rechteckigen Struktur unter der Oberfläche des Erdtrabanten nahe. Die Erkenntnisse aus der US-Mondmission „Grail“ widerlegen demnach die Vorstellung, dass der Oceanus Procellarum („Ozean der Stürme“) durch einen Asteroideneinschlag entstanden ist.

Die Auswertung der „Grail“-Daten wurde von einem Forscherteam um Jeffrey Andrews-Hanna von der Colorado School of Mines in Golden im britischen Fachblatt „Nature“ präsentiert. Mit den „Grail“-Zwillingssonden war die Gravitation des Mondes gemessen worden.
Der Oceanus Procellarum ist das größte der sogenannten Maria auf dem Mond. Diese dunklen Bassins, die von frühen Beobachtern für Meere (lateinisch maria) gehalten wurden, gelten als magmagefüllte Einschlagkrater. Der Oceanus Procellarum, in dem manche Menschen einen großen Teil eines Mondgesichts erkennen, hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 2.500 Kilometern. Manche Theorien gehen davon aus, dass es sich um den größten Einschlagkrater auf dem Mond handelt. Andere sehen das große Bassin als Ergebnis vulkanischer Prozesse.

Schwerkraftschwankungen vermessen

Mit den „Grail“-Zwillingssonden haben Forscher die Gravitation des Erdtrabanten genau vermessen. Durch Schwerkraftschwankungen lassen sich unterirdische Strukturen aufspüren, bei denen sich die Dicke der Mondkruste ändert. Die Auswertung zeigt ein riesiges Rechteck, das sich in weiten Teilen mit dem Oceanus Procellarum überlappt. „Dieses rechteckige Muster von Schwerkraftanomalien war völlig unerwartet“, erläuterte Andrews-Hanna in einer Mitteilung seines Instituts.

Möglicherweise sei die Struktur das Ergebnis einer raschen Abkühlung. Dadurch könnten Brüche in der Oberfläche entstanden sein, die als Kanäle für geschmolzenes Gestein gedient hätten, wie das an der Studie beteiligte Massachusetts Institute of Technology (MIT) in einer Mitteilung erläutert. Eine Simulation des Schwerkraftmusters in diesem Szenario passe zu den „Grail“-Messungen.
„Unsere Schwerkraftdaten eröffnen ein neues Kapitel der Mondgeschichte, in dem der Mond ein dynamischerer Ort war als die Kraterlandschaft nahelegt, die heute mit bloßem Auge sichtbar ist“, unterstrich Andrews-Hanna.

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