Leben
19.01.2015

Neue Gebärmutter-Spirale für die Hündin

Heimische Haustier-Experten empfehlen nach wie vor eher die Kastration.

"Die Gebärmutterspirale für Hündinnen jeden Alters ist ab sofort online erhältlich, Ihr Tierarzt setzt die Spirale ohne Narkose und ohne chirurgischen Eingriff ein." Mit diesen Worten wirbt Veterinärmediziner Tilen Klevisar, der zwischen Amsterdam und New York auch in Wien und Klagenfurt ordiniert, für eine "weltweit patentierte" Alternative zur Kastration.

Heimische Experten stehen der "absoluten Weltneuheit" skeptisch gegenüber.

"Wir würden diese ,Dog Spiral‘ nicht einsetzen", sagt Katharina Reitl aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn. Der KURIER-Tiercoach erklärt, warum die Versprechungen rund um das kupferne Verhütungsmittel ein "Werbeschmäh" sind, und welche Vorteile die Kastration der Hündin für Tier und Halter hat.

Kritik

"Das Einsetzen der Spirale ist sicher nichts, was man über ein Video lernt", kritisiert Reitl die Bedienungsanleitung auf der Homepage des Vertreibers. Die Anatomie der Hündin ist komplex, der Weg zur Gebärmutter weit und gewunden. "Ohne Narkose lässt sich das kein Tier gefallen", ist der Zoodoc überzeugt. Und relativiert damit auch die angepriesenen 30 Euro netto für das Produkt. Anästhesie und Tierarztkosten sind da nicht eingerechnet. Steriles Arbeiten im OP versteht sich von selbst. Doch die Spirale bleibt ein Fremdkörper, der Faden, an dem sie jederzeit entfernt werden kann, eine Keim-Schleuse durch den Muttermund.

Auch den versprochenen Vorteil eines "normalen sexuellen Hundelebens" sieht die Expertin nicht: "Der Sexualtrieb kann mühsam sein – für Vierbeiner und Halter. Die Kastration erspart der Hündin die Läufigkeit und vier Monate im Jahr, in denen sie hauptsächlich damit beschäftigt ist, Welpen in die Welt zu setzen." Spießrutenläufe in der Hundezone oder beim Gassigehen erübrigen sich.

Kastration

Natürlich greift die Entfernung der Eierstöcke in den Hormonhaushalt ein. Das muss aber kein Nachteil sein. Kastrierte Hündinnen sind in Hinblick auf Scheinträchtigkeit, Gebärmutterentzündungen sowie Krebserkrankungen von Brust und Geschlechtsapparat geringeren Gesundheitsrisiken ausgesetzt als unkastrierte Tiere. Aus diesem Grund – sagt Reitl – sind "in Österreich die medikamentelle und chirurgische Kastration nach medizinischer Indikation die derzeitig weiterhin empfohlenen Methoden".