Schnecke
Tiercoach
08/30/2013

Schöne Nützlinge

Süßwasserschnecken.Die weichen Tiere mit der harten Schale erfreuen sich zunehmender Beliebtheit – wegen ihrer Form, Farbe und Funktion

von Hedwig Derka

Im Garten haben Schnecken wenige Freunde. Laben sich die schleimigen Kriecher noch dazu im Blumen- oder Gemüsebeet, kann ihr Leben gar in Gefahr geraten. Mit der Verwandtschaft im Aquarium war das früher nicht anders. „Wasserschnecken wurden als Schädlinge und Plage angesehen“, sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Diese Zeiten sind vorüber: „Schnecken im Süßwasser-Becken erfreuen sich heute großer Beliebtheit.“
Näheres erklärt der Leiter des Aquarien- und Terrarienhauses im Wiener Zoo: „Schnecken werden in den vergangenen Jahren – wenn auch selten – ausschließlich gehalten, doch sehr oft bewusst vergesellschaftet.“ Anton Weissenbacher, Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team, begründet die Popularität der Bauchfüßler, nennt die häufigsten Arten und gibt Tipps für die richtige Haltung.

Mitbewohner

Es gibt kaum ein Süßwasser-Aquarium ohne Schnecken. Die Tierchen gelangen mit Pflanzen, Kies oder Holz in die Unterwasserwelt daheim und besiedeln dort den Lebensraum von Zierfischen, Garnelen und Krebsen. Viele Exemplare bestechen durch ihr attraktives Äußeres. „Schnecken sind meist schön gezeichnet oder knallbunt. Noch dazu sind sie sehr nützlich“, erklärt Weissenbacher. Die meisten dieser hübschen Hausbewohner lassen saftige Blätter und Stängel stehen, ihre ausfahrbare Zunge mit den winzigen Hornzähnchen begnügt sich mit dem Zerkleinern abgestorbener Pflanzenteile und mit Fischkot. So reduzieren Schnecken die organischen Stoffe im Wasser und entgiften das Öko-System. An den Glasscheiben leisten sie gründliche Putzarbeit: Mundöffnung auf, Mundöffnung zu. Das Ergebnis ist freier Durchblick ohne Algen. Gute Wasserqualität bleibt im Gleichgewicht. Hin und wieder erwischen Schnecken auch Fischfutterreste. Zusätzliches Füttern ist nicht notwendig. „Schnecken sind sehr genügsame Haustiere. Spezielle Nahrung aus dem Handel ist überflüssig“, sagt Weissenbacher. Die Weichtiere mit der harten Schale werden so mindestens ein Jahr alt, größere Exemplare bis zu drei Jahre.

Algenfresser

Schnecken leben seit Jahrmillionen auf der Erde. Das Süßwasser ist überaus artenreich. Haustierbesitzer, die Nützlinge gezielt ins Becken holen wollen, finden seriöse Angebote im Internet; fundierte Informationen und aufschlussreiche Haltungsberichte inklusive. Der Handel verfügt über ein breites Sortiment. „Für die asiatische Apfelschnecke, die faustgroß werden kann, besteht seit Jänner 2013 in der EU ein Handelsembargo. Sie gilt als Bio-Invasor und könnte theoretisch heimische Arten gefährden“, sagt der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team.
Die etwa 1 cm langen Turmdeckelschnecken dagegen sind offiziell zu haben. Die Wirbellosen mit Rüssel sind weit verbreitet und hoch geschätzt, erfüllen sie doch im Aquarium die Aufgabe, die Regenwürmer an Land erledigen: Sie befreien den Kies von Abfall und führen dem Bodengrund beim Durchpflügen Nährstoffe zu.
Rennschnecken wiederum, die tatsächlich relativ rasch über die Scheiben ziehen, erfreuen nicht nur wegen ihrer schönen Zeichnung und der gelben Farbe, sondern auch wegen ihres Appetits auf Algen. Sie halten das Wachstum des ungeliebten Grünzeugs in Zaum. Zebranapfschnecken zählen zu den Klassikern.
Viele Schneckenarten pflanzen sich als Zwitter fort. „Sehr populär sind Raubschnecken. Sie schauen mit ihrem geringelten Gehäuse toll aus, sind bunt und werden gerne eingesetzt, um die Schneckenzahl im Aquarium zu dezimieren“, sagt Weissenbacher. Schneckenfallen aus dem Handel sind tierfreundlicher. Die damit eingesammelten Lebewesen können an interessierte Aquaristen weitergegeben werden. Mit guten Chancen. Schließlich werden die Freunde der Süßwasserschnecken immer mehr.

Schnecken im Teich machen einen guten Job“, sagt Experte Anton Weissenbacher. Neben ihrem Dasein als Nützlinge sind die Teichbewohner interessant zu beobachten:
Die aktive, bis zu 3 cm große Sumpfdeckelschnecke z. B. ist kein Zwitter. Nachwuchs wächst im Weibchen heran und wird lebend geboren. Die Posthornschnecke zählt zu den Eier legenden Wasserlungenschnecken. Mit ihrem gerollten, aufgestellten Horn und ihrem rötlichen, bis zu 2 cm großen Körper fällt sie auf. Die robuste Spitzschlammschnecke macht sich in Teichen ab 100 m² besonders gut. Sie lässt sich öfter blicken als so mancher Fisch.

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