Schildkröte aus dem Naturhistorischen Museum Wien: Pelusios ja, seychellensis nein.
Kurioses
01/24/2014

Über Schildkröten, die es nur im Museum gab

Naturhistorisches Museum schreibt Einordnung endgültig um.

Artenbestimmung hat ihre Tücken: Wissenschaftler des Naturhistorischen Museum (NHM) Wien haben nun eine Schildkrötenart "ausgelöscht". Ihre genetischen Analysen zeigten, dass es Pelusios seychellensis, die auf den Roten Listen als ausgestorben geführt wurde, nie gegeben hat.

Entdeckung

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Zoologe Friedrich Siebenrock eine Klappbrust-Pelomedusen-Schildkröte als eine neue Unterart beschrieben. Das Exemplar war über Tausch an das k. k. Naturhistorische Hofmuseums gekommen und sollte den Herkunftsangaben zufolge von der Seychellen-Insel Mahe kommen.

Siebenrock sei bei der Beschreibung "sehr zögerlich gewesen, denn ihre Form glich stark der westafrikanischen Art Pelusios castaneus", sagt Richard Gemel, kürzlich pensionierter Sammlungsmanager der Herpetologischen Sammlung im NHM. Wohl aus diesem Grund habe Siebenrock zehn Jahre später das Exemplar doch der westafrikanischen Art zugeschrieben.

1983 revidierte ein französischer Forscher diese Einordnung: Pelusios seychellensis war seiner Meinung nach die dritte Süßwasser-Schildkröten-Art auf der Insel im Indischen Ozean sein. "Daraufhin begann auf Mahe die vergebliche Suche nach der Art, die schließlich als 'ausgestorben' auf den Roten Listen landete", so Gemel.

Genetische Untersuchung

Als dann 2011 deutsche Wissenschaftler alle Pelusios-Arten mithilfe genetischer Studien untersuchten, wollte Gemel auch Klarheit über Pelusios seychellensis haben. Die genetischen Daten zeigten eindeutig, dass es sich nicht um eine eigene Art, sondern wie schon vor etwa 100 Jahren vermutet um die westafrikanische Art Pelusios castaneus handelte. Gemel geht davon aus, dass es noch bevor das Exemplar an das NHM gelangte, zu einer Vertauschung der Herkunftsetikette gekommen war.

Artenschutz

Der Reptilien-Experte sieht in der "Auslöschung" der Art einen Betrag zum Artenschutz. Denn dieser sei "nur auf Basis fundierter taxonomischer Erkenntnisse sinnvoll". Nachdem kürzlich von einer weiteren Art gezeigt wurde, dass sie identisch mit einer kontinentalafrikanischen sei, ist von den ursprünglich angenommenen drei Süßwasser-Schildkröten-Arten nur mehr eine übrig geblieben, die endemisch sein könnte. Auf Basis dieses Wissens können nun die Naturschutzorganisationen ihre Maßnahmen gestalten.