Schnecken, Garnelen und Krebse sind beliebte Haustiere.

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Tiercoach
09/14/2014

Stars in der fischfreien Zone

Nano-Aquarien sind mehr als ein hipper Blickfang. Was die Bewohner im Mini-Becken brauchen.

von Hedwig Derka

Der einsame Goldfisch im Wasserglas ist Geschichte – das Tierschutzgesetz verbietet diese Art von Haltung seit Langem. "Nano"-Becken, d. h. "Zwerg"-Aquarien mit fünf und mehr Liter Fassungsvermögen, erfreuen sich daher großer Beliebtheit. Allein in den kleinen Behältern gedeihen jetzt statt der schuppigen Wirbeltiere genügsame Garnelen, schöne Schnecken und prachtvolle Pflanzen. In der fischfreien Zone sind sie die Stars.

"Nano-Becken sind ein spannender Trend", bestätigt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Auch die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn kann dem überschaubaren Wasserbehälter auf dem Tisch Faszination abgewinnen. Sie weiß aber – so wie Anton Weissenbacher –, dass sich Haltungsfehler gerade in Aquarien mit geringem Volumen rasch fatal auswirken. Der zoologische Leiter des Aquarienhauses hat Tipps, wie das Gleichgewicht im Mini-Öko-System erzielt und erhalten werden kann.

SĂĽĂźwasser

"Nano-Becken kann man als Süß- oder Salzwasseraquarium betreiben", sagt Weissenbacher. Unerfahrene beginnen besser mit Süßwasser. Viele Pflanzen für diesen Lebensbereich sind robust, sie wachsen langsam und ihre Auswahl ist groß. Dichte Moose wie das satt-grüne Javamoos erfreuen nicht nur die Bewohner, sondern auch den Betrachter. Attraktive Garnelen in verschiedenen Farbzüchtungen – darunter die gefragten Caridina – und extravagant gezeichnete Schnecken à la Posthorn- und Porzellan-Schnecken sind relativ pflegeleicht. Auch in der Natur leben sie sehr ortstreu, fressen sich vor allem mit abgestorbenen Pflanzenteilen und Algen satt und erledigen dabei gleichzeitig Putzarbeit – sowohl im feinen Sand und Kiesel als auch an ihren Verstecken wie Steinen, Höhlen, Holzästen und Wurzeln, und nicht zuletzt an den Scheiben.

"Luftbetriebene Bodenfilter eignen sich extrem gut für Nano-Becken", erklärt der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Die Wassertemperatur – sie entspricht in etwa der Raumtemperatur – dagegen lässt sich mit Technik kaum regulieren. Das muss schon beim Aufstellen des Aquariums bedacht werden. Der richtige Platz ist mit Sorgfalt zu wählen.

Temperatur

An einem sonnigen Standort besteht im Sommer die Gefahr der Überhitzung. Eine helle Umgebung lässt Grünzeug üppig sprießen. Beleuchtung und Heizstab müssen je nach Besatz installiert werden. "Wer sein Becken richtig zusammenstellt, hat einen Pflegeaufwand von etwa einer halben Stunde pro Woche", sagt Weissenbacher.

Das gilt allerdings nicht für Salzwasser-Becken, sie sind anspruchsvoll in der Erhaltung. "Da muss man dauernd etwas tun", sagt der Experte. Korallen und Anemonen sind ein Fall für engagierte Fachleute. Ebenso aufwendig ist die Wartung der unumgänglichen Technik: Eine Strömungspumpe erzeugt die für viele festsitzende Arten wichtigen Wellenbewegungen. Der Abschäumer schöpft überschüssige Proteine ab, Beleuchtung, Filter und Heizung müssen auf die Größe und den Inhalt des Aquariums abgestimmt sein.

Gezieltes Eingreifen verhindert, dass sich eine Pflanzen- oder Korallenart durchsetzt und im Becken dominiert. Nur die Kombination aus Wissen, Können und Einsatz führt den Heimtierhalter zum Erfolg und bringt den Ausschnitt einer fantastischen Unterwasserwelt ins Wohnzimmer.

"Kleine Aquarien sind hohe Schule. Je weniger Wasser, desto näher ist man am Scheitern", warnt Weissenbacher. Und rät: "Einsteiger sollten mit einem großen Becken starten."

Besatz: Nicht alle Wasserbewohner eignen sich gleichermaßen für die Haltung im Miniatur-Aquarium. Wichtig ist, dass Garnelen, Krebse und Schnecken friedlich nebeneinander leben können. Bei der Auswahl der Tiere müssen Größe, Verhalten, Sauerstoffverbrauch und Fortpflanzung der jeweiligen Art berücksichtigt werden. Überbesatz ist zu vermeiden.
Fische: So manche Fischart – es gibt Zierfische ab etwa 12 mm Körperlänge – ist von Natur aus an Lebensbedingungen wie im Nano-Becken angepasst. Zahnkarpfen, die maximal 3,5 cm groß werden, kommen mit ca. 25 Liter Wasser aus. Sie dürfen trotzdem nicht ins Glas: Das Tierschutzgesetz schreibt für eine dauerhafte Fischhaltung ein Aquarium mit mindestens 60 Liter Volumen vor.

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