Leben
20.01.2012

Tablets statt Schulbücher

Apple will mit dem iPad den Schulbuchmarkt erobern. Heimische Lehrer sind begeistert, die Verlage skeptisch.

Apps spielen im Schulalltag eine immer größere Rolle. Laut Ansicht von Experten lassen sich damit durch diverse interaktive Eigenschaften Inhalte begreifbar machen, die sonst nicht so einfach zu erklären sind. Doch die digitalen Inhalte können klassische Schulbücher großteils noch nicht ersetzen. Österreichische Schulbuchverlage zeigen sich deswegen eher abwartend und setzen weiterhin auf das Schulbuch als Leitmedium.

In der zweiten Klasse der Hauptschule Jennersdorf im Burgenland gibt es keinen gedruckten Schulatlas mehr. Es gibt dort auch keine Bibel und keine Wörterbücher, denn die benötigten Informationen werden digital mit dem iPad von Apple abgerufen. "Beim digitalen Wörterbuch bekommen die Kinder das Wort `beautiful` von einem Native Speaker vorgelesen und hören dadurch, wie das Wort richtig ausgesprochen wird", erklärt Direktor Hannes Thomas die Vorteile. In Geografie setzt man auf Google Maps und auf zusätzliche Apps, mit denen man beispielsweise Erdbeben interaktiv simulieren kann. "Das kann mir ein Buch nicht bieten", so der Tablet-Verfechter, der in den Touch-Geräten die Zukunft des Lernens sieht, zum KURIER.

Inhalte

Auch die Klassenlehrerin der iPad-Klasse in der Volksschule Breitenlee, Barbara Zuliani, ist überzeugt: "Gerade Themen, die für Kinder nicht wirklich begreifbar sind, können mit dem Einsatz von digitalen Medien verdeutlicht werden." Es sei jedoch derzeit noch äußerst schwierig, entsprechende pädagogisch wertvolle Inhalte zu finden, fügt der Schuldirektor hinzu. "Die Suche nach geeigneten Inhalten ist sehr zeitintensiv".

Der E-Learning-Experte Martin Ebner von der TU Graz bastelt mit seinen Studenten an kostenlosen Apps für den Bildungsbereich, wie etwa einem "1 x 1 Rechner". Mit Apps alleine könne man keinen Schulunterricht gestalten, denn sie behandeln immer nur ein Problem, sagt der Experte. Digitale Inhalte und Apps werden von den heimischen Lehrern großteils als eine "gute Ergänzung" zu Schulbüchern gesehen.

Schulbuch

Aus Sicht der Schulbuchverlage sind Schulbücher nach wie vor das Leitmedium im Unterrichtsalltag. Digitale Zusatzinhalte werden in Österreich seit dem Schuljahr 2003/2004 im Rahmen von "Schulbuch Extra" (SBX) von den meisten Verlagen angeboten. "Die zusätzlichen Online-Inhalte werden von Eltern und Schülern am freien Markt zunehmend angenommen", erzählt Michael Kernstock, Obmann des Fachverbands der Buch- und Medienwirtschaft.

Nachfrage

"Die Schulbuchverlage sind, sowohl was die Inhalte als auch was die mediale Aufbereitung betrifft sehr offen", fügt Kernstock hinzu. Man befasse sich bereits seit 2002 sehr intensiv mit der Entwicklung von E-Content im Bildungsbereich, doch die Nachfrage sei derzeit noch recht unterschiedlich. "Wenn man den freien Buchmarkt heranzieht, so liegt der Umsatz mit E-Books zur Zeit bei 0,1 Prozent", sagt Kernstock.

Im Gegensatz zu den Lehrern sind die österreichischen Schulbuchverlage noch nicht davon überzeugt, dass digitale Inhalte wirklich einen Mehrwert mit sich bringen. "Es gibt hier sehr divergierende Aussagen. Cyber-Homeworks sind bei den Kids sehr beliebt, aber für die Prüfungsvorbereitung wird dann meistens das Vokabelheft herangezogen", berichtet Kernstock. Solange Lehrer, Schüler und Eltern sich dafür entscheiden, werde das Schulbuch das Leitmedium bleiben, meint der Obmann des Fachverbands. Derzeit sehe man noch keinen großen Wunsch, daran etwas zu ändern.