Leben
02.05.2018

Treten mit Turbo: Alles rund um den E-Bike-Boom

Räder mit elektrischem Zusatzantrieb mutieren derzeit zum massentauglichen Verkehrsmittel. Hier wichtige Tipps.

Die Produzenten kommen mit dem Produzieren nicht nach, die Fahrradhändler wundern sich hinter vorgehaltener Hand, wie viel Geld ihre Kundschaft für sanfte Mobilität auszugeben bereit ist, die Experten für Verkehrssicherheit und der Exekutive machen sich nicht ganz zu Unrecht Sorgen. Das E-Bike ist seit Monaten auf der Überholspur. Dabei gibt es 1000 Details, die die wenigsten kennen und die doch wichtig sind. Wir haben einige hier aufgelistet:

Das ist beim Kauf zu beachten

Die Experten vom Verein für Konsumenteninformation (Franz Wallner), ÖAMTC (Steffan Kerbl), Verkehrsclub Österreich (Christian Gratzer) sowie der Österreichischen Energie-Agentur (Karin Hauer) geben etliche Empfehlungen:

Zuvor abklären: Für welchen Bedarf wird das E-Bike benötigt? Auf kurzen Strecken? In steilem oder ebenem Gelände? Für langsame oder sportliche Fahrten?  Tipp: Falträder mit Elektro-Motor sind ideal für die Kombination mit den Öffis, weil sie zusammengefaltet wie ein Gepäckstück in Bahn, Bus usw. mitgenommen werden können.

Hilfreich: Einen Händler aufsuchen, der möglichst Erfahrung mit E-Bikes hat.

Ergonomie: Wichtig sind Rahmengröße und Sitzposition. Der Fachhändler hat dazu die Expertise. Nach  Einsatzzweck die Radtype wählen. Komfortrad mit tiefem Durchstieg, Trekkingrad oder Mountainbike.

Motortyp: Grundsätzlich ist zwischen Mittel- oder Hinterradnabenmotor zu wählen, (Frontmotoren werden de facto nur mehr bei Billigrädern verbaut).
Komponenten:Besonders wichtig ist bei E-Bikes die Qualität von Bremsen, Schaltung und Lichtanlage.

Bedienungsanleitung studieren: Sie gibt Aufschluss über Garantiefristen für Rad und Akku, die maximale Belastbarkeit und die Reichweiten. Diese können je nach Rahmenbedingungen und Produkt in der Kilometerzahl stark schwanken.

Batterie: Die angegebene Lebensdauer beachten. Tipp: Immer mit dem Original-Ladegerät laden, um mögliche Brände zu verhindern. Tipp: Wer vorhat, öfters größere Touren zu absolvieren, benötigt einen  Akku mit einem Energiespeicher von zumindest  500 Wh.

Probefahrt: Vor dem Kauf des E-Fahrrads unbedingt eine längere Probefahrt machen, auch mit Gepäck. Hinweis: Ein bequemer, weicher Sattel kann speziell bei längeren Fahrten als unangenehm und schmerzhaft empfunden werden. Das Bike auch hochheben und einige Schritte weit tragen. Schließlich ist das eine größere Investition.

Schwergewicht: Akku und Motor wiegen schwer. Wer sein E-Bike treppauf, treppab heben muss, sollte auf das Gewicht achten.

Gesamtgewicht: Bei einem zulässigem Gesamtgewicht von beispielsweise 120 Kilogramm muss der Fahrer schon ein Leichtgewicht sein, wenn maximales Gepäck mitgeführt wird.

Garantiebedingungen der E-Bike Systeme (Akku, Motor, Steuerung) beachten: Beim Kauf diese beim Händler erfragen, die Bedingungen der Hersteller sind für den Endkunden oft nicht einsehbar.

Diebstahlsicherung: Einigermaßen sichere Schlösser sowie im Bedarfsfall reibungslose Fahrraddiebstahl-Versicherungen sind sehr teuer, können sich aber in Anbetracht der hohen Anschaffungspreise rentieren.

Das ist unterwegs zu beachten

Aufladen: Der Akku eines E-Fahrrads gilt als Gefahrengut, deshalb ist absolute Vorsicht beim Aufladen angebracht. Keine fremden Ladegeräte verwenden!

Helmpflicht: Gibt es für Erwachsene nicht, in Anbetracht der Beschleunigung und höheren Geschwindigkeit kann ein Helm helfen, bei Unfällen Verletzungen zu vermeiden.

Transport: Wer das E-Bike mit Bahn oder Auto (stabilen Fahrradträger montieren!) transportieren will, sollte den Akku entnehmen. Vor Flugreisen unbedingt  die Fluglinie konsultieren!

Reinigung: Beim Reinigen des Rads mit Wasser  (keinesfalls mit Hochdruckreiniger arbeiten!) den Akku entnehmen und die Kontakte abkleben.

Bremsweg: Mit einem E-Bike lässt sich schneller beschleunigen und auch schneller fahren als mit einem herkömmlichen Rad, auch dann, wenn man nur gemütlich in die Pedale tritt. Daher muss man das Fahrverhalten anpassen und sich auch auf einen längeren Bremsweg einstellen.

Energiekosten: Fahren mit Motor hat seinen Preis. Die Kosten für Akku und Strom belaufen sich je nach Modell und Fahrleistung auf 2 bis 3,5 Cent pro Kilometer, das sind 20 bis 35 Euro für 1000 km.

Wartung: Regelmäßig die Schrauben kontrollieren und bei Bedarf nachziehen – vor allem die Befestigung des Gepäckträgers ist laut Experten anfällig.

E-Bike oder Pedelec?

Als E-Bike wird gemeinhin ein Fahrrad mit elektromotorischer Tretunterstützung bezeichnet. Der Elektromotor schaltet sich automatisch ein, sobald der Fahrer in die Pedale tritt, und schaltet sich spätestens bei 25 km/h automatisch wieder ab.

Kann eine höhere Geschwindigkeit (bis maximal 45 km/h) und mehr Leistung als 600 Watt erzielt werden, sprechen wir von einem Speed-Pedelec. Dieses muss als Moped angemeldet werden, mit allen rechtlichen Folgen: eine Haftpflichtversicherung, Helmpflicht (Motorradhelm!) sowie ein Führerschein sind unbedingte Voraussetzungen. Das so genannte S-Pedelec muss auch wie ein Moped (Kennzeichen, Blinker, Verbandszeug usw.) ausgestattet sein. Zudem darf es auch mit ausgeschaltetem Motor nicht auf Radwegen genutzt werden.

 

E-Bike-Kurse

Die Naturfreunde bieten kostenlose E-Bike-Trainings an, mit Leihrädern sowie auf einer verstellbaren Plattform, mit der E-Bike-Fahrten simuliert werden können. Die Plattform lässt sich verstellen, wodurch Bremswege  trainiert werden können. Die Teilnehmer werden von Experten aus der Branche (unter anderem vom ARBÖ) betreut. Infos: www.sicherheitstage.naturfreunde.at, um Anmeldung wird gebeten: bernhard.rauch@naturfreunde.at

Die nächsten Termine:

5. Mai: Alpenarena Villach.

24. Mai: Marktplatz Innsbruck.

27. Mai: Mattersburg.

Auch für ältere Menschen gibt es Kurse, die speziell über Seniorenorganisationen angeboten werden. Ein weiterer Anbieter ist die mobile Radfahrschule. Nähere Infos: www.radfahrschule.at