Sind Strafen oder Belohnungen effektiver?

Ein kleines Experiment an der Washington University zeigte, dass Versuchspersonen bei Belohnungen fehleranfälliger waren.
Eine junge Frau sitzt auf einer Treppe und benutzt einen Laptop, im Hintergrund weitere Studenten.

Zuckerbrot oder Peitsche – die Washington University analysierte in einem Experiment das Lernverhalten von Studenten bei drohenden Verlusten (Bestrafungen) und Belohnungen. Die Wissenschafter teilten 88 Studenten in zwei Gruppen auf: Die eine Gruppe beobachtete Lichtblitze auf einem Bildschirm und musste angeben, ob sie diese auf der linken oder rechten Seite aufblitzen sah. Die andere Gruppe hörte Knackgeräusche und musste angeben, ob sie diese links oder rechts hörte.

Die Geräusche bzw. die Blitze folgten dicht aufeinander, damit Druck aufgebaut werden konnte. Jedes Mal, wenn der Student seine Antwort eingegeben hatte, wurden dem Versuchsteilnehmer nach dem Zufallsprinzip 5, 10, 15, 20 oder 25 Cent als Belohnung für die richtige Antwort angezeigt oder als Strafe für eine falsche Antwort wieder weggenommen.

Höhere Belohnung, mehr Wiederholungen

Das Ergebnis, wie die Zeitschrift Cognition berichtet: Wenn ein Student belohnt wurde, neigte dieser dazu, die bisherige Wahl zu wiederholen. Je höher die Belohnung ausfiel, desto stärker wurde die Tendenz, die Antwort zu wiederholen. Wenn ein Versuchsteilnehmer hingegen bestraft wurde, vermied er die vorherige Wahl. Es spielte keine Rolle, wie groß die Verluste waren: Beide Versuchsgruppen vermieden die vorherige Wahl bei Strafen, daraus schlussfolgern die Wissenschafter, dass der Reiz selbst keine Rolle spielte. "Objektiv gesehen, könnte man meinen, dass ein Gewinn in der Höhe von 25 Cent die gleichen Auswirkungen hat wie ein Verlust in der Höhe von 25 Cent, aber so war es nicht", sagte der Studien-Autor und Neurobiologe Jan Kubanek von der Washington University School of Medicine.

Strafen vielleicht wirkungsvoller

Die Studie ermögliche einen neuen Blick auf das Verständnis von Lernverhalten. In manchen Situationen könne es besser sein, Punkte abzuziehen, wenn Studenten falsch liegen, als sie für richtige Antworten zu belohnen. Dieses Umdenken könne Wiederholungs-Fehlern entgegenwirken.

Die Frage, wie Belohnungen und Strafen unser Verhalten beeinflussen, beschäftigt Psychologen seit über 100 Jahren: "Eine solche Rückmeldung muss nicht hart sein. Aus evolutionärer Perspektive gesehen neigen Menschen dazu, Strafen oder gefährliche Situationen zu vermeiden." Dies könnte erklären, warum die Höhe der Strafe (der Abzug der Cent-Beträge) keine Auswirkung auf die Versuchsteilnehmer hatte.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher herausfinden, wie sich Verhaltensänderungen aufgrund von Belohnungen und Bestrafungen im Gehirn abspielen: "Die Untersuchung der neuronalen Mechanismen, helfen uns, neurologische Erkrankungen besser zu verstehen."

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