Zug zum Meer: So schnell ist man jetzt von Wien in Triest
Dank der neuen Koralmbahnverbindung ist die einstige k. u. k. Hafenstadt ein ideales Wochenendreiseziel. Italienischer Lifestyle trifft auf altösterreichische Geschichte.
Das Meer ist nähergerückt. Man steigt zum Frühstück in Wien in den ÖBB-Railjet und ist zu Mittag in Triest, der Stadt, die auch „Wien am Meer“ genannt wird. Dank der neuen Koralmverbindung erreicht man die einst wichtigste Hafenstadt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie von Wien über Graz jetzt in sechseinhalb Stunden (statt, wie bisher, in etwa neuneinhalb Stunden).
Die Verbindung Wien– Triest ist aber nicht nur auf der Schiene spürbar, sondern in der gesamten Stadt. Die Wiener Symphoniker gastierten vorige Woche mit ihrem „Frühlingsfestival Primavera da Vienna“ in Triest. Die Plakate hängen noch.
Stimmungsvoll bei Tag und Nacht: Piazza dell'Unità d'Italia, Triest.
©Braunrath BirgitAn der Ponterosso trifft man auf Maria Theresia in Form des „Tallero“, des größten Maria-Theresien-Talers der Welt mit vier Metern Durchmesser. Vor dem 2023 eingeweihten, 16 Tonnen schweren Monument drängen sich italienische Schüler auf ihre Klassenfotos. Der Ort ist fixer Bestandteil jeder Klassenreise.
Das 1914 nach Wiener Kaffeehausvorbild gegründete Caffè San Marco, einst Treffpunkt der Künstler und Intellektuellen, ist heute auch Buchhandlung, Bar (der hausgemachte Wermut ist eine große Empfehlung) und Ort der Begegnung: Der Betreiber, Alexandros Delithanassis, ist griechischer Abstammung und begrüßt italienische Gäste zu einer der regelmäßig stattfindenden deutschsprachigen Lesungen. Um die Verbindung zu Wien weiter zu stärken, arbeitet Delithanassis derzeit mit einigen anderen an der deutschsprachigen „Triester Zeitung“, die ausschließlich gedruckt erscheinen und demnächst in Wiener Kaffeehäusern aufliegen soll. Doch das sind längst nicht alle Bezüge zu Österreich. Wenige Kilometer außerhalb des Zentrums, auf einem Felsen über dem Meer, befindet sich Schloss Miramare, einst Sommerresidenz der Habsburger.
Ausstellungen
Lady Gaga, Harry Styles
2023 eröffnet, ist die ikonische ITS Arcademy Italiens erste Sammlung für zeitgenössische Mode. Seit Ende März ist dort die Ausstellung „Exposure – The Power of Being Seen, from Harry Styles to Lady Gaga“ zu sehen. Kuratiert von Gagas langjährigem Stylisten, dem Belgier Tom Erebout, reflektiert sie die Sprache der Mode von Stars. Bis 3. Jänner 2027.
Ägyptische Sammlung
Dem Trend der „Ägyptomanie“ seiner Zeit folgend, war Erzherzog Maximilian, Erbauer von Schloss Miramare, ein Sammler ägyptischer Artefakte. Ein Großteil der Sammlung kam dann nach Wien ins Kunsthistorische Museum. Nun sind die Werke in Miramare zu Gast. „Maximilian von Habsburg und die ägyptischen Sammlungen zwischen Triest und Wien“: bis 1. November.
Impressionismus
Auf der Fahrt nach oder von Triest kann man in Udine aussteigen und die internationale Schau „Impressionismus und Modernismus“ besuchen: In der Casa Cavazzini sind an die 100 Meisterwerke aus der Schweizer Sammlung Winterthur zu Gast (während dort das Gebäude „Beim Stadthaus“ renoviert wird). Monet, Van Gogh, Picasso, Kandinsky, Magritte ... – bis 30. August.
Kunst und Karst
Seit Mittwoch kann man hier die – in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum – nach 143 Jahren erstmals zurückgekehrte Ägyptensammlung Erzherzog Maximilians sehen. Die Sphinx, direkt am Landesteg, erzählt von der Sammelleidenschaft des Erbauers von Miramare, der auch fundierter Botaniker und weltweiter Pflanzensammler war. Aber auch im Karst entlang der historischen Triestiner Straßenbahnstrecke Tram di Opocina (2025 wiedereröffnet, derzeit in Reparatur) trifft man auf Altösterreich. Das Zinzenberg in Opocina, eine Genusshandlung mit Café Osteria, Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen in einem renovierten Kloster, ist nach Graf Karl von Zinzendorf benannt, der unter Joseph II. Gouverneur von Triest war. Das angeschlossene Gourmet-Restaurant „Špajs“ (Slowenisch für Speisekammer) erinnert charmant an den Wiener Ausdruck „Speis’“.
Info
Anreise
Per ÖBB-Railjet ist Triest nun dank der neuen Koralmbahnstrecke deutlich schneller ab Wien (Abfahrt: 06.53) und Graz (Abfahrt: 09.22) täglich erreichbar (Ankunft: 13.31).
Ein Zwischenstopp in Udine (Ankunft: 12.16) lohnt sich! Rückfahrt ab Triest 14.22, oebb.at
Übernachten mit Stil
Als es 1911 eröffnet wurde, galt das Savoia Excelsior Palace als „das luxuriöseste und eindrucksvollste Hotel der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie“.
Direkt am Hafen gelegen, bietet der Prachtbau eine einmalige Aussicht auf den Golf von Triest.
Auskunft
Vielen Infos finden Sie auf der offiziellen Website italia.it/de
Geführte Touren (auch Deutsch): nord-estguide.com
Etwas weiter nördlich im Karst, im kleinen Ort Prepotto, produziert Sandi Skerk in dritter Generation Wein. Seine Naturweine, mineralisch, fruchtig und seit 2024 in Kalksteinfässern ausgebaut, erzählen von den harten Gesteinsschichten, in die Skerk seinen beeindruckenden Keller baute, aber auch vom nahen Meer und der salzigen Luft.
Beeindruckender Keller in einer Karsthöhle: Weingut Skerk in Prepotto.
©Birgit BraunrathMan nimmt eine Flasche Wein mit und trinkt sie zu Hause. Denn am Nachmittag fährt der Railjet zurück nach Wien, und zum Abendessen ist man wieder daheim.
Kommentare