Slawonien: Ein Roadtrip durch den unbekannten Osten Kroatiens

Slawonien: Ein Roadtrip durch den unbekannten Osten Kroatiens
Slawonien ist selbst für Kroatien-Kenner oft ein weißer Fleck auf der Landkarte. Was es im Osten des Landes zu sehen gibt.

Istrien, die Kvarner Buch und Dalmatien sind beliebte Reiseziele der Österreicher. Doch Slawonien ist selbst für Kroatien-Kenner oft ein weißer Fleck auf der Landkarte. Dabei ist die Region mit ihren weiten Ebenen, den Weinbergen und den Drau- und Donau-Auen vielfältig. Vier Stationen aus einem Roadtrip durch den östlichen Teil Kroatiens.

Slawonien: Ein Roadtrip durch den unbekannten Osten Kroatiens

1. In die Vergangenheit spazieren

Varaždin. Ein kostümiertes Treiben herrscht beim alljährlichen Špancirfest
Die nordkroatische Stadt am Ufer  der Drau zählt zwar noch nicht zu Slawonien, ist aber der erste Stopp, den man auf einem Roadtrip einlegen sollte. Von Graz fährt man mit dem Auto  nur zwei Stunden hin. 

Highlight: Jedes Jahr  im Spätsommer findet das Špancirfest (heuer: 23. August bis 1. September, spancirfest.com/en/) statt, das Jung und Alt aus ganz Kroatien  in die ehemalige Hauptstadt des Landes lockt. Dann gehören die  Gassen und Plätze Varaždins den Musikern und Handwerkern,  den Tänzern und Trommlern,   den Straßenverkäufern und  natürlich: den Flaneuren. Die charmante Altstadt wird zur Bühne, zum Laufsteg für Einheimische, die sich in  Kleider und Uniformen vergangener Zeiten werfen. 

Slawonien: Ein Roadtrip durch den unbekannten Osten Kroatiens
Slawonien: Ein Roadtrip durch den unbekannten Osten Kroatiens

Meist sind es Männer der „Purgari“, der Bürgergarde von Handwerkern und Händlern (dunkle Uniform), oder Varaždiner Husaren (in Rot). Als Zuschauer glaubt man, in ein Filmset einer Monarchie-Doku gestolpert zu sein. Wer nicht nur schaut, sondern auch horcht, wird in den Gassen zudem die Töne des Drehorgelspielers Srećko vernehmen, selbst ein Unikat.

Wer das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Nordens  abseits des Trubels besucht:  Für die Stadt darf man dank der Paläste mit verspielten Barockfassaden, den  schmalen Kirchtürmen und lieblichen Innenhöfen den Begriff bezaubernd bemühen. 

2. Genussvolles aus mehreren Welten

Baranja. Von der scharfen Fischsuppe im Kessel bis zur Kulen-Rohwurst 

Grenzbewohner sind findig: Sie suchen sich Schmankerl von allen Seiten zusammen. Ein Löffel Puszta hier, eine Handvoll Balkan da. Wer gern  gut schmaust, ist in der Baranja, dem nordöstlichen Teil Slawoniens, gut aufgehoben. Vegetarier sollte man halt keiner sein.

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Unbedingt kosten muss man die scharfe Fischsuppe („Fischpaprikasch“), die  nur original schmeckt, wenn sie mit frischem Fisch und im Kessel über offenem Feuer zubereitet wird – so wie vor dem Weinkeller Josić im Dorf Zmajevac, nah an der Grenze zu Ungarn und Serbien. Während draußen zwei solcher Kessel dampfen, nippen im kühlen Weinkeller Gäste am Glas. Die „Gatori“, die in den Hohlweg eingeschnittenen Weinkeller, erinnern stark an die Kellergassen im Weinviertel. Das flache Land ist gut zu den Bauern, es ist fruchtbar, Sonnentage gibt es viele – so schmeckt auch der Wein. Besonders Graševina (Welschriesling) trinkt man hier gern. Hausgemachtes  bekommt man in Heurigen-ähnlichen Lokalen wie dem Baranjska kuća in Karanac

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Eine deftige Delikatesse ist Kulen: Die Wurst mischt man aus Fleisch vom schwarzen slawonischen Schwein mit gemahlenem Paprika aus Baranja. Und im Hintergrund spielt eine Tamburica-Gruppe Volksmusik!

Und Süßes? Međimurska gibanica ist die kroatische Variante des herzhaften Blätterteiggebäcks, mit den vier Füllungen Mohn, Frischkäse, Nüssen, Äpfeln.

3. Vogelbeobachtung in der grenznahen Sumpfwelt

Wo die Drau in die Donau mündet, fährt man mit dem Boot durch eines der größten Feuchtbiotope Europas Kopački rit. 

Leonardo steuert mit ruhiger Hand das kleine Boot in einen Nebenarm. Eine Schar Vögel flattert  auf. Sind es die  sanften Bugwellen, die ihre Ruhe stören? Oder ist es der Seeadler, der über das Wasser gleitet? Die Vögel lassen sich aber rasch wieder auf einem  verästelten Stück Totholz nieder, das aus dem dunklen Blau ragt. Ob das  nun Drauwasser oder die blaue Donau ist, spielt für die Gefiederten keine Rolle.

Überquert man in Osijek, viertgrößte Stadt des Landes,  die Drau, fährt man nur zehn Minuten zum Eingang des Naturparks Kopački rit.  Die Kroaten bezeichnen ihn gern als Amazonas Europas. Gut, das mag ein wenig überspitzt sein. Fakt ist, dass das Gebiet, wo die Drau in die Donau mündet, eines der größten und besterhaltenen Sumpfgebiete Europas ist, das auch in die Nachbarländer  Ungarn und Serbien hineinschwappt. 
 

Slawonien: Ein Roadtrip durch den unbekannten Osten Kroatiens
Slawonien: Ein Roadtrip durch den unbekannten Osten Kroatiens

Der junge Sprachstudent Leonardo verdient sich als fachkundiger Ausflugsbootführer ein Zubrot. Mehr als 280 Vogelarten haben Forscher hier bereits nachgewiesen, erzählt er mit ruhiger Stimme.  Das liegt auch daran, dass Kopački rit  zudem die größte Fischbrutstätte im Donauraum ist. Wo der Fisch ist, ist der Vogel nicht weit. 

Auch für Kanufahrer und Fotografen ist das Feuchtgebiet ein Wunderland, denn Überschwemmungen bilden neue Sandbänke, Flussinseln und seichte Stellen. Auf festem Boden kann man die brettlebene Gegend  per Rad erkunden oder innerhalb von Kopački rit ein Stück auf Holzbrücken spazieren. 

Als Stützpunkt  eines Trips in den äußersten Osten eignet sich Osijek. 1722 ist hier mit Tvrđa eine der größten Festungen  des heutigen Kroatiens aus dem Sumpf hervorgegangen. Heute ist die regionale Metropole grün (siebzehn Parks), quirlig (dank der Studenten, ihren Cafés und Bars) sowie architektonisch gut bestückt: von der Europa-Allee mit den Jugendstil-Fassaden über die Kathedrale bis zur Hängebrücke über die Drau.  Mein

Tipp: Zu Sonnenuntergang ins Bootsrestaurant „Projekt 9“ an der Drau-Promenade.

Und schon wieder ein Prachtbau

Trakošćan/Virovitica/Đakovo. Schlösser und Kirchen als Zeugen der stürmischen Geschichte

Wer  schon in Varaždin weilt, kann  auch gleich Trakošćan besichtigen (Achtung: kurvenreiche Straßen!) Erstmals im 13. Jahrhundert erbaut, diente das weiße  Schloss auf einem Hügel schon als Kulisse für einen Dracula-Film und ist eines der meistbesuchten Schlösser Kroatiens. 

Schloss Trakošćan

Schloss Trakošćan

Auf der Fahrt vom Norden in den Osten nach Osijek, ins slawonische Kernland, sollte man  in Virovitica anhalten. Das spätbarocke Schloss Pejačević wurde mit EU-Geldern saniert, leuchtet fliederfarben und bietet eine tolle historische Ausstellung.

Auskunft

In Ðakovo, stimmhaft Dschàkowo gesprochen, bleiben zwei Eindrücke hängen: Zum einen besitzt man eines der ältesten Gestüte Europas (seit 1506), seit Beginn des 19. Jahrhunderts werden hier Lipizzaner gezüchtet. Zum anderen beeindruckt in der Innenstadt die ziegelrote Kathedrale des hl. Petrus, die im neoromanischen Stil erbaut wurde. Der Guide erzählt so stolz, dass dies der größte Kirchenplatz nach dem in Rom sei, das man es ihm lieber glaubt.

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Die Kathedrale in Ðakovo

Auf der Rückreise im Uhrzeigersinn bietet sich  noch ein Abstecher ins auf den ersten Blick unspektakuläre Slavonski Brod an, die Grenzstadt liegt am Nordufer der Save. Dort kann man auf der barocken Festungsanlage (Tvrđava Brod) spazieren; die Mauerreste erinnern an die österreichisch-ungarische Zeit. Oder man kauft sich  in der Fußgängerzone ein Eis, setzt sich an die Save und schaut nach Bosnien rüber.

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