Auf der Couch: Hundeflüsterer Cesar Millan ist im Gerede.

© EPA/JEFFREY ARGUEDAS

Protest gegen Millan
09/09/2014

The Show must go on

Tierschützer konnten Auftritt des umstrittenen Hundetrainers nicht verhindern, jetzt rufen sie zum Boykott auf.

Cesar Millan hat sich einen Namen gemacht. Am 12. und 13. 9. 2014 gastiert der wohl berühmteste Hundetrainer der Welt in der Wiener Stadthalle. Zum Ärger aller Tierfreunde. Denn der selbst ernannte "Dog Whisperer" zeigt immer wieder - in Live-Shows wie bei Fernsehauftritten -, mit welchen Methoden er Hunde erzieht: mit Schlägen, Tritten und Würgehalsbändern.

Der Österreichische Tierschutzverein hat bereits im Vorfeld versucht, das Gastspiel Millans zu unterbinden. Erfolglos. Die Wiener Magistratsabteilung 60 für Veterinärdienste und Tierschutz (MA 60) sah keinen Grund, die beiden Shows zu stoppen. Jetzt appellieren die Tierschützer an alle Hundebesitzer, die Shows nicht zu besuchen.

Aversives Training

Cesar Millan kam als mexikanischer Einwanderer in die USA, wo er anfangs die Hunde von Prominenten ausführte und anschließend ohne jegliche Ausbildung zum Hundetrainer aufstieg. Der Durchbruch gelang ihm mit verschiedenen TV-Reality Soaps. Von Beginn an wurden die Serien und bedenklichen Praktiken des Hundetrainers kritisiert. Denn die Hunde werden teilweise durch dünne Halsbänder massiv gewürgt und mit Tritten in die Nierengegend gefügig gemacht. Außerdem kommen Stachel- und Elektrohalsbänder zum Einsatz. Mit diesen aversiven Trainingsmethoden erzielt Millan zwar kurzfristig einen medienwirksamen Erfolg. Tatsächlich hält der depressiv-lethargische Zustand beim Tier nicht lange an, die derart malträtierten Hunde werden zu tickenden Zeitbomben. Irgendwann befreien sie sich aus der Schockstarre und wehren sich.

Tierschutzgesetz

Viele von Millans Methoden verstoßen gegen das Österreichische Tierschutzgesetz. Das reichte der Behörde aber nicht, um die Shows schon im Vorfeld zu unterbinden. Christian Hölzl, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins, zeigt sich darüber verärgert: "Die Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar. Der Behörde können die zum Teil tierquälerischen Methoden Millans nicht verborgen geblieben sein. Es ist doch hanebüchen, dass die MA 60 in der Hoffnung, dass Millan in der Stadthalle doch nichts Illegales macht, den allseits bekannten, zweifelhaften Praktiken zuerst einen Persilschein ausstellt, nur um während der Veranstaltung dann erkennen zu müssen, dass Millan am Rande der Legalität wandelt oder gar gegen das österreichische Tierschutzgesetz verstößt." Weiter spricht Hölzl von einem "verheerenden Signal an die Öffentlichkeit, denn derartige Methoden sind eine Gefahr für Hunde und Menschen und sollten in keinster Weise als Vorbild für richtige Hundeerziehung dienen". Eventuell notwendige strafrechtliche Maßnahmen nach der Veranstaltung würden für die in der Show auftretenden Tiere zu spät kommen und kein Tierleid verhindern.

In anderen europäischen Ländern - darunter Italien und Schweden - wurde bereits erfolgreich für eine Einstellung der Shows und TV-Serien protestiert. Selbst in Millans Heimat USA wurde die TV-Show nach wilden Protesten bereits abgesetzt.

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