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Tiercoach
07/03/2013

Mit Petpass und Impfung

Urlaub. Vierbeiner, die über die Landesgrenze reisen, brauchen spezielle medizinische Versorgung und einen gültigen EU-Heimtierausweis

von Hedwig Derka

Ferien am Meer, wandern in den Bergen, ausspannen am See, ein Städtetrip, ein paar Tage Überlandpartie, Kreuzfahrt, Fernreise oder Abenteuer. Sommerzeit ist Urlaubszeit.
„Heimtiere sind Familienmitglieder. Bei der Planung des Urlaubs müssen die Bedürfnisse der Vierbeiner berücksichtigt werden“, sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn weiß, dass Katzen lieber in ihrem Revier bleiben als große Sprünge zu machen. Hunde dagegen hängen mehr an ihrem Rudel als an ihrer gewohnten Umgebung, die meisten ziehen gerne mit. Das Wohl der Tiere sollte vorgehen.
„Reisende Haustiere sind in Europa relativ sicher. Je näher es Richtung Länder mit niedrigen Standards geht, desto eher können auch Hunde erkranken“, sagt Zoodoc Thomas Voracek aus der Tierärztlichen Ordination im Tiergarten. Der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team erklärt, wie Haustierhalter ihr Urlaubsziel auswählen, was in die Reiseapotheke gehört, und wer den EU-Heimtierausweis ausstellt.

Vorschriften

„Das Reiseziel ist eine ganz wesentliche Entscheidung“, sagt Voracek. Im Kleinen wie im Großen. Es gilt nachzufragen, ob das Quartier tatsächlich tierfreundlich ist und welche Reisevorschriften für das jeweilige Land einzuhalten sind. „Botschaften haben immer die aktuellsten Neuigkeiten, was die Einreisebestimmungen betrifft. Auch Amtstierärzte sind informiert“, sagt der Zoodoc. Für Reisen innerhalb Europas ist ein gültiger EU-Heimtierausweis Pflicht. Er belegt, dass der Vierbeiner gegen Tollwut geimpft ist und über einen injizierten Mikrochip an der linken Halsseite identifiziert werden kann. Zertifizierte Tierärzte dürfen den blauen Petpass ausstellen.
„Je nach Destination brauchen Hunde die entsprechende Prophylaxe“, rät der Tierarzt. Zecken, die in ganz Europa verbreitet sind, können die Vierbeiner beim Blutsaugen mit Borrelien, Babesien, Anaplasmen und FSME-Viren infizieren. Die Hunde leiden dann unter Schlappheit, Fieber, Gelenksentzündungen und neurologischen Ausfällen.
Sand- und Schmetterlingsmücken, die in Teilen Südeuropas vorkommen, können Leishmaniose übertragen und damit Knochenmark, Milz, Leber und Niere der Hunde schädigen. Unheilbar. Bestimmte Arten von Stechmücken geben die Herzwurmkrankheit weiter. Die Würmer schränken die Leistungsfähigkeit des Vierbeiners ein. In einigen Ländern besteht Tollwutgefahr. Die Virusinfektion, die durch Bisse weitergegeben wird, verläuft fast immer tödlich. „Vor den Parasiten schützen Spot-Präparate. Halsbänder wehren die Mücken ab. Gegen die Tollwut gibt es eine Impfung“, zählt der Experte Vorsorgemaßnahmen auf: „Am besten man berät sich mit dem Tierarzt.“
Der Veterinärmediziner kennt in der Regel den Hund. Er kann auch einschätzen, ob die Reisestrapazen für den Vierbeiner zumutbar sind oder ob Alter und Gesundheitszustand für ein Daheimbleiben sprechen. Betagte, chronisch kranke Tiere erholen sich auf Sommerfrische bei Freunden oder Verwandten mitunter besser als im Urlaub mit dem Besitzer. Voracek weiß aus Erfahrung: „Die meisten Hundebesitzer sind sehr verantwortungsbewusst.“

Sommerfell und Schattenplätze verschaffen Abkühlung

Hunde und Katzen legen bereits im Frühjahr ihr Winterkleid ab. Hohlhaare ermöglichen im Sommer Luftzirkulation, gleichzeitig schützt das Fell vor Sonnenbrand: Vierbeiner haben coole Tricks, um mit der Hitze fertig zu werden. Haustierhalter können ihnen dabei helfen.
Hunde regulieren ihre Körpertemperatur durch Hecheln. Dabei saugen sie Luft durch die Nase ein, verdunsten Nasendrüsensekret und atmen die Luft durch den Mund wieder aus. Das kühlt. Schweißdrüsen sitzen nur zwischen den Zehen. Die Vierbeiner rasten im Hochsommer gerne auf kalten Fliesen oder im Schatten. Wasser zum Trinken und zum Plantschen erfrischt sie ebenfalls. Ausgedehnte Spaziergänge sowie sportliche Aktivitäten sollten in den frühen Morgen und späten Abend verlegt werden.
Katzen schalten bei Hitze auf Maulatmung um und hecheln. Sie erhöhen die Atemfrequenz, der Speichel verdunstet. Sie verziehen sich an kühle Plätze und halten noch länger Siesta als sonst. Kleinere, gut verdauliche Portionen sind an faulen Sonnentagen sinnvoll. Eine Extraportion Wasser muss angeboten werden.
Vorsicht ist bei Klimaanlagen angebracht: Hunde und Katzen im Sommerfell können sich erkälten. Gefährlicher ist eine Überhitzung des Körpers. Hier kühlen Wasser und nasse Handtücher. „Im Ernstfall muss man so schnell wie möglich zum Tierarzt“, sagt Zoodoc Thomas Voracek. Ein Hitzschlag kann tödlich enden.

Apotheke für unterwegs

Verbände: Mullbinden, gepolsterter Verband in Rollen, elastische Binden, sterile Tupfer, herkömmliche Watte, gewebeverstärktes Klebeband.
Werkzeug: Schere mit abgerundeter Spitze und Pinzette oder Zeckenzange.
Arzneien: Desinfizierende Lösungen, sterile Elektrolytlösungen, antibiotische Augentropfen, Tabletten gegen Durchfall sowie individuelle Medikamente, die bei chronisch auftretenden Erkrankungen helfen.

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