Leben
23.07.2018

Studie: Sehr frühe Kindheitserinnerungen sind ausgedacht

Erinnerungen, die man an die Zeit vor dem dritten Lebensjahr hat, sind erfunden, betonen Forscher.

Die ersten Schritte, das erste Wort, die Farbe des Schnullers: Frühe Kindheitserinnerungen wie diese sind ausgedacht, wie Forscher in einer aktuellen Studie betonen. In der bisher größten Erhebung zu frühen Kindheitserinnerungen zeigte sich, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Menschen tatsächlich Erinnerungen an die Zeit vor dem dritten Lebensjahr besitzen.

Die Untersuchung, die im Psychological Science Journal veröffentlicht wurde, belegt, dass 40 Prozent der frühen Erinnerungen, beispielsweise jene an den Kinderwagen, in der Regel eine Mischung aus Erinnerungsteilen und Fantasie sind.

Zusammengezimmert

Martin Conway, Mitautor der Studie, sagte im Gespräch mit dem Independent dazu: "Diese Art der Erinnerung könnte daraus resultieren, dass jemand erzählt hat, dass der Kinderwagen der Mutter grün war." Dann würde sich die Person infolgedessen vorstellen, wie dieser ausgesehen haben könnte und daraus eine Erinnerung zusammenzimmern. Erinnerungsfragmente würden so über Zeit unter Zuhilfenahme der eigenen Vorstellungskraft zu Erinnerungen, so Conway.

Für die Erhebung baten die Forscher fast 6.641 Menschen, an ihre frühe Kindheit zu denken und nur jene Erinnerungen anzugeben, die nicht mit einer "Familiengeschichte oder einer Fotografie" in Verbindung stehen. Oft seien fälschlicherweise als Erinnerung betitelte Vorstellungen auch das Resultat von Fotos oder Geschichten, die über Generationen in der Familie weitergetragen werden, erklärt Conway. 2.478 Teilnehmer gaben an, Erinnerungen an die Zeit vor dem zweiten Geburtstag zu haben. Davon gaben 893 an, sich sogar an die ersten zwölf Lebensmonate zu erinnern.

"Erwachsenen-Erinnerungen" ab fünf Jahren

Die Wissenschafter kamen auch zu dem Ergebnis, dass sich erst im Alter von fünf oder sechs Jahren "Erwachsenen-Erinnerungen" bilden, obwohl auch ab dem Alter von drei Jahren schon durchaus realistische Erinnerungen entstehen können.

"Wir nehmen an, dass das, was sich der Erinnernde vorstellt, in Wahrheit ein Konstrukt aus Erinnerungsfragmenten, einigen Fakten und überliefertem Wissen über die eigene Kindheit ist", sagte Mitautorin Shazia Akhtar über die Erkenntnisse.