Obdachlos in Wien - Szene aus dem Film "Zu ebener Erde"

© Stadtkino

Leben
01/21/2019

Statistik Austria: Arme Menschen sterben deutlich früher

Gefährliche Mindestsicherung: Laut Statistik Austria sinkt die Lebenserwartung um bis zu zwanzig Jahre

von Uwe Mauch

Menschen, die manifest arm sind (das sind im Wesentlichen die Mindestsicherungsbezieher), sterben um mehr als zehn Jahre früher als der Rest der Bevölkerung. Dies geht aus aktuellen Berechnungen hervor, die die Statistik Austria veröffentlicht hat.

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer sterben um 11,2 Jahre früher, Frauen um 4,4 Jahre früher, auch deshalb, weil sie öfter obdachlos werden als Frauen.

Gelingt kein Zurück, geht die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auf. Bei länger andauernder Armut verringert sich die Lebenserwartung noch weiter: bei Männern um zwölf, bei Frauen um 9,1 Jahre. Diese enorme Reduzierung der eigenen Lebenszeit betrifft in Österreich laut Statistik Austria knapp 270.000 Menschen. Das sind 3,2 Prozent aller Staatsbürger. Die Zahl entspricht der Einwohnerzahl von Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs.

Besonders dramatisch wirkt sich unsicheres Wohnen und ein Leben ohne ein „zu Hause“ aus. Hier gibt es nur eine Zahl für die Männer, da die Datenlage von wohnungslosen Frauen lückenhaft ist: Männer ohne Dach über dem Kopf sterben sogar um zwanzig Jahre früher.

„Man kann Menschen nicht nur mit der Axt töten“, erklärt dazu Martin Schenk von der Armutskonferenz im Gespräch mit dem KURIER. „Man kann sie auch mit feuchten Wohnungen töten.“

In Richtung Bundesregierung sagt der Sozialexperte ohne Wenn und Aber: „Wer die Situation von Mindestsicherungsbeziehern weiter verschlechtert, Arbeitslose statt Arbeitslosigkeit bekämpft, die Chancen im Bildungssystem blockiert oder prekäre Niedriglohnjobs fördert, der verschlechtert automatisch die Gesundheitssituation im Land.“Uwe Mauch

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