Waldyoga, Atmen und Almboden: Neuer Trend verspricht tiefe Erholung
Selbstversuch: Im Lungau hat man sich auf die Perfektion von Erholung spezialisiert. Waldyoga, Almsport und Bewusstseinsübungen sollen gegen den städtischen Alltagsstress wirken.
Bienen mögen keinen Stress. Und weil ich merke, dass ich nach Stadt, Spannung und Nervositätsschweiß rieche, bleibe ich auf Respektabstand zu Andreas Bauers Bienen. Denn der Hobbyimker warnt: „Wenn man hingeht und Stress hat, hat man die ersten Stiche sofort.“
Bei Yoga im Wald schaltet sich die Welt leise. Katharina Bauer (links) hilft dabei.
©Lea MoserDeswegen erst einmal Stress abbauen mit dem neuen Zauberwort „Regeneration“, das seit einiger Zeit sowohl den Tourismus, als auch die Fitnessbubble bestimmt. Je mehr man darüber nachdenkt, desto komplizierter wird das Loslassen und Erholen. Im Lungau kann man es lernen. Die Region hat sich darauf spezialisiert, gehetzten Menschen wie mir beizubringen, wie man zur Ruhe kommt. Und zwar so richtig.
Der Rupertisee ist einer der Regenerationsplätze rund um Wagrain. Nach einer Wanderung ist wieder Zeit für eine Yoga-Einheit.
©Lea MoserDie Erholung beginnt in Weißpriach mit sanftem Morgensport im Wald. Ich laufe über sich grün kräuselndes Moos, über Rindenmulch, springe über Gräben und Bäche und mache Liegestütze im Schotter. Ich muss mich aktiv bemühen, den Ehrgeiz abzuschalten. Ja, im Fitnessstudio hätte ich meinen auf mich abgestimmten Trainingsplan, Geräte und Langhanteln. Hier habe ich „nur“ meinen eigenen Körper, den Wald als Spielplatz und die frische Luft. Doch ich soll mich entspannen, nicht leisten. Auch das muss ich lernen. Dabei hilft Katharina Bauer, die beim Morgenyoga auf einer Lichtung durch die Übungen leitet. Der Wald riecht nach schlammiger Erde und Klee. Der Körper wird leicht, ich höre die Bienen und die Kühe über die Almwiese summen und klingeln. Dann holt mich Katharina aus der Meditation wieder ins Hier zurück, in einen erwachsenen Körper, mit Alltag, Job, Verantwortung. Doch mit jeder Dehnung im Planetengruß fühlt sich alles ein kleines bisschen leichter an.
Die Heilung der gestressten Seele beginnt mit einem Ziehen im Oberschenkel.
Am Jägersee sollte man sich ans Ufer setzen und schauen.
©Lea MoserHeile, heile Seele
In Wagrain und Kleinarl hat man verstanden, wie wichtig dieses Thema geworden ist. In Zusammenarbeit mit der Paracelsus Medizinischen Universität wurden dort verschiedene Regenerationszonen definiert. Die Ziele sind hochgesteckt: Gäste sollen ihre verbrauchten Kräfte zurückgewinnen, Resilienz gegen die Belastungen des Alltags aufbauen und in der Natur Körper und Seele heilen. Agnes Moser ist Wanderführerin und erklärt beim Spaziergang um den dunkelgrünen Jägersee, wie man lernt, „zu sehen, was man in der Hektik nicht sieht“.
Wieder muss ich gebremst werden. Ich tendiere dazu, im Laufschritt den Schrittzähler glücklich zu machen, aber nicht unbedingt mich selbst. Agnes hält zurück, mahnt zum langsamen Gehen. Und gibt dann eine Übung auf: Ich soll mir ein Platzerl am Ufer suchen, mich hinsetzen, die Aufmerksamkeit auf die Stelle lenken, wo mein Körper den Boden berührt. Wieder geht es um den Kontakt zu mir selbst, dem Wald, der Wiese, dem Jetzt. Atmen, hören, fühlen. Ich schaue Fischern beim Fischen zu und einer Libelle beim Sein.
Jetzt könnte ich sogar nochmal den Versuch mit den Bienen wagen. Doch es beginnt zu regnen. Und schlechtes Wetter mögen sie noch weniger als Stress.
Info
Anreise Ab Wien über Salzburg nach Mariapfarr oder Wagrain. Mit dem Guest Mobility Ticket können Übernachtungsgäste für die Dauer des Aufenthalts alle öffentlichen Verkehrsmittel im Salzburger Land nutzen. guestmobilityticket.at
Übernachten Schöne Ferienhäuser (mit eigener Sauna im Haus) im Almdorf Omlach. Inkl. Honig vom Gastgeber Andreas Bauer zum Frühstück und Morgenyoga mit seiner Frau Katharina. almdorf-omlach.at
Auskunft salzburgerland.com
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