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Tiercoach
10/18/2012

Meditation vor dem Aquarium

Die Meerwasser-Aquaristik boomt. Wer die bunten Fische artgemäß hält, pflegt ein großes Becken – mit sehr viel Geduld.

von Hedwig Derka

Schnorcheln ist nicht jedermanns Sache, Taucherfilme sind selten auf Sendung, und nicht alle Zoos verfügen über eine Einrichtung für Kiefermäuler. Dabei gibt es unter Wasser Sensationelles zu sehen. Das Leben ist hier besonders bunt, kontrastreich und formverspielt. "Im Salzwasser ist schon der Durchschnitt spektakulär", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn weiß, dass selbst Aquaristik-Einsteiger heute Süßwasserfische außen vor lassen. Clown- und Doktorfische, Korallenriffe und Anemonen, Krebse und Seepferdchen liegen voll im Trend.

Die Meerwasser-Aquaristik boomt. Anton Weissenbacher, Zoologischer Leiter Fische, Reptilien, Insekten im Wiener Zoo, gibt Tipps, wie die tropische Unterwasserwelt im Wohnzimmer funktioniert. Exotik ohne Fernreise, Abenteuer ohne Sauerstoff-Flasche, Meditation auf der eigenen Couch.

Angebote

Bis vor Kurzem starteten Fisch-Fans in der Regel mit Süßwasser-Aquarien. Die Tiere galten als robust, Becken und Zubehör waren vergleichsweise günstig. Jetzt ist auch die spezielle Salzwasser-Technik erschwinglich geworden, die Verfügbarkeit der durchaus toleranten Meeresbewohner deutlich gestiegen. Das Angebot beginnt bei Anemonen- und endet bei Zwergkaiserfischen, es reicht von Einsiedlerkrebsen über Garnelen und Schnecken bis Seeigel und schließt Lebendgestein ein, das im Kilopreis verkauft wird. Diese Vielfalt reizt.

Becken
Auch beim Zubehör ist das Sortiment riesig, nicht alles eignet sich. "Je kleiner das System, desto instabiler ist es", sagt Weissenbacher. Nano-Aquarien sind selbst für Spezialisten eine Herausforderung. 500-Liter-Behälter dagegen verzeihen viel mehr Fehler. Der Handlungsspielraum ist größer. Außerdem lassen sich darin Entwicklungen besser beobachten. So machen sich die höheren Anschaffungskosten rasch bezahlt.

Der dunkelste, kühlste Platz ist der beste Standort für das Aquarium. Das freut Fische und Betrachter. Auch spezielle Möbel, bei denen die Technik im Unterschrank untergebracht ist, sollen nicht am Fenster stehen.

Dekoration
Als Bodengrund im Becken dient Korallenbruch. Meersand kann in unterschiedlicher Körnung verwendet werden. Steine sind dann richtig platziert, wenn Heimtierhalter gut putzen und Fische sich gut verstecken können. Der Fantasie sind damit Grenzen gesetzt.

Wasser
Leitungswasser plus Salz ist nichts für Fische, die frisch bleiben sollen. "Es gibt fertige Salzmischungen. Dafür wird Leitungswasser durch Umkehrosmose gereinigt und dann mit Meersalz versetzt", erklärt der Experte.

Algen
Die Unterwassergartengestaltung kann mit viel Liebe betrieben werden. Hier gilt im Kleinen, was auf das ganze Ökosystem Aquarium zutrifft: Ein schrittweiser Aufbau, bei dem auch langsam das Gefühl entsteht, führt letztlich zu einem eindrucksvollen Schaukasten. Ungeduld schadet.

"Es gib wunderschöne Algen in tollen Grünfärbungen", sagt Weissenbacher. Algen nehmen viele Nährstoffe auf.

Besatz
Die Auswahl der Becken-Bewohner darf nicht nach rein optischen Kriterien erfolgen. Die Wassertemperatur etwa muss für alle passen, Anemonen können Korallen schädigen, die langsamen Seepferdchen wegen der schnellen Jäger verhungern. Das Problem Fressfeinde erledigt sich von selbst. "Man muss Arten kombinieren, die zusammen passen; zum Beispiel Tag- und Nachtaktive trennen", sagt der Fisch-Experte.

Die meisten Meerestiere für daheim sind Wildfänge, zum Teil werden sie kontrolliert entnommen. Andere stammen aus großen Farmen – wie aus Deutschland oder den Niederlanden. Viele Arten werden im Land vermehrt, der Import entfällt. Der durch den Zeichentrickfilm bekannt gewordene Clownfisch Nemo zum Beispiel wird mittlerweile in riesigen Mengen nachgezüchtet. Der Anemonenfisch lebt übrigens bis zu fünfzehn Jahre.

Gefinkelte Technik belebt die Unterwasserwelt

Ohne Technik geht in der Aquaristik gar nichts: Filter, Pumpe, Heizung, Kühlung und Beleuchtung zählen zur Standard-Ausstattung. "Die Geräte benötigen alle Strom, das muss man schon vorher bedenken", sagt Fisch-Experte Anton Weissenbacher aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Allein die Lichtquelle kann so viel an Energie-Kosten verursachen wie der Rest des Haushalts.

"Im Unterschied zum Süßwasser braucht das Salzwasser auf jeden Fall einen Abschäumer", erklärt Weissenbacher. Dieses Reinigungsgerät bläst feine Luftblasen durch eine Röhre mit Aquariumwasser. Beim Aufsteigen transportieren sie Eiweiß und Nährstoffe mit an die Oberfläche. Der Schaum wird schließlich abgeschieden. Zusätzliche biologische Filter sind notwendig.

Eigene Pumpen erzeugen Strömungen und sorgen für eine Wellenbewegung im Becken. Nicht alle Aquarium-Bewohner schätzen das Geschaukel.

LED

Bei der Beleuchtung gibt es verschiedene Spielereien. Leuchtstoffröhren haben sich bei reinen Fisch-Aquarien bewährt. Für alle Meerwasser-Organismen ist ein klarer Tag-Nacht-Rhythmus überlebenswichtig. Korallen brauchen sehr starkes Licht, das wird zum Beispiel von Natriumdampflampen abgegeben. Die Leuchtdioden-Technik gilt als vielversprechend, es fehlen aber Langzeiterfahrungen.

Manch Ökosystem kommt im Winter nicht ohne Heizung aus. Gleichzeitig kann eine extrem starke Lichtquelle eine Kühlung notwendig machen. Hier werden Kühlaggregate angeboten und Ventilatoren, die auf die Wasseroberfläche blasen. Die Temperatur muss jedenfalls regelmäßig kontrolliert werden – eventuell elektronisch.

Wasserqualität und Futtermenge müssen passen

Die Aquaristik ist nichts für Ungeduldige", sagt Anton Weissenbacher, Fisch-Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Bedacht ist bei der Einrichtung des Beckens genauso gefragt wie bei der Instandhaltung des Ökosystems.

Die Wasserqualität im Aquarium muss regelmäßig überprüft werden. Stimmt der Nitrat-Wert, passt der Nitrid-Wert, wie steht es um den PH-Wert? "Ist die Qualität schlecht, muss langsam in die richtige Richtung gearbeitet werden. Eine rasche Umstellung kann fatale Folgen haben", sagt Weissenbacher: "Drei Grad plus in sehr kurzer Zeit bedeutet schon El Niño. Konstanz ist wichtig."

Alle sieben bis vierzehn Tage soll Wasser gewechselt werden: Etwa ein Sechstel der Flüssigkeit wird dabei durch vorbereitetes Salzwasser getauscht. Um die richtige Dichte zu gewährleisten, muss verdunstetes Wasser durch enthärtetes Wasser ersetzt werden. Die Devise lautet: Kleiner Eingriff statt große Kampagne. Das gilt auch beim Putzen des Beckens.

Ernährung

Ständig kleine Häppchen statt hin und wieder eine Riesenportion heißt es in Sachen Ernährung. "Frische fressen eigentlich den ganzen Tag. Das ist eine gute Beschäftigung und baut Aggressionen und Revierstreitigkeiten vor", erklärt der Experte. Der Handel bietet Trockenfutter, Frostfutter und Nahrungsmittelergänzung in fertigen Mischungen an – abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse der verschiedenen Arten. Manche Fische mögen darüber hinaus Grünfutter wie Zucchini, Brokkoli und Gurke. Sie weiden natürlich auch Algen ab.

"Die Tiere sollen nie sofort satt sein", sagt Weissenbacher zur Dosierung. Ein Futterautomat kann bei der Ernährung in richtigen Portionen und im Urlaub helfen.

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