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Iran
02/23/2017

Schach ohne Hidschab: Ausschluss aus Nationalteam

Dorsa Derakhshani darf außerdem nicht mehr an Schachtunieren im Iran teilnehmen.

von Elisabeth Mittendorfer

Dorsa Derakhshani, eine 18-jährige iranische Schachgroßmeisterin, wurde aus dem Nationalteam ausgeschlossen, nachdem sie ohne Hidschab zu einem Spiel gekommen war. Das Turnier fand Anfang des Monats in Gibraltar statt. Derakhshani wurde in Teheran geboren und studiert in Spanien. Sie darf nicht nur den Iran nicht mehr offiziell vertreten, sondern auch an keinen Turnieren im Land mehr teilnehmen.

Ihr 15-jähriger Bruder Borna Derakhshani wurde ebenfalls aus dem iranischen Nationalteam ausgeschlossen. Eine Strafe, weil er gegen den israelischen Spieler Alexander Huzman angetreten war. Der Iran erkennt Israel nicht als Staat an. Die beiden haben die Ausschlüsse noch nicht öffentlich kommentiert.

"Als ersten Schritt werden die beiden nicht mehr zu Turnieren zugelassen, die im Iran stattfinden", sagte Mehrdad Pahlevanzadeh, Leiter der Iranian Chess Federation, zur Washington Post. "Und im Namen des Irans wird es ihnen nicht länger erlaubt sein, das Nationalteam zu repräsentieren."

Im Rahmen der Islamischen Revolution im Jahr 1979 wurde im Iran eine Islamische Kleiderordnung erlassen. Diese sieht vor, dass Frauen in der Öffentlichkeit einen Hijab, also ein Kopftuch, das Haare, Ohren, Hals und Ausschnitt bedeckt, tragen müssen.

Unterstützung im Netz

Im Netz formierte sich rasch Unterstützung für Dorsa Derakhshani. Darya Safai, eine iranische Menschenrechtsaktivistin, machte unter dem Hashtag #ForcedHijab gegen den Bann mobil.

Internationaler Protest gegen Hidschab-Pflicht

Derzeit findet noch bis zum 5. März die Schachweltmeisterschaft der Frauen im Iran statt. Dort herrscht Hidschab-Pflicht, weswegen bereits im Vorfeld einige Schachmeisterinnen angekündigt hatten, das Turnier zu boykottieren.

Unter ihnen die US-Spielerin Nazi Paikidzse. Sie sagte bereits im Herbst gegenüber der britischen Tageszeitung Telegraph, dass sie es absolut inakzeptable finde, ein derart wichtiges Turnier an einem Ort zu veranstalten, wo sich Frauen mit einem Hidschab bedecken müssen. "Darum werde ich keinen Hidschab tragen und die Unterdrückung von Frauen unterstützen", postete Paikidzse Ende September auf Instagram.

Auch die ukrainische Schachspielerin und ehemalige Weltmeisterin Maria Muzychuk sagte, aufgrund der Hidschab-Pflicht nicht an dem Wettbewerb teilnehmen zu wollen.