Alabas Schwester: "Ich bin mein eigener Mensch"

Rose May Alaba
Foto: KURIER/Jeff Mangione  

Rose May Alaba, 22, hat keinen leichten Weg eingeschlagen. Die Schwester des Profi-Fußballers David Alaba muss, trotz toller Stimme, als Musikerin erst aus dem Schatten ihres Bruders treten. Aber sie ist, wie sie sagt, „ready“!

Rose May, du wirst bei der Eröffnungsfeier der Special Olympics in der Steiermark am Dienstag den Eröffnungs-Song „Can You Feel It“ singen ...   

Oh ja, ich durfte letztes Jahr bei den Pre-Games auftreten und habe dort anscheinend so begeistert, dass Coke (Anm.: Sponsor Coca Cola) mich gefragt hat, ob ich nicht den Unified-Song mitschreiben möchte. Da hab’ ich gleich Ja gesagt.

Was macht Menschen mit  Beeinträchtigungen für dich besonders?  

Das schönste Gefühl war, dass die Menschen so viel Liebe geben, obwohl sie das gar nicht müssten. Man erwartet das gar nicht in der heutigen Welt, aber sie tun es trotzdem.

Wie würdest du deinen Song „Can You Feel It“ beschreiben?

Also, ich habe versucht, es so einfach wie möglich zu halten, aber trotzdem eine Message reinzubringen. Ich habe ganz viele ‚Ohs‘ eingebaut, damit wirklich jeder leicht mitsingen kann. 

Das ist deine insgesamt dritte Single. Wolltest du nicht schon vor längerer Zeit ein Album veröffentlichen?

Die Zeit ist noch nicht reif dafür. Mein Papa, der auch mein Manager ist, und ich haben entschieden, dass wir uns noch mehr Zeit lassen wollen, weil ich mich ja ständig weiterentwickle. Ich lasse mich von Jahr zu Jahr mehr inspirieren, lerne neue Musik und neue Leute kennen und komme immer mehr aus meiner Schale raus. Wir haben auch gesagt, dass ein Album einfach nichts bringt, solange ich noch keinen Hit hatte.     

Viele Menschen glauben  ja, dass man mit einem prominenten Familienmitglied wie deinem Bruder David, der Profifußballer ist, leichter Karriere macht. Ich glaube ja eher, es ist schwieriger.

Ich bin immer noch in der Position, den Leuten beweisen zu müssen, dass ich ein musikalisches Talent habe. Viele sind einfach geblendet und denken sich: „Dein Bruder ist doch eh berühmt. Warum musst du jetzt auch Erfolg haben?“ Das ist das große Missverständnis. Ich will nicht berühmt werden, sondern Musik machen. Ich kann mir auch nichts anderes vorstellen.

Hast du es mit etwas anderem versucht?

Ja, ich habe ein Praktikum in einem Büro gemacht, aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich möchte nur  Musik machen, egal, wie lange es dauert. Ich muss einfach nur hart dafür kämpfen. Und wenn das heißt, dass ich die Leute eben überzeugen muss, dann bin ich ready.

Was motiviert dich weiterzumachen, auch wenn der Hit noch fehlt?

Der Punkt ist, dass ich noch jung bin. Ich bin gerade mal 22 und muss mich selber im Leben noch finden.  Ich weiß, dass meine Zeit noch kommen wird, mit Gottes Hilfe. Ich weiß noch nicht wann, aber das Einzige, was ich machen muss, ist, mein Bestes zu geben.  Dann werde ich mein Ziel erreichen.  

Auf YouTube findet man ein Interview mit deiner Mutter Gina, die darin sehr viel über die Kraft Gottes spricht. Kommt dein Vertrauen daher?  

Auf jeden Fall. Ich glaube auch, der liebe Herr im Himmel hat für uns alle einen Weg. Ich habe ein Talent von Gott erhalten und es ist mein Weg, dieses Talent mit den Leuten zu teilen. Ich glaube, dass ich das irgendwann erreichen werde. Lieber langsam und  sicher als schnell und wieder weg.

Ich bin in ein katholisches Gymnasium gegangen und habe die Erfahrung gemacht, dass  Glaube nicht als cool gilt.  

Heutzutage ist es genauso. Aber meine Eltern haben uns von klein auf gesagt,  dass das kein Thema ist, für das man sich schämen muss. Warum auch, wenn man dadurch ein besserer Mensch wird? Ich versteh’ gar nicht, warum es so uncool ist, eine Religion zu haben. Es geht ja nicht mal um Religion, sondern darum, an etwas zu glauben, was dich als Mensch besser macht.

Wie sehr hast du den Glauben in dein Leben integriert?

Ich lese jeden Tag die Bibel und es gibt verschiedene Topics, die mir  sehr helfen, wenn es darum geht, wie man Menschen behandelt oder selbst durchs Leben gehen soll. Mein Papa hat mir und meinem Bruder ein Heftchen geschenkt, in dem für jeden Tag eine Geschichte steht, auf moderne Art und Weise erzählt. Man kann das auch als App runterladen. Es heißt „Unser täglich Brot“  und es reicht, wenn man jeden Tag zehn Minuten investiert.  Wir verbringen oft mehrere Stunden mit dem Handy, da kann man sich auch zehn Minuten Zeit für solche Dinge nehmen.  

Da soll noch einer sagen, Handys seien für junge Menschen  nur negativ.

Natürlich lese ich öfter die Bibel in Buch-Form. Aber wenn ich wenig Zeit habe oder, Gott bewahre, meine Bibel irgendwo  vergesse, habe ich sie am Handy.

Rose May Alaba Foto: KURIER/Jeff Mangione

Rose May, es geht im Glauben doch auch darum, sich anzunehmen wie man ist. Warum hast du  30 Kilo abgenommen?  

Es war für mich einfach extrem ungesund, so viel zu wiegen. Ich bin 1,64 Meter und hatte 96 Kilo. Ich habe ein Lied geschrieben, das „Love Me Right“ heißt. Damit wollte ich sagen, dass es wichtig ist, mit sich im Reinen zu sein. Wenn es für jemanden okay ist, 30 Kilo mehr zu wiegen, ist das super. Ich liebe mich halt, mit 30 Kilo weniger, weil ich gemerkt habe, dass es für meine Gesundheit besser ist.

Oft gibt es einen Grund, wenn man stark zunimmt. Wie war das bei dir?  

Ich war eben in der Pubertät und das Buffet in der Schule war um die Ecke – wie das halt so ist bei Mädchen in dem Alter. Man schaut nicht drauf, nimmt zu und irgendwann sagen dir die Eltern: „Du Rosie, jetzt hast ein bissi viel oben.“ Ich glaube aber, jedes Mädl muss da selber draufkommen. Man kann niemanden zwingen abzunehmen, wenn er das nicht  will.  

Dein Vater George war auch Musiker und außerdem der erste Schwarze beim österreichischen Bundesheer. 1995 hat „Am Schauplatz“ eine Doku über ihn gedreht ...  

Ja, das hab ich gesehen. Damals  waren mein Bruder und ich noch Babys. Meine Oma sieht man auch.

Dein  Vater erzählt, dass er es  als Nigerianer nicht immer leicht hat. Deine Mutter ist eine Filipina: Welche Erfahrungen hast  du mit deiner Hautfarbe gemacht?  

Zum Glück fast nur gute. Natürlich wird man in der Schule gehänselt und es gibt gemeine Kinder. Aber die wird es immer geben. Jedes Kind kennt es, einmal gemobbt zu werden oder selber zu mobben. Man muss lernen, da drüberzustehen, egal welche Hautfarbe man hat.  Ich finde, dass eine Hautfarbe niemanden einschränken sollte.

Und wenn es doch passiert?  

Wenn mir solche Sachen widerfahren, versuche ich, das einfach abzulachen. Man muss selbst wissen, wofür man steht und darf sich das nicht zu Herzen nehmen. Außerdem: Wofür steht das Wort Neger eigentlich? Es heißt, dass du arm bist. Bin ich arm? Nein, bin ich nicht. Nenn mich, wie du möchtest, aber ich habe ein anderes Bild von mir. Das ist wichtig!

Nicht arm sein im Sinne von reich, weil dein Bruder David Profi-Fußballer ist?

Mit Geld hat das gar nichts zu tun! Wenn ich ‚nicht arm‘ sage, spreche ich von Charakter oder Weisheit.

Ist der Druck nicht kleiner, wenn man weiß: Man kann, muss aber nicht?

Überhaupt nicht. Ich bin jetzt noch mehr in der Position, etwas erreichen zu wollen – für mich selber. Wer bin ich, dass ich vom Geld meines Bruders leben wollen würde? Mein Bruder würde sogar sagen: „Rose, geh  nicht arbeiten.“ Aber ich bin mein eigener Mensch. Warum soll ich von jemandem abhängig sein? Das sehe ich nicht ein. Vor allem könnte ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass ich ein Talent habe, das ich nicht nutze. Das wäre für mich Verschwendung.  

Rose May Alaba Foto: KURIER/Jeff Mangione

Lebst du noch bei den Eltern?  

Ja, und ich habe das Bedürfnis  noch nicht, auszuziehen. Meine Eltern pendeln sehr viel und sind oft bei meinem Bruder. Da habe ich das Haus dann für mich. Außerdem bin ich viel unterwegs und habe meinen eigenen Bereich dort. Da rentiert es sich nicht, auszuziehen.  Und meine Eltern respektieren sehr meine Privatsphäre, alles easy.

Manche Kinder bauen sogar ihre Häuser neben dem der Eltern.  

Genau, ein kleines Häuschen. Der David hat früher auch unten im Keller geschlafen und sich das superschön eingerichtet – ein Wohnzimmer mit Fernseher und allem. Ich nutze meinen Bereich auch sehr gerne und habe dort meine Ruhe.

Ziehst du als Sängerin nicht gerne um die Häuser?

Ich bin keine Weggeherin, und wenn, bin ich die Erste, die Tschüss sagst. Was das betrifft, bin ich echt eine Abkackerin. Ich chille viel lieber bei Freunden zuhause. Wir jammen gerade recht viel. Das ist für uns Fortgehen. Ansonsten ist Fortgehen für mich eher Geldverschwendung.

Bist du ein Musterkind?  

Ich muss ehrlich sagen, dass meine Eltern mit mir auch viel durchgemacht haben. Ich war in Wien ja quasi ein Einzelkind, weil der David schon sehr früh weggegangen ist. Und dann die Pubertät ...ich hab auch wirklich alles durch. Danke an meine Eltern für die Unterstützung und dafür, dass sie immer an mich glauben.

Ich hab jetzt kurz mal nachgerechnet: Leider bin ich fast doppelt so alt wie du. Was muss man in meinem Alter über Menschen in deinem Alter  wissen?  

Das ist lustig, weil ich gehöre eigentlich nicht zu diesen  Klischee-Jugendlichen. Ich verwende auch keine Jugendsprache, sondern bin sehr wienerisch, ziemlich proletenhaft. Wenn ich viel red’, kann schon mal ein ‚Oida‘ rauskommen.

Im Sinne von ...?  

Naja, das ist so wie Alter, boah! Es ist ein bisschen abwertend und ich empfehle es nicht. Keiner hört es gerne, wenn ein Wiener um die Ecke biegt und sagt: ‚Geh, Oida! Heute ist ein leiwander Tag.‘

Vielleicht ist das deine ganz persönliche Identifikation mit Wien?

Ich bin hier in der Donaustadt im 22. Bezirk aufgewachsen. Man merkt das an meinem Akzent. Es ist für mich schwer, ihn abzulegen. Aber es ist das, woher ich komme und ich bin stolz darauf.

Du bist Nigeria, du bist die Filipa und du bist Wien-Donaustadt.

Genau, ich bin alles und habe drei wunderschöne Kontinente in einem. Europa, Asien und Afrika. Wer hat das schon?

freizeit.at-button

Die Entschlossene

Rose May Alaba
Foto: KURIER/Jeff Mangione

Rose May Alaba, 22, wurde 1994 in Wien geboren und wuchs gemeinsam mit ihrem Bruder David, Profi-Fußballer beim FC Bayern, in der Donaustadt auf. Als sie sechs war, bemerkten ihre Eltern ihr musikalisches Talent und ermöglichten ihr Klavierunterricht.  Mutter Gina, die von den Philippinen stammt, war selbst einmal Sängerin, Rose Mays Papa George, ein Nigerianer, war einige Zeit mit der  Band „Two in One“ erfolgreich.  Als Alaba 14 war, brachte sie sich selbst das Gitarrespielen bei und begann eigene Songs zu schreiben.  Mit 16 sammelte sie als Mitglied einer TV-Girlie-Casting-Band  erste Erfahrungen in der Musikbranche. Ihre erste eigene Single „All Of This Is You“ kam 2016 auf den Markt. Seither arbeitet sie an ihrem Durchbruch und  hat für die Special Olympics, die am 14. März in Schladming starten, das Lied „Can You Feel It“ beigesteuert.

www.rose-may.com  www.specialolympics.at

(Kurier freizeit am Samstag) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?