Ernährungscoach Heike Burzki zeigt vor, dass man Blumen essen kann

© /Daniela Davidovis

Umwelttag
06/05/2016

Erlebnisferien mit den Kindern im Grünen

Kinder abgeben war gestern, heute geht es im Urlaub um das gemeinsame Erlebnis. Immer mehr Hotels und Regionen bieten Familien Natur-Programm mit Profis. Der KURIER war im Wald.

von Daniela Davidovits

Die Holzkugel rollt flott vom Startplatz, einem Baumstumpf, über ein Rohrgeflecht von Ästen bis in die Erdmulde, die für das Ziel gegraben wurde. Das Team "Eltern" ist zufrieden mit seiner ausgeklügelten Wald-Kugelbahn. Das Team "Kinder" ist fast genau so schnell, aber kreativer. "Das ist immer so, wenn die Kinder in der Natur eine Aufgabe lösen", weiß Waldpädagogin Martina Parzer. Sie liebt es, Stadtkindern ein Gefühl für die Natur zu geben. Und freut sich, wenn Eltern das Kind in sich wiederentdecken.

Bisher gab es diese Möglichkeit in den Naturparks Sparbach und Purkersdorf, wo Parzer als Waldpädagogin arbeitet. Heuer bietet sie erstmals zwei Ferienwochen "Natur und Familien er-leben" im Hotel an (www.viennahouse.com/loipersdorf). Das Vienna House Loipersdorf liegt dafür gut: Vor dem Haus eine große Wiese und gleich danach der Beginn eines Rundwanderweges durch den Wald. "Das Haus ist kein Kinderhotel im klassischen Sinn, aber im Sommer haben wir viele Familien hier, auch Großeltern mit Enkelkindern. Deswegen hat uns die Idee so gut gefallen, ein gemeinsames Programm für Familien anzubieten", erklärt Hotelmanager Gerald Haberhauer, selbst Vater von zwei Kindern. Er liegt mit diesem Zugang voll im Trend: Immer mehr Hotels besinnen sich auf die Natur ihrer Umgebung und schaffen Ferienerlebnisse in der Natur, die Familien verbinden.

Familien mit 1000 Füßen

Dabei geht es nicht nur um Wanderungen in den Hügeln rund um das Hotel. In ihrem großen Rücksack bringt Parzer alle möglichen Utensilien, um den Kindern ein Gefühl für die Natur zu vermitteln, das sie sonst nicht erleben. So zieht sie einen Sack mit Schlafbrillen aus dem Rucksack. "Wir spielen Tausendfüßler", schlägt sie Eltern und Kindern vor. Jeder verbindet sich die Augen, hält sich an der vorderen Person fest – und los. Tatsächlich ein ungewohntes Gefühl auch für die Großen, den holprigen Waldboden einmal nur mit den Füßen zu ertasten. Und die Kleinen sind sowieso begeistert.

Mit den üblichen Kinderclub-Angeboten von Hotels hat diese Art der Freizeitgestaltung wenig zu tun: "In der Natur-Woche bieten wird jeden Vormittag ein Programm an. Und es ist uns wichtig, dass die Familien zusammenkommen. Natürlich lassen wir kein Kind im Hotel, wenn einer Oma mal ein Ausflug zu anstrengend ist", betont Parzer.

Die Waldpädagogin ist sehr zufrieden mit dem Wissensdurst der Sechs- bis Zwölfjährigen. Ihre Ferien-Partnerin, Coach und Ernährungsberaterin Heike Burzki, ergänzt die Aktivitäten mit viel Naturwissen. "Wenn ihr von einem Insekt gestochen werdet, sucht ihr euch auf der Wiese eine Schafgarbe und verreibt das Blatt auf dem Stich. Das ist Naturmedizin", erklärt sie – und wird tatsächlich von einer Biene gestochen. Auch dass man Löwenzahn für einen Salat verwenden kann, führt sie vor und beißt herzhaft eine Blüte ab. Die Kinder kosten skeptisch, aber interessiert.

Ausprobieren ist der wichtigste Faktor bei den Natur-Ferien. Zu selten bekommen Kinder sonst diese Möglichkeiten. Der Familienreiseanbieter Vamos wurde daher für sein Konzept "Ackerhelden" von Geo Reisen mit der Goldenen Palme in der Kategorie "Reisen mit Kindern" ausgezeichnet. Dabei können Kinder selbst erleben, wie das Gemüse am Acker angebaut wird, bei der Ernte und sogar in der Küche bei der Zubereitung des Essens mithelfen.

Kosten, spüren, probieren

Auch Parzer richtet die Aufmerksamkeit der Kinder auf die Erzeugnisse der Region. Nicht weit vom Hotel liegt die Schokoladenfabrik von Josef Zotter. In seinem Schokomuseum können kleine und große Besucher kosten, wie die unterschiedlichen Bestandteile schmecken und welche Füllungen enthalten sind. Durch die unkonventionellen Rezepte kommen die Kinder so in den Genuss, alles mögliche auszuprobieren – von Curry bis Zimt. Doch Zotter geht es nicht nur um das Dessert: Im seinem "Garten der essbaren Tiere" betont er, dass ein Schnitzel einmal in einem Streichelzoo lebte. Auch eine wichtige Erkenntnis für Stadtkinder.

Weitere Aha-Erlebnisse sind bei der Naturerlebniswoche vorprogrammiert: Welche Bäume stehen hier im Wald? Welche Beeren kann ich essen? Wo kann ich am besten hinaufklettern? Während andere Anbieter auf großes Abenteuer setzen, geht es Parzer um das einfache Erleben mit allen Sinnen. So verarbeiteten auch die größeren Kinder mit Hingabe die Utensilien, die die Natur hergibt, zu kreativen Waldgeistern.

Und weil man die Außenwelt noch besser genießen kann, wenn man sich mit seiner Innenwelt beschäftigt, ist Heike Burzkis Yoga-Stunde oben am Hügel mit Rundumblick eine schöne Abwechslung. Nicht allerdings für die Jungs: Die suchten sich in der Zwischenzeit eine andere Beschäftigung.

Das passt in das Konzept: Die Kinder entdecken ihre eigene Kreativität wieder. Vor lauter Elektronik-Spielen und vorgefertigten Erlebnisräumen kommen Kinder immer weniger dazu, der Langeweile zu begegnen und sich frei zu entfalten. In der Natur gibt es immer etwas zu tun und dem Spieltrieb sind keine Grenzen gesetzt. Und wer vor den Waldgeistern fliehen will, kann ja die Wasserrutsche hinunterdüsen, bis er erschöpft ist. Am Abend sind alle müde und glücklich. Und neugierig auf den nächsten Tag.

Welt-Umwelttag

Rettung für die Natur

Jedes Jahr am 5. Juni widmen sich zahlreiche Aktivitäten in 150 Staaten dem Schutz der Umwelt. Es geht um das Bewusstsein für ihren Schutz sowie um konkrete Aktionen. Erfunden wurde der Jahrestag bei der UNO-Umweltkonferenz 1972 in Schweden.

Aktionen

Heuer finden die offiziellen Umwelttag-Feiern in Angola statt, wo die Wildtiere vor den Kriegswirkungen geschützt werden sollen. Jeder ist aufgerufen, eigene Aktivitäten zu überlegen.

www.wed2016.at

„Da staunst du“-Abenteuerferien in Niederösterreich

Mehr als 40 Gastgeber haben sich zusammengeschlossen und bieten Familien Erlebnisse der natürlichen Art an. So können die Kinder am Zwergerlhof im Mostviertel mit dem Traktor Milch holen und am Abend Laternenwandern oder am Lagerfeuer sitzen. Im Kendlerhof können Neugierige beim Kühemelken helfen.

www.niederoesterreich.at/abenteuerferien

Als Dolomiten-Ranger die Welt der Berge entdecken

Beim Abenteuerprogramm „Dolomiti-Ranger-Diplom“ können Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren mit ihren elterlichen Assistenten drei Tage lang unter fachkundiger Anleitung die Geologie der Dolomiten erkunden. Nach den elternfreien Experimenten im Naturparkhaus am Vormittag geht es hinaus in die Dolomiten. Am dritten Tag steht eine Nachtwanderung auf dem Programm (Kinder 10 Euro, Eltern 20 Euro pro Tag).

www.dolomiti-ranger.com

Detektiv-Comic-Abenteuer selbst erleben

Rund um das Kärntner Nassfeld werden Kinder zu Action-Stars: Der Fixi-und-Foxi-Comiczeichner Jürgen Seitz erfand extra für die Urlauber einer Geschichten, bei denen die Kinder ihre Gegend wieder- erkennen. Auf den Spuren der Comic-Helden können sie dann am Berg und im Tal unterwegs sein. An den Seen warten Abenteuerspielplätze mit Namen wie „Das Reich der Seehexe“. Am Millstätter See können Kinder etwas erleben: Zum Beispiel ihren ersten eigenen Fisch fangen.

nassfeld.at, millstaettersee.at

Manni Matschmonster macht Programm mit den Kindern

Die Geschichte von Manni Matschmonster und seiner Oma Gatschmarie ist ein guter Einstieg in den Familienurlaub. Es fährt in verschiedene Regionen in Tirol. Dort schließen sich Dörfer zu „Familiennestern“ mit kinder- freundlichem Programm zusam- men, etwa Stubaital, Kufstein, Zell am Ziller und andere Orte. Mannis ist eine Kuschelfigur, die sich durch das Programm zieht, etwa Lagerfeuer, Svjatzsuche oder Piratenabenteuer.

Internet: „Manni Matschmonster“ in der Suchmaschine eingeben

Mit echten Wissenschaftern auf Forschungsausflug

Im burgenländischen Seewinkel leben Steppenrinder, Seeadler und andere Tiere. Gemeinsam mit ausgebildeten Wildbiologen und Vogelkundlern der St. Martins- Therme gehen Kinder und Eltern zum Fährtenlesen, können Tiere beobachten, mit dem Mikroskop forschen oder einen Tag als Tierpfleger arbeiten. Wer es besonders naturverbunden will, fährt mit dem Rad um den See und wohnt im Wohnwagen.

www.stmartins.at, www.national-parkneusiedlersee-seewinkel.at

Märchenweg auf den Berg hinauf bis zum Abenteuer-Spielplatz

Weiter ausgebaut wurde auch das Familienangebot in der Schladming-Dachstein-Gegend. Ein Abenteuerspielplatz krönt jetzt den ohnehin actionnreichen Rittisberg mit seinem Märchenweg und seinem See im Tal. Die ganze Region bietet den Gästen der Sommercard-Unterkünfte ein umfangreiches Programm für Kinder, von Bogenschießen über Bootfahren bis Holzwerken und Klettern. Gute Kombination aus Kinder- und Familienprogramm.

www.sommercard.at

„Tiere zum Angreifen anstatt nur zum Anmalen“

Die neue Broschüre „Ferien am Baby- und Kinder-Bauernhof“ listet zahlreiche Landwirtschaften in ganz Österreich auf, die speziell auf junge Gäste eingestellt sind. Praktische Unterkünfte mit kleinkindtauglicher Ausstattung sind die Voraussetzung, die meisten bieten auch einen sympathischen Einblick in den Alltag am Bauernhof und in das Leben mit der Natur an unter dem Motto: „Tiere zum Angreifen statt zum Anmalen“.

urlaubambauernhof.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.