Stammzellentherapie: Der Patient muss zwei Mal zum Tierarzt.

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Tiercoach
08/16/2016

Wie Zelltransfer Haustieren helfen kann

Stammzellentherapie: Vor allem Hunde mit Gelenkproblemen profitieren.

von Hedwig Derka

Stammzellen sind Alleskönner. Als die Transplantation der wandelbaren Ur-Zellen in der Humanmedizin Erfolge zeigte, wurde sie auch an Pferden und Katzen, Schweinen, Hunden und Rindern getestet. Mittlerweile können Tierärzte in ganz Österreich das Verfahren anbieten.

„Prinzipiell kann jede Tierart von einer Stammzellentherapie profitieren“, sagt KURIER-Tiercoach Folko Balfanz. Der Zoodoc aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn erklärt, bei welchen Leiden der Zelltransfer sinnvoll ist und wie er in der Praxis funktioniert.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Stammzellen bieten sich für die regenerative Behandlung von unterschiedlichen Gelenkserkrankungen an“, sagt Balfanz und zählt Arthritis und Osteoarthritis auf, sowie Verletzungen der Sehnen, Bänder und von Knorpeln. Zudem wird die Methode zur Schmerzlinderung bei Hüftproblemen und unterstützend nach Kreuzband-Operationen und Knochenbrüchen angewandt.

„Der Patient muss zwei Mal zum Tierarzt“, sagt der Experte. Beim ersten Besuch wird dem Vierbeiner unter Kurznarkose Fettgewebe aus dem Nacken geschnitten, der zirka 1 kleine Würfel geht per Post an ein Speziallabor. Dort werden Stammzellen isoliert und innerhalb von 10 bis 14 Tagen in einer Nährlösung vermehrt. Die kultivierten Fettstammzellen können sich zu unterschiedlichen Gewebetypen entwickeln: zu Knochen-, Muskel-, Knorpel- und vermutlich auch zu Nervengewebe. Schließlich werden drei bis vier Millionen Stammzellen als sterile Injektion zurückgeschickt.

Deutliche Besserung

„Der Tierarzt spritzt beim zweiten Besuch die Stammzellen direkt ins Gelenk bzw. in den erkrankten Bereich und aktiviert damit die Genesung“, erklärt Folko Balfanz. Drei bis vier Monate später zeigt sich eine deutliche Besserung des Gesundheitszustandes, im optimalen Fall tritt sechs bis zwölf Monate nach der Behandlung die maximale Verbesserung ein.

„Der Erfolg ist gut, die Kosten sind nicht sehr günstig“, sagt der KURIER-Tiercoach. Halter, die vorsorgen wollen, können die Gewebsprobe bei einem Routine-Eingriff wie der Kastration entnehmen und für sieben Jahre in einer Zellbank einfrieren lassen. Das erspart dem kranken Tier die belastende Sedierung. Die Lagerung freilich hat auch ihren Preis. Balfanz rechnet mit Fortschritten: „Die Stammzellentherapie wird in der Tiermedizin an Bedeutung gewinnen.“

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