TV-Hundeflüsterer im Gerede

Vier Pfoten warnt vor den Trainingsmethoden von Cesar Millan.

In Amerika hat sich Cesar Millan einen großen Namen gemacht. Der gebürtige Mexikaner wanderte mit 21 Jahren illegal in die USA ein - und verschrieb sich den Hunden. Er gründete die Pacific Point Canine Academy und das Dog Psychology Center. 2004 startete er seine Reality-TV-Sendereihe "Dog Whisperer". Auch deutsche Sender wie Sixx übernahmen "Der Hundeflüsterer". Im September 2014 kommt Cesar Millan, der auch Bücher mit Erziehungstipps veröffentlicht hat, nach Österreich, um in der Wiener Stadthalle sein Wissen zu verbreiten. Der Kartenverkauf hat bereits begonnen.

Höchste Zeit für Vier Pfoten, alle Hundebesitzer ausdrücklich vor den umstrittenen Trainingsmethoden zu warnen. "Wir rufen zu einem Boykott der Show auf. Millans Trainingsmethoden sind nicht nur völlig veraltet, sondern auch teilweise gewalttätig", sagt Indra Kley von der Tierschutzorganisation.

Schockierende Tipps

In Millans Sendungen kann man Hunde sehen, die verunsichert und hochgradig gestresst sind sowie unter ungeheurer psychischer Belastung stehen. Youtube gibt unerfreulichen Einblick.

Es werden Elektroschockhalsbänder verwendet, die Tiere werden am Halsband gewürgt, bis ihnen die Luft wegbleibt, sie werden getreten. Erwachsene Hunde werden am Nacken gepackt und in die Luft gezerrt, Beschwichtigungssignale werden missachtet.

Verhaltensforscher und Tierschützer kritisieren den Hundeflüsterer seit langen. Bereits 2009 kam er wegen seiner Methoden, die auf Strafe, Dominanz, Unterwerfung, Druck und Drohgebärden beruhen, ins Gerede. Die Argumente der Millan-Gegner: Die Methoden bringen Hunden bei, dass der Mensch unberechenbar und potenziell gefährlich ist. Die Mensch-Tier-Beziehung wird geschädigt. „Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Gewalt in der Hundeerziehung aggressive Hunde hervorbringt", sagt auch Kley: "Millans Trainingsmethoden lösen oft erst Aggression aus und sind nicht, wie oftmals dargestellt wird, die Lösung dafür. Nach Meinung von Fachleuten können sie Hunde in schier tickende Zeitbomben verwandeln. Das heißt, sie werden in ihren Reaktionen unberechenbar und sind dadurch schwer in die Gesellschaft zu integrieren.“

Ebenso gilt als erwiesen, dass das Lerngehirn bei Druck abschaltet. Es findet kein Lernprozess mehr statt, das Tier geht stattdessen in ein so genanntes Meideverhalten und stellt jegliche Kommunikation ein. „Das ist aber kein Therapieerfolg, wie den Leuten verkauft wird, sondern schlicht eine erlernte Hilflosigkeit des Hundes“, erklärt Kley.

In die Liste der Kritiker reihen sich die „European Society of Veterinary Clinical Ethology (ESVCE)“ sowie die „American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB)“ ein. Sie werfen Cesar Millan veraltete und nicht tierschutzkonforme Methoden vor. Vier Pfoten betont neuerlich, dass es bei Nachahmung zu tragischen Unfällen kommen kann.

Millan selbst kommentiert die Vorwürfe in einem Interview auf seiner Internetseite cesarsway.com: "Ich weiß, einige Leute verbreiten Gerüchte, ich würde Hunde körperlich misshandeln. Das ist widerlich. Ich glaube, man muss Hunde manchmal körperlich korrigieren, weil Hunde mit all ihren Sinnen reagieren - dazu gehören Berührungen. Aber das ist was anderes, als einem Hund Schmerzen zu bereiten oder ihn zu misshandeln."

Hundeschule statt Millan-Rat

„Wenn Sie als Hundehalter Unterstützung benötigen, schauen Sie nach einer guten Hundeschule oder einem guten Hundetrainer, die auf einer modernen Basis, d.h. vor allem mit positiver Bestärkung arbeiten", empfiehlt Vier Pfoten: "Denn sie ist der Schlüssel zu einer guten Mensch-Tier-Beziehung. Wir sollten Hunden mit Verständnis, Konsequenz und Respekt begegnen und sie auch entsprechend erziehen.“

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