Nora Turner

© Kurier/Gilbert Novy

Leben
04/21/2019

Unicorn Cycling: Wie diese Rennrad-Bloggerin die Straße erobert

Nora Turner schafft Sichtbarkeit für Frauen am Rennrad und gibt Tipps für den Einstieg in den Sport.

von Elisabeth Mittendorfer

Nora Turner ist keine Frau für halbe Sachen. Deutlich wird das, wenn die 24-Jährige über ihre Leidenschaft zum Rennradsport spricht, die sie vor einem Jahr und acht Monaten für sich entdeckt hat.

Damals machte sie mit ihrem Freund eine Ausfahrt auf die Donauinsel. Sie auf einem alten Stadtrad, er auf einem Rennrad. „Ich bin ihm hinterhergehechelt“, erzählt Turner. Trotzdem war sie vom Ehrgeiz gepackt. „Wie bei allen anderen Dingen in meinem Leben gilt auch in diesem Fall: ,Ganz oder gar nicht’.“ Ihr Freund half ihr, ein Rennrad für die erste große Ausfahrt auszuborgen – 100 Kilometer bis zum Neusiedler See. Das Rennrad behielt sie schließlich vier statt der zunächst geplanten zwei Wochen. Danach kaufte sie sich ein eigenes.

Balance

Seitdem bezeichnet Turner das Rennradfahren neben ihrem Vollzeitjob bei einer Filmproduktionsfirma als den größten Ausgleich in ihrem Leben. „Manche gehen ins Fitnesscenter, ich gehe auf die Straße. Nach ein paar Tagen ohne Rad werde ich mittlerweile sehr hibbelig.“ Zwischen drei und fünf Tage und zehn bis 15 Stunden pro Woche verbringt Turner auf dem Rad. Großteils im Freien, manchmal auch Zuhause auf dem Smarttrainer, in den sie ihr Rad einspannen kann. "Da ich einen Partner und eine große Familie mit vier Brüdern habe, ist es nicht immer ganz einfach, das alles unter einen Hut zu bringen", sagt Turner.

Dazu kommen mittlerweile auch Amateurrennen, bei denen sie regelmäßig mitfährt. "Das beeindruckendste Erlebnis in diesem Zusammenhang war, über die Ziellinie in den französischen Alpen zu fahren." Nach nicht einmal einem Jahr auf dem Rad nahm Turner an der L'Étape du Tour teil. Dabei fahren jedes Jahr rund 15.000 Amateur-Radler eine Bergetappe der Tour de France, 2018 waren es 170 Kilometer mit 4000 Höhenmetern. "Ich erinnere mich gar nicht mehr so wirklich daran, ich habe nur in dem Video meiner Zieleinfahrt gesehen, dass ich gleichzeitig geweint und gelacht habe", erinnert sich die junge Frau.

Nach ihrer ersten Ausfahrt begann Turner, Bilder von ihren Radabenteuern in den sozialen Medien zu veröffentlichen und auf ihrem Blog darüber zu schreiben. "Ich war davor schon mäßig erfolgreich im Lifestyle- und Beauty-Bereich tätig, aber das hat mich dann nicht mehr interessiert." Über 17.000 Menschen folgen auf Instagram ihrem Pseudonym @unicorncycling (auf Deutsch: Einhorn-Radfahren). Und jede Woche kommen rund 500 neue hinzu, wie Turner erzählt. Dass ihr Account so beliebt wird, damit hätte sie nicht gerechnet. Es hilft ihr dabei, Sponsoren zu finden. "Ohne deren Hilfe könnte ich mir das Rennradfahren in der Form nicht leisten, denn es ist ein teurer Sport."

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Netzwerk

Instagram ist für sie nicht nur finanziell gesehen nützlich. Turner hat durch die Plattform viele andere Frauen aus der ganzen Welt kennengelernt, mit denen sie die Liebe zum Rennradfahren teilt. Mit einer Niederländerin, die sie von Instagram kennt, fährt sie im Mai gemeinsam ein Rennen.

Längerfristig ist es Turners Ziel, mehr zu trainieren, um die Tour de France zu fahren; auch wenn dort Frauen zum Rennen nicht zugelassen sind. Seit 2014 fahren sie einen Tag vor den Männern dieselben Etappen. Auch wenn großteils Männer Rennrad fahren, kommen laut Turner jedes Jahr mehr Frauen dazu. Ihnen rät sie, sich nicht gleich von "Besserwissern" abschrecken zu lassen, "die auch aus dem Amateur-Spaß eine richtige Wissenschaft machen". Auch das passende Fahrrad sei essenziell. "Viele Frauen beginnen auf den ausgemusterten Rädern ihrer Partner, die eine falsche Größe haben."

Dieses Jahr will Turner 12.000 Kilometer fahren und einen Platz auf dem Podium erreichen. Doch es geht ihr nicht nur um die zurückgelegte Strecke. "Durch den Sport habe ich gelernt, meine Ängste zu überwinden, an mich zu glauben und eine Sache durchzuziehen", sagt Turner. "Man lernt mit sich selbst allein zu sein und wie es ist, mal kein Handy in der Hand zu haben. Wie oft das der Fall ist, merkt man erst, wenn man es mal nicht tut."

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