Leben
10.05.2018

Sexismus: Lidl wird für Muttertagsaktion scharf angegriffen

Die Supermarktkette Lidl bietet zum Muttertag Haushaltsprodukte vergünstigt an. Das sorgt für Kritik.

Nähmaschinen, Staubsauer, Bügeleisen - und das alles total günstig. Das Discountunternehmen Lidl lockt Kundinnen und Kunden in Deutschland mit verbilligten Haushaltsgeräten. Anlass der Rabattaktion: der Muttertag. Es sei "Zeit, Danke zu sagen", heißt es auf den Werbeplakaten.

Genau das stößt vielen sauer auf.

Viele User zeigen sich angesichts der Geschenkauswahl für Mütter erbost. Ihrem Ärger lassen sie unter anderem auf Twitter unter dem Hashtag #dankefürgarnichts freien Lauf. Der Diskonter bewerbe ein sexistisches Frauenbild und veraltete Geschlechterrollen, so der Tenor. Das zeige sich auch an der Werbeaktion für den Vatertag, in der Werkzeug und Bohrmaschinen angepriesen werden. Zahlreiche Nutzer legen der Supermarktkette jedenfalls nahe, ihr Marketing-Konzept zu überdenken. Oder endlich eine progressive Haltung einzunehmen - und Haushaltsgeräte zum Vatertag anzubieten.

Nicht alle können den Wirbel rund um die Kampagne nachvollziehen. Man könne als Unternehmen heutzutage nichts mehr richtig machen, beklagen jene, die Lidl in Schutz nehmen. Andere plädieren dafür, den Muttertag gänzlich zu ignorieren. Stattdessen solle man am Weltfrauentag zusammen "mit der Mutti für Frauenrechte demonstrieren", schlägt ein User vor.

Lidl hat auf die breite Kritik laut Medienberichten jedenfalls reagiert und die kontroverse Geschenkauswahl geändert: Aktuell werden Handtaschen, Schmuck und Schals angeboten. Lidl selbst hat laut bento.de mit folgendem Statement reagiert: "Im Rahmen unserer wechselnden Aktionswochen greifen wir – wie alle Händler – saisonale Anlässe oder Feiertage in unseren Marketingmaßnahmen auf. Dabei bieten wir spezielle Aktionsprodukte an oder reduzieren ausgewählte Produkte für einen begrenzten Zeitraum teilweise deutlich im Preis, was bei unseren Kunden immer sehr gut ankommt. Wir bedauern, wenn wir mit den aktuellen Aktionsangeboten bei einigen Kunden für Unmut sorgen und nehmen das Feedback sehr ernst."

Lidl-Konkurrent Aldi nahm den Fauxpas zum Anlass, um gegen Lidl zu sticheln. "Wenn ihr auch der Meinung seid, dass man am Muttertag die Nähmaschine oder die Dampfbügelstation von Lidl Deutschland stehen lassen sollte, dann schenkt den wundervollen Müttern dieser Welt doch lieber etwas Verwöhnung!", postete man auf Facebook - und dazu ein Bild eines Verwöhnpakets "für die Beste" mit Schokolade, Frizzante, Make-up und Pflegeprodukten.

Auch dafür gibt es Kritik: "Shampoo und Creme heißt Verwöhnen lassen? Wenn man schon die Konkurrenz verhöhnt, sollte man sich bessere Ideen für Mütter einfallen lassen", kommentiert eine Nutzerin den Beitrag.

PR-Panne oder Kalkül?

Ob es sich bei der Lidl-Kampagne um eine PR-Panne oder werbetechnisches Kalkül handelt, bleibt ungewiss. Ähnlich verhält es sich mit einer Kampagne der Drogeriekette Bipa, die anlässlich des diesjährigen Weltfrauentages am 8. März Rabatte für Putzmittel anbot. Auch damals war die Empörung groß (mehr dazu hier).